Berlin-Westend - Für seine Rettungsmission bei Hertha BSC betonte Cheftrainer Pal Dardai in den vergangenen Wochen stets, dass der Klassenerhalt ein realistisches Ziel sei. Allerdings unter der Prämisse, dass die Berliner von weiteren, vor allem größeren Verletzungssorgen verschont blieben. Insofern sorgt nicht nur die 0:2-Niederlage beim VfL Wolfsburg für eine Verschärfung der Tabellensituation. Mit Sami Khedira (Wade), Matheus Cunha (Oberschenkel) und Nemanja Radonjic (Leiste) fallen gleich drei wichtige Spieler mindestens für das kommende Heimspiel gegen den FC Augsburg (Sonnabend, 15.30 Uhr, Sky) aus. Cunha und Khedira womöglich sogar länger. „Leider hat Sami jetzt eine Verletzung. Wenn das ein kleiner Faserriss ist, ist es nicht schön. Weil Wade und Faserriss – das dauert“, erklärte Dardai.

Die Verletzungen sind weitere Nackenschläge in einer verkorksten Saison und sorgen dafür, dass die Luft für Hertha im Tabellenkeller nach nunmehr neun sieglosen Spielen in Folge immer dünner wird. Denn trotz guter Leistung und großer Moral: Etwas Zählbares sprang für die Berliner auch bei den Wölfen nicht heraus – obwohl sich Dardais Team wie in der Vorwoche beim 0:3 gegen RB Leipzig auch mit dem Tabellendritten auf Augenhöhe duellierte. „Das ist Champions-League-Modus für uns“, sagte Dardai mit Verweis auf das schwere Programm. Seitdem er das Amt von Bruno Labbadia übernahm, spielte Hertha neben Stuttgart gegen die Top vier der Tabelle und habe „allen Mannschaften eine ordentliche Party geboten“. Bis auf den Punktgewinn am Neckar feierte allerdings stets der Gegner.

Dardai beschwört das Glück

Dass es auch in der Autostadt nicht zum ersten Sieg in Dardais zweiter Amtszeit gereicht hat, lag erneut an der mangelnden Chancenverwertung. Während der VfL nach dem Eigentor von Lukas Klünter (37.) in der 86. Minute überhaupt das erste Mal auf Herthas Tor schoss und kurz vor Schluss noch über das Kopfballtor von Maxcence Lacroix jubelte, verzweifelte Dardai an der Seitenlinie und sprach angesichts der vielen vergebenen eigenen Möglichkeiten von einer „verhexten Situation“. Weil seine Spieler im Training regelmäßig ins Schwarze treffen würden, sei es in den Spielen „der psychologische Druck“, an dem seine Schützlinge derzeit scheitern. Dardais Devise: Ruhe bewahren und weiterarbeiten. „Es kommt, es kann nicht sein, dass es nicht kommt“, beschwor er das abhandengekommene Stürmerglück.

Augsburg ein „Muss-Spiel“

Hoffnung, dass die Durststrecke der im Kalenderjahr 2021 schlechtesten Offensive der Liga (sechs Tore) gegen Augsburg zu Ende geht, macht das Comeback von Mittelstürmer Jhon Cordoba. Der Kolumbianer verlieh Herthas Angriffsspiel nach seiner vierwöchigen Verletzungspause mit seiner physischen Präsenz mehr Wucht, sodass Cordoba auch den Ausfall von Herthas zuletzt so glücklos agierendem Topscorer Cunha kompensieren könnte. „Wir haben auch ohne ihn eine gute zweite Hälfte gespielt“, schöpfte Dardai Mut. Das gilt auch für Khedira, der aber ab der 53. Minute nicht mehr mitwirken konnte. Der Ausfall des 33 Jahre alten Weltmeisters könnte Hertha noch schwerer treffen. Zwar kam Khedira bisher nur zu vier Teileinsätzen. Dabei sorgte er aber für Ordnung und Sicherheit. „Er hat uns gutgetan. Er spielt kaum Fehlpässe und gibt der Mannschaft Ruhe“, erklärte Dardai, der angesichts Khediras langer Wettkampfpause bei Juventus Turin von einem „kalkulierten Risiko“ bei dessen Winter-Wechsel sprach.

Ebenso einkalkuliert hat der Ungar einen Sieg gegen Augsburg – auch ohne das Trio. „Jeder kann die Tabelle lesen. Das ist ein Muss-Spiel und das werde ich diese Woche immer wieder betonen. Ich will wissen, ob die Jungs damit klarkommen“, sagte Dardai über die veränderten Vorzeichen. Letztmals nicht als Außenseiter ging Hertha in die Partie beim VfB Stuttgart – und ließ in der ersten Halbzeit alles vermissen. „Wir haben es dann in der Halbzeit korrigiert. Das war in Ordnung“, erinnert sich Dardai an das 1:1. Diesmal hofft er, dass seine Spieler gegen den FCA von Anfang an bereit sind. „Ich werde sie vorbereiten“, versprach Dardai, „aber wenn der Schiri pfeift, sind die Spieler gefragt.“