Berlin - Hertha BSC setzt auf ordentlich Rückenwind nach dem Derbysieg gegen den 1. FC Union und hofft am Sonnabendnachmittag, wenn die Berliner bei Borussia Mönchengladbach antreten (15.30 Uhr, Sky), erstmals in dieser Saison ein Spitzenteam zu ärgern. „Wir sind einen Schritt nach vorn gekommen. Nach jedem Sieg – vor allem im Derby – ist die Stimmung gelöster“, erklärte Cheftrainer Bruno Labbadia, nachdem sein Team in dieser Saison zwar in München, in Leipzig in Unterzahl und zumindest eine Halbzeit gegen Borussia Dortmund gut mitspielte, aber eben keine Punkte holte.

Wie man die Elf vom Niederrhein in Schach hält und schlägt, machte jüngst Real Madrid in der Champions League vor. Beim 0:2 in Spanien erzielte das Team von Trainer Marco Rose erstmals seit drei Monaten keinen eigenen Treffer, löste aber dennoch durch das 0:0 im Parallelspiel ihrer Gruppe zwischen Inter Mailand und Schachtar Donezk das Achtelfinalticket der Königsklasse. „Sie haben ein intensives Spiel gehabt, haben aber einen breiten Kader und werden wohl auch rotieren“, sagt Labbadia und erklärte: „Das ist sicherlich kein Nachteil für uns.“

Einen Vorteil dagegen könnten sich seine Spieler selbst verschaffen, wenn sie endlich mal Kapital aus den eigenen Standardsituationen schlagen würden. Bislang gelang Hertha BSC in dieser Saison noch kein einziges Tor nach ruhenden Bällen. „Es wird Zeit, dass wir das ändern. Man braucht einfach eine gewisse Anzahl an Standardtoren“, fordert Labbadia wohlwissend um die eigene Harmlosigkeit und welchen entscheidenden Faktor Ecken und Freistöße haben können – insbesondere in engen Spielen und gegen Spitzenteams. Auch deswegen ließ er diese Woche explizit solche Situationen im Training üben. „Der entscheidende Punkt ist, dass der Ball in die gefährliche Zone kommt“, erklärt der Trainer und berichtet: „Wir arbeiten daran, dass wir noch mehr Schützen haben, die den Ball dorthin bekommen.“

Abwehrspieler gefordert 

In Mönchengladbach wird sich zwangsläufig jemand Neues um die ruhenden Bälle kümmern müssen. In Matheus Cunha fehlt Hertha wegen einer Gelbsperre der Mann, der sich bisher in Personalunion um alles kümmerte. Nicht nur Freistöße oder Elfmeter, selbst Ecken schnappte sich meist der Brasilianer. Am Sonnabend wird sich deswegen wohl vor allem Marvin Plattenhardt um die Standardsituationen kümmern. Doch nicht nur der Schütze sei gefragt. Labbadia fordert von allen Spielern, aktiver zu sein – und die Vorgaben des Trainerteams umzusetzen: „Beim letzten Spiel hat sich nicht jeder daran gehalten. Auch deswegen hakt es bei uns etwas.“

Dass es sein Team durchaus besser kann, zeigte es in der vergangenen Rückrunde. Vor allem erzeugten die groß gewachsenen Abwehrspieler Dedryck Boyata und Niklas Stark mehr Torgefahr, erzielten fünf Treffer direkt oder unmittelbar nach ruhenden Bällen. „Um mehr Erfolg zu haben, brauchen wir wieder eine bessere Quote“, fordert Labbadia.