Berlin-Westend - Ein Blick in die Gesichter der Profis von Hertha BSC verriet nach Abpfiff alles. Durch das 0:0 gegen Arminia Bielefeld verpassten die Berliner die perfekte Woche nach der 14-tägigen Corona-Quarantäne und damit den großen Befreiungsschlag. Auf die ansprechenden Leistungen beim Remis in Mainz (1:1) und beim 3:0-Sieg gegen Freiburg folgte am Sonntagabend eine zerfahrene Partie gegen den direkten Tabellennachbarn aus Ostwestfalen. Damit bleibt Hertha weiter mittendrin im Abstiegskampf. Allerdings hat das Team von Trainer Pal Dardai bereits am Mittwoch im letzten Nachholspiel auf Schalke (18 Uhr, Sky) die Möglichkeit, sich vor den beiden letzten Spieltagen noch in eine bessere Ausgangsposition zu bringen. Dardai, der nach Spielschluss probierte, jeden einzelnen seiner Spieler abzuklatschen und aufzumuntern, war entsprechend zufrieden: „Ich weiß, wie die Jungs denken. Aber wir müssen das akzeptieren. In unserer Situation zählt jeder Punkt.“ Und: „Das nächste Spiel ist unser Joker. Ziehen wir den, sieht alles gut aus.“

Acht frische Kräfte im Hertha-Team

Für das dritte Spiel innerhalb von sieben Tagen rückte er von seiner Taktik ab – und blieb sich dennoch treu. Denn anders als zuletzt traf der Coach die Entscheidung, seine Startelf erneut kräftig durchzumischen nicht erst beim Frühstück, sondern bereits am Vortag nach dem Abschlusstraining. Nach neun Startelfwechseln gegen Freiburg machte Dardai die Rotations-Rückwärtsrolle und brachte acht frische Kräfte. Neben Torhüter Alexander Schwolow durften lediglich Mittelfeldabräumer Santiago Ascacibar und Stürmer Krzysztof Piatek erneut beginnen.

Dass damit durchaus verbundene Risiko konterten die Hertha-Verantwortlichen ja zuletzt mit dem Verweis, wie hochwertig der eigene Kader auch in der Breite besetzt sei. Unerwähnt ließen sie dabei, dass die dank Investor Lars Windhorst in den vergangenen zwei Jahren mit rund 140 Millionen Euro aufgemotzte Mannschaft ihre hohe individuelle Qualität nur selten zeigte. Freilich galt das nicht für die Leistungen seit dem Restart.

Jhon Cordoba trifft nur den Pfosten

Dass es gegen die Arminia, die zuletzt ihre unter Trainer Frank Kramer gewonnene Stabilität beim 0:5 in Mönchengladbach einbüßte, alles andere als ein Selbstläufer werden würde, merkten die Herthaner recht schnell. Auf Maximilian Mittelstädts gefährlichen Aufsetzer (8.), antworteten die Gäste mit einem Kopfball von Joakim Nilsson (10.) und einem Distanzschuss von Manuel Prietl (17.), der nur knapp am linken Pfosten vorbeizischte.

Für die erste richtige Schrecksekunde sorgte allerdings eine Szene an der Mittellinie, wo Bielefelds Anderson Lucoqui und Mittelstädt mit den Köpfen aneinanderknallten. Während Arminias Linksverteidiger weitermachen konnte, übernahm Jordan Torunarigha für Mittelstädt, der mit Verdacht auf Gehirnerschütterung vom Feld musste.

Matheus Cunha verletzt sich

Auch danach hielten die Bielefelder die Herthaner mit giftigen Zweikämpfen und schnellem Umschaltspiel in Atem. Andreas Vogelsammer (25.) und erneut Prietl (28.) zwangen Schwolow zur starken Flugparaden. Pech hatten die Berliner wiederum kurz vor der Pause. Stürmer Jhon Cordoba traf im Fallen nur den linken Pfosten, nachdem er sich von der linken Seite bis in den Strafraum durchgetankt hatte.

Die Durchschlagskraft probierte der eingewechselte Javairo Dilsoun zu finden, der für den am Sprunggelenk verletzten Spielmacher Matheus Cunha übernahm. Der niederländische U21-Nationalspieler sorgte in der Tat für frischen Wind. Weil aber seine Distanzschüsse (70./88.) auch nicht im Gäste-Tor einschlugen, blieb es bei der Nullnummer. „Die zweite Halbzeit war besser, auch wenn wir keine echte Torchance hatten“, erklärte Dardai und gab sich trotz der zwei drohenden Ausfälle im Endspurt kämpferisch: „Wir müssen weitermachen und haben keinen Grund, unglücklich zu sein. Mit fünf Punkten nach der Quarantäne bin ich zufrieden.“