Berlin - Minimalziel Klassenerhalt erreicht. Doch wie geht es weiter mit Hertha BSC? Wer ist überhaupt nächste Saison Cheftrainer? Doppelretter und Vereinsikone Pal Dardai, 45, hat die besten Karten. Die Fans lieben ihn, auch weil er bei der Kaderplanung für Klub-Identität steht. Trotz der Millionen-Spritzen von Investor Lars Windhorst will der Ungar weiter auf die Vereinsjugend setzen, statt viele teure Stars zu holen.

Es soll mehr „Juwelen“ für Hertha BSC geben

Dardai will „mehr blau-weißes Blut“ in der Kabine haben. Er kennt jedes Talent aus seiner Arbeit bei der Jugendakademie – genau wie sein Co-Trainer Zecke Neuendorf. Das ist eine unbezahlbare Qualität, um ein wirklich erfolgreiche Mannschaft für die Zukunft auszubauen. Schon in seiner ersten Amtszeit von Februar 2015 bis Mai 2019 holte er immer wieder Talente zu den Profis. Davon schafften sechs ihr Bundesliga-Debüt (Yani Regäsel, Florian Kohls, Florian Baak, Julius Kade, Palko Dardai und Dennis Jastrzembski). Drei weitere Jungprofis wurden Stammspieler: Maxi Mittelstädt, 24, Arne Maier, 22, und Jordan Torunarigha, 23.

Dardais Ziel ist es, dass es nicht bei diesem Trio bleibt. Es sollen mehr Juwelen werden. Bei seiner zweiten Rettungsmission setzte der Trainer auf die Jugend. Sein Sohn Marton Dardai, 19, wurde zur zuverlässigen, festen Größe in der Hintermannschaft. Linksverteidiger Luca Netz, 18, warf nur ein Fußbruch zurück. Sie standen ihren Mann, als der Verein in der schlimmsten Krise war, während teure Stars versagten.

Dardai ist Überzeugungstäter

Für die Hertha-Bosse ist es wirklich an der Zeit, zu hinterfragen, was in den vergangenen zwei Jahren beim Kader-Investitionsprogramm in Abwesenheit von Dardai so alles schiefgelaufen ist. Teure Einzelkönner, die erst zum Schluss begriffen haben, was Fußball ausmacht – Teamgeist. Dardai sagte es schon deutlich: „Wenn du so viel Geld, und so viele Spieler holst, dann kann das nicht gutgehen. Von einem Tag auf den anderen Tag, das kann keiner. Fußball ist keine Wundersache.“

Dardai ist Überzeugungstäter und redet nicht nur. Mit Jessic Ngankam, 20, Jonas Dirkner, 18, Jonas Michelbrink, 19, und Marten Winkler, 18, gab er den nächsten vier Talenten im Saisonendspurt eine Chance. Es war ein Ausrufezeichen für seine Vereinsphilosophie.

Darüber – und wie das der neue Manager Fredi Bobic sieht – wird spätestens Sonntag bei der digitalen Mitgliederversammlung geredet werden müssen.