Gut, wenn man am Mittwoch den Worten von Felix Magath und Fredi Bobic auf der Pressekonferenz vor Ort folgen konnte. Schlecht, wenn man nicht dabei war und sich über die auch sonst vor den Spielen üblichen Kanäle darüber live informieren wollte, was denn Trainer und Sportchef von Hertha BSC vor dem ersten Relegations-Spiel am Donnerstag (20.30 Uhr, Sat.1 und Sky) so zu sagen haben. Dass zur zweiten Personen-Gruppe die Fans der Blau-Weißen gehörten, ist an der Stelle normal. Dass die Anhänger aber auf den jeweiligen Portalen nichts oder zumindest nur sehr wenig hören konnten – selbst das Abstellen der Teetasse von Felix Magath war deutlicher als dessen Worte zu verstehen – wirkte fast wie eine Fortsetzung der Pannen aus den vergangenen Tagen.

Hertha-Fans sind wegen Ticket-Hickhack verärgert

Und damit ist nicht die 1:2-Niederlage in Dortmund und das Verpassen des Klassenerhalts gemeint. Sondern eher das, was sich drumherum abspielte. Am meisten verstimmte die Anhänger das Hickhack um die Tickets für das erste Duell mit dem Hamburger SV im Olympiastadion. Erst gab es Verwirrung darüber, ob denn nun Dauerkarten auch für das Relegationsspiel gültig sind oder nicht und ob man eigene Tickets über einen Code, den man per Mail erhalten hatte, erwerben muss oder sie weitergeben kann. Und dann startete der freie Verkauf der restlichen Tickets auch schon am Montag, was wiederum viele Hamburger dazu veranlasste, auf verschiedenen Plattformen dazu aufzurufen, dass sich möglichst viele HSV-Anhänger Karten für das Spiel in Berlin kaufen.

Zwischenzeitlich hatte das zur Folge, dass der Hertha-Ticketshop zusammengebrochen war. Horrorszenarien sehen schon 35.000 HSV-Anhänger das Olympiastadion entern und zu einem Hamburger Heimspiel machen. „Das haben wir nicht gut gelöst“, lautete deshalb auch die Entschuldigung von Herthas Finanzgeschäftsführer Ingo Schiller auf Twitter, „und ich entschuldige mich dafür bei allen Betroffenen.“ Auf der Mitgliederversammlung Ende der kommenden Woche soll diese Panne noch einmal Thema sein, dürfte aber in den Hintergrund rücken, sollte Hertha BSC die Relegation verlieren und in die 2. Bundesliga absteigen.

Vor den beiden wichtigsten Spielen der jüngeren Vereinsgeschichte scheinen die Nerven bei so manchem Beteiligten bis zum Zerreißen gespannt zu sein. Selbst der äußerlich ruhig wirkende Magath soll sich einen Disput mit Führungsspieler Kevin-Prince Boateng geliefert haben. Der Mittelfeldspieler soll die Wortwahl des Trainers kritisiert haben, da dieser in seiner Ansprache an die Mannschaft kein Wir-Gefühl vermittelt haben soll. „Ich habe den Satz erklärt und dann lagen wir uns schon wieder in den Armen“, sagte Magath für die Anwesenden hörbar in der Pressekonferenz. Auch wenn der Trainer diesen Vorfall herunterspielte, zeigt er doch die vorhandene Anspannung.

Lotka mit Maske oder Premiere für Oliver Christensen im Tor?

Drei Matchbälle zum Klassenerhalt hat Hertha BSC in den vergangenen drei Spieltagen vergeben – das sorgt für Zweifel und Unsicherheit. Als wäre die Psyche nicht das einzige Problem, drohen zudem mal wieder personelle Engpässe. Besonders bitter: Noch immer steht ein großes Fragezeichen hinter dem Einsatz des in den vergangenen Wochen so starken Marcel Lotka. Der 20-jährige Torwart konnte nach seinem Nasenbeinbruch und einer leichten Gehirnerschütterung, welche er sich kurz vor der Halbzeit in Dortmund zugezogen hat, noch immer nicht trainieren. Jetzt soll ihm eine spezielle Gesichtsmaske angefertigt werden, damit er bereits am Donnerstag zwischen den Pfosten stehen kann. Da auch Alexander Schwolow weiterhin nicht einsatzbereit ist, könnte am Ende aber der Däne Oliver Christensen im Tor stehen. Es könnte sicherlich einen besseren Zeitpunkt für seine Pflichtspiel-Premiere im Hertha-Trikot geben.

Während die Torhüter-Frage sicherlich erst kurzfristig entschieden wird, werden die angeschlagenen Davie Selke und Marton Dardai in jedem Fall ausfallen, Santiago Ascacibar muss eine Gelbsperre absitzen. Ungeachtet aller personellen Probleme und Nebengeräusche müsse man cool bleiben, sagte Fredi Bobic bereits mit Blick auf das Rückspiel. Die Fans werden gespannt sein, welche Überraschungen ihr Verein bis dahin noch für sie bereithält.