BerlinBruno Labbadia hat als Spieler bereits viel von Deutschland gesehen. Für acht Profi-Klubs schnürte der ehemalige Stürmer seine Schuhe in der Bundesliga. Dabei lernte der 54-Jährige einige der lebenswertesten Städte der Bundesrepublik wie München oder Hamburg kennen. Bielefeld sucht man in diesem Ranking vergebens. Dabei soll sich eine Reise durchaus lohnen. „Wer noch nicht dort war, hat etwas versäumt“, erklärt Labbadia. Kein schlechtes Wort könne er über die Stadt sagen. Auch seine Erinnerungen an seine Zeit bei der Arminia von 1998 bis 2001 seien durchweg positiv. Kontakt nach Ostwestfalen besteht bis heute, auch deswegen freue er sich über Bielefelds Rückkehr in die Bundesliga. „Wir haben immer noch eine enge Verbundenheit dorthin, weil mein Schwiegersohn aus Bielefeld kommt“, verrät Herthas Cheftrainer vor dem Duell bei der Arminia (Sonntag, 18 Uhr). Doch nicht nur für Labbadia wird die Reise in den Nordosten Nordrhein-Westfalens eine Reise in die Vergangenheit. Erinnerungen an die Arminia und das Stadion auf der Bielefelder Alm hat auch Hertha BSC. Allerdings nicht die besten.

Das letzte Duell der beiden Teams fand vor fast genau zwölf Jahren statt. In der Saison 2008/2009 war ganz Berlin elektrisiert, Hertha BSC das Stadtgespräch Nummer eins. Die erste Meisterschaft seit 1931 war zum Greifen nah. Trainiert vom aufstrebenden Taktik-Fuchs Lucien Favre verfügte Hertha über den vielleicht besten blau-weißen Kader aller Zeiten. Vor Rückhalt Jaroslav Drobny lehrten die beinharten Verteidiger Josip Simunic und Arne Friedrich den Gegnern regelmäßig das Fürchten, im Mittelfeld diktierten Pal Dardai, Raffael und Cicero das Geschehen, und in der Offensive wirbelte das überragende Torjäger-Duo Marco Pantelic und Andrij Woronin.

Es wird wieder geträumt

Trotz der großen Namen und der noch größeren Träume kam Hertha damals auf der Bielefelder Alm nur zu einem 1:1, verpasste den vorübergehenden Sprung auf Rang eins und verspielte wichtige Punkte auf dem Weg zur Meisterschaft. Am Ende fehlten nur magere sechs Zähler, um die Schale in der Hand zu halten. Näher dran waren die Berliner seitdem nicht mehr.

Mehr als ein Jahrzehnt und zwei Abstiege später träumt man in Westend wieder von Titeln. Durch die Finanzspritze von Investor Lars Windhorst wurde der Kader massiv aufgemotzt. Anders als damals sollen nicht gestandene Profis die Blau-Weißen nach oben führen, sondern junge talentierte Spieler. Doch trotz des wohl qualitativ besten Kaders seit zwölf Jahren, so richtig in Schwung kommen die Herthaner in dieser Saison noch nicht. Der gelungene Jahrestauftakt mit dem 3:0-Sieg gegen Schalke sorgte nach den dürftigen Aufritten vor Weihnachten lediglich für Erleichterung. „Wir sind mit der Ausbeute nicht zufrieden“, erklärt Labbadia, der weiß, dass nur mit einem Sieg auf der Alm endlich der Anschluss an das obere Tabellendrittel hergestellt werden kann. Ob es gelingt, wird die blau-weiße Reise in die Vergangenheit am Sonntagabend zeigen.