BerlinEingefleischte Herthaner werden sich am Dienstagabend schmerzhaft an den 25. November 2015 erinnert haben. Denn das trostlose 0:0 gegen den Tabellenvorletzten aus Mainz war nach mehr als fünf Jahren das erste Bundesligaspiel, in dem es beiden Teams über neunzig Minuten nicht einmal gelang, auf des Gegners Tor zu schießen. Und wieder war Hertha BSC beteiligt. Mit dem feinen Unterschied, dass die Berliner damals die triste Partie kurioserweise mit 1:0 gegen Hoffenheim gewannen. Eugen Polanski unterlief nach einem Freistoß von Marvin Plattenhardt ein folgenschweres Eigentor.

Weil seine Elf gegen den 1. FSV Mainz 05 ein solches nicht erzwang und ihr auch sonst nicht viel gelang, war Bruno Labbadia enttäuscht. Allerdings sah Herthas Cheftrainer auch am Mittwoch in einer virtuellen Medienrunde keinen Grund, allzu hart mit seiner Mannschaft ins Gericht zu gehen. „Wenn ich das Gefühl gehabt hätte, dass sie nicht gewollt hätten“, berichtete Labbadia von seiner Kabinenansprache, „wäre ich kritischer geworden“. Nichtsdestoweniger habe er Dinge angesprochen, die nicht gut waren. „Wir haben insbesondere in der zweiten Halbzeit den Kopf verloren und falsche Entscheidungen getroffen“, analysierte Labbadia, der deswegen von einer „Delle“ in der Entwicklung sprach.

Dabei wollte Hertha den zuletzt gezeigten Aufwärtstrend fortsetzen und endlich das untere Tabellenmittelfeld hinter sich lassen. Dass es anders kam, lag daran, dass seine Spieler im Laufe des Spiels gegen konsequent verteidigende Gäste, die bis dato acht von elf Spielen verloren hatten, immer unruhiger und hektischer wurden. Zudem, dass Hertha trotz der vielen teuren Zugänge zu sehr von der Spiellaune von Matheus Cunha abhängig ist. „Das ist ein Stück weit so. Das müssen wir auf mehreren Schultern verteilen“, erklärte Labbadia den Einfluss des Brasilianers, der nach seiner abgesessenen Gelbsperre vieles wollte, dem aber kaum etwas gelang.

Tousart enttäuscht erneut 

Tragen sollte die Mannschaft unter anderem Javairo Dilrosun und Matteo Guendouzi, die sich in den vergangenen Wochen in den Vordergrund spielten, aber gegen Mainz ebenso abtauchten. Allerdings war die Aufgabe, das engmaschige Verteidigungsnetz zu durchdringen, durch die für Vladimir Darida angeordnete Verschnaufpause bedeutend schwerer. Der tschechische Dauerläufer reist regelmäßig Löcher, in die Pässe (Guendouzi) und Spieler (Dilrosun) vorstoßen. Dass Daridas Vertreter, Rekordeinkauf Lucas Tousart, dieser Rolle weiter nicht gerecht wird, dürfte noch eine schmerzhaftete Erkenntnis gewesen sein, als die trostlose Nullnummer. Der Franzose, für 25 Millionen Euro aus Lyon gekauft, arbeitete ordentlich gegen den Ball. Akzente nach vorne setzte er abermals nicht.

Wiederkehrend ist auch die winterliche Diskussion um Herthas Rasen, die Labbadia trotz seines Unmuts über das schmierige und holprige Geläuf nicht als Ausrede gelten lassen wollte: „Wir sind dafür verantwortlich, dass wir nicht gut gespielt haben. Wir wollen aber technisch guten Fußball spielen und ein direktes Spiel war kaum möglich.“ Erledigt hat sich dieses Thema für dieses Jahr sowieso. Zum einen, weil der Rasen für das nächste Heimspiel gegen Schalke am 2. Januar ausgetauscht werden soll. Andererseits, weil Hertha für das letzte Spiel des Jahres am Sonntag in Freiburg antritt. Dort ist der Rasen zwar schief und vor allem zu klein, weswegen der SC seit jeher mit einer Ausnahmegenehmigung spielt. Doch trotz des baldigen Umzugs ins neue Stadion soll das Grün in einem guten Zustand sein. Größere Hoffnungen wird Labbadia allerdings auf Daridas Rückkehr an alter Wirkungsstätte setzen.