Berlin - Die Szene war sinnbildlich für seine bisherige Zeit bei Hertha BSC. Stürmer Krysztof Piątek sah in der 12. Minute im Spiel gegen die TSG Hoffenheim die große Chance, seinen Ruf als Edeljoker endlich loszuwerden und sein erstes Tor als Startelfspieler in dieser Saison zu erzielen. Doch der Pole, der auch nach einem Jahr noch nicht so richtig in Berlin angekommen zu sein scheint, scheiterte vom Elfmeterpunkt am stark parierenden TSG-Torhüter Oliver Baumann. Am Ende verlor Hertha gegen Hoffenheim das Duell der enttäuschten Tabellennachbarn mit 0:3 (0:1) und rutscht immer tiefer in den Tabellenkeller. Nach Piąteks verschossenem Strafstoß trafen Sebastian Rudy (33.) und Andrej Kramaric mit zwei Toren (68., 88.) für die Gäste. Damit klafft die blau-weiße Lücke zwischen Anspruch und Wirklichkeit zum Ende der Vorrunde immer weiter auseinander.

Um das Minimalziel von 20 Punkten zum Ende der Vorrunde noch zu erreichen, ging Hertha-Trainer Bruno Labbadia – anders als bei der Nullnummer in Köln – von Beginn an auf volles Risiko. Der weiterhin an Adduktorenproblemen leidende Matheus Cunha rückte für den formschwachen Dodi Lukebakio in die Startelf. Zusammen mit den beiden Stürmern Piątek und Jhon Cordoba sollte Herthas Kreativkopf die kriselnden Kraichgauer von Beginn an unter Druck setzen.

Nun ist es so, dass Theorie und Praxis bei den Berlinern in dieser Saison meist weit auseinanderlagen. Doch im leeren Olympiastadion entwickelte sich vom Anpfiff weg ein munteres Spiel mit Strafraumszenen im Minutentakt, was zunächst vor allem an Hertha lag. Und nachdem Kasim Adams Cordoba mit dem gestreckten Fuß noch an der Sohle touchierte, schnappte sich Piątek den Ball für den fälligen Elfmeter, um seinem eingangs erwähnten Torfluch endlich ein Ende zu setzen. Zwar schoss der Pole durchaus platziert ins linke untere Eck, doch TSG-Torhüter Oliver Baumann spekulierte richtig und wehrte den Ball mit einer starken Parade ab.

Hertha zeigte sich allerdings nicht geschockt und rannte weiter an. Zunächst rauchte der Schuss von Rechtsverteidiger Peter Pekarik am linken Pfosten vorbei. Dann vergab Cordoba relativ frei eine Kopfballchance, indem er nicht genügend Druck hinter den Ball brachte. Doch wie schon so häufig in dieser Spielzeit verlor Hertha peu à peu die Balance – und kassierte von Rudy die kalte Dusche. Der Nationalspieler nutzte Herthas schlechte Staffelung in der Rückwärtsbewegung und überwand, weil Matteo Guendouzi den Ball noch leicht, aber entscheidend abfälschte, Herthas Torwart Alexander Schwolow von der Strafraumkante – 0:1 (33). „Der Spielstand stellt den Spielverlauf auf den Kopf“, analysierte Herthas Sportdirektor Arne Friedrich in der Halbzeitpause und forderte: „Wir müssen mehr aus unseren Chancen machen, das Tempo hochhalten und das Spiel drehen.“

Tatsächlich kamen die Herthaner zunächst aus der Kabine, als hätten sie ihren Sportdirektor gehört. Nach nur 29 Sekunden und einer Flanke von Maximilian Mittelstädt bot sich erneut Cordoba eine Kopfballchance, die er jedoch analog zum ersten Versuch nicht auf das Tor brachte. Danach war Labbadias Elf zwar bemüht das Tempo hochzuhalten, Gefahr vor dem Tor der Gäste sprang dabei aber nicht mehr heraus. Stattdessen hielt die TSG dem Druck stand – und erwischte die Berliner erneut eiskalt. Nach einem harmlosen Schuss von Diadie Samassekou, stand Vizeweltmeister Kramaric goldrichtig und nicht im Abseits und spitzelte den Ball aus sechs Metern an Schwolow vorbei (68.).

Während sich Hertha trotz der Überlegenheit keine nennenswerte Torchance mehr erspielte, setzte die TSG noch einen drauf: Kramaric zirkelte einen Freistoß von der linken Strafraumecke ins Tor (88.) und bescherte seinem Trainer Sebastian Hoeneß bei dessen Rückkehr nach Berlin einen perfekten Abend. Für Hertha und Labbadia, aber auch für Manager Michael Preetz, wird der Druck vor dem nächsten Krisengipfel, wenn der SV Werder Bremen bereits am Sonnabend (18.30 Uhr, Sky) zu Gast ist, immer größer.