Leogang - Nach der 4:3-Testgala gegen den FC Liverpool könnte sich Herthas neuer Manager Fredi Bobic eigentlich richtig freuen. Der neue Stürmer Stevan Jovetic traf doppelt, Neuzugang Suat Serdar glänzte mit einem Traumtor aus spitzem Winkel. Doch Bobic ist nicht nach Freude zu Mute. Im Trainingscamp in Leogang treiben ihn Sorgen um – wegen der Pandemie, wegen der Ungewissheit, was mit den Fans in den Stadien passiert. Der ehemalige Stürmer geht auf Konfrontation mit der Politik.

Bobic verspürt wenig Freude auf den Saisonstart

Bobic fängt das Thema Corona und die Zuschauerbeschränkungen ruhig an und sagt: „Das bewegt uns gerade sehr stark in der Liga. Das muss man größer thematisieren. Das kann noch mal einen brutalen negativen Impact auf den Fußball und auch andere Sportarten und die Kultur haben.“

Es sind noch zwei Wochen bis zum Bundesligastart, und der Manager gibt ehrlich zu: „Die Freude auf die Bundesliga ist noch gar nicht so groß. Weil ich einfach die Sorgen sehen. Das macht uns Kopfschmerzen. Wir sind in der Lage, dass wir nicht wissen, was in einer Woche ist. Was passiert mit der Inzidenz? Was passiert mit den verschiedenen Virusvarianten?“

Dann holt Bobic aus – und mit dieser Meinung ist er bei den Bundesliga-Machern nicht allein. Was die Zulassungsbeschränkungen für Fans in Stadien angeht, äußert er sich so: „Man muss sich fragen: Wie sinnvoll das alles ist? Das Interessante ist ja, dass die Gesundheitsämter sagen, dass wir super Hygienekonzepte haben. Und dann sagt die Politik: Das dürft ihr doch nicht machen.“

Zulassung der Zuschauer sorgt für Ärger

Bobic kann das alles nicht mehr verstehen, wenn er sich die Entwicklung in anderen europäischen Ländern anschaut. „Wir sind letztes Jahr als Bundesliga gefeiert worden, weil wir die ersten waren, die wieder gespielt haben. Unsere Konzepte wurden übernommen. Und jetzt sind wir gefühlt die Letzten bei der Zulassung der Zuschauer. Wenn ich da zuschaue in Europa, frage ich mich, ob ich im falschen Film bin? Ob wir juristisch vorgehen müssen. Es ist wahrscheinlich so, dass wir diesen Weg, dass die Vereine und die Liga diesen Weg gehen müssen.“

Da braut sich etwas in der Liga zusammen. Doch Bobic bleibt dabei konstruktiv und sagt: „Wir sind sogar bereit, die Impfbereitschaft zu erhöhen. Wir würden jedem sehr gerne im Stadion ein Impfangebot machen.“

Bobic erklärt abschließend: „Ganz ehrlich, ich würde lieber über Fußball reden. Wir hatten einen schönen Fußballabend mit 12.000 Fans beim Testspiel in Innsbruck. Das hat auch die Jungs auf dem Platz gepusht.“