Neuruppin - Plötzlich ging alles ganz schnell. Nach einem Einwurf kontrollierte Suat Serdar den Ball mit dem ersten Kontakt, drehte sich um die eigene Achse und am Gegenspieler vorbei, stieß in den Strafraum hinein, dann noch eine kurze Köpertäuschung und es folgte ein strammer Schuss aufs Tor. Zwar zischte der Ball knapp am Pfosten vorbei, doch die Szene, die sich am Mittwochvormittag im Trainingslager von Hertha BSC in Neuruppin ereignete, lieferte viele Argumente, warum die Berliner den viermaligen deutschen Nationalspieler unbedingt wollten und ihn schließlich für rund sieben Millionen Euro verpflichteten. 

„Wenn man einen Kader zusammenstellt“, erklärte Cheftrainer Pal Dardai wenig später, „braucht man genau so einen Spieler. Und den hatten wir bisher nicht“. Dass er nun und bereits so früh in der Vorbereitung über einen Mittelfeldmann verfügt, der stets das gesamte Spielfeld im Blick hat und meist die Tiefe sucht, macht den Ungarn glücklich. „Handlungsschnelligkeit, Laufbereitschaft, Spielverständnis, Torgefahr“, zählte Dardai auf. Das sei bei Serdar alles top.

Hertha holte sich Rat bei Joachim Löw 

Bewiesen hat Herthas Neuer das auf Schalke vor allem in der Saison 2019/2020, als er allein in der Hinrunde siebenmal traf, West Ham 45 Millionen Euro für ihn bot und Bundestrainer Joachim Löw ihn zum Nationalspieler machte. Apropos Löw. Beim mittlerweile ehemaligen Bundestrainer erkundigte sich Sportdirektor Arne Friedrich, bevor die Tinte trocken war. Die Rückmeldung sei positiv gewesen, für Friedrich ist Serdar ein „überragender Fußballer“.

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„Der hier ist eine Vollwaffe“: Co-Trainer Andreas Neuendorf zeigt, was es von Suat Serdar hält.

Serdar selbst würde sowas nie von sich sagen. Ruhig, bescheiden, ja fast schüchtern gibt er sich bei seinem ersten Medientermin im Teamhotel am Ruppiner See. An der desaströsen Saison und dem Schalker Abstieg hatte der 24 Jahre alte Profi aus der Nähe von Mainz lange zu knabbern. Auch deswegen will er nicht mehr zurückblicken. Für Berlin und Hertha habe er sich ganz bewusst entschieden, obwohl er lange mit einem Wechsel ins Ausland liebäugelte. „Aber ich habe zusammen mit meiner Familie entschieden, dass Hertha der richtige Schritt für mich ist“, erklärte er. 

Zecke Neuendorf nennt Suat Serdar eine „Vollwaffe“

Damit er gleich von Anfang an Fuß fasst, ließ Serdar sogar Olympia sausen. Nachwuchsbundestrainer Stefan Kuntz hätte ihn dem Vernehmen nach liebend gern in Tokio dabei gehabt. „Natürlich will man auch die Olympischen Spiele mitspielen, das ist etwas Besonderes für jeden Sportler. Aber ich will ab dem ersten Spieltag voll in der Mannschaft drin sein“, sagte Serdar. 

Und als wäre er nicht schon genug gelobt worden, setzte Co-Trainer Andreas „Zecke“ Neuendorf noch einen drauf, platzte in das Interview und klopfte Serdar auf die Schulter. „Der hier“, erklärte Zecke, „ist eine Vollwaffe. Dit wird ein Gigantus.“ Und Zecke wäre nicht Zecke, wenn er nicht noch einen flotten Spruch hinterhergeschoben hätte: „Das Geld (für das Kompliment, d. Red) bringst du mir dann aufs Zimmer, ja?“. Ganz klar: Hertha setzt voll auf Suat Serdar.