BerlinAls Trainer von Hertha BSC hat Bruno Labbadia in seiner kurzen Amtszeit bereits allerhand erlebt. Ein Gefühl, das ihm dabei jedoch nur einmal vergönnt war, ist das Gefühl der Serie. Nachdem er von seinen Vorgängern Ante Covic, Jürgen Klinsmann und Alexander Nouri kurz vor Ostern und mitten in der Corona-Zwangspause eine verunsicherte Mannschaft übernahm, startete er die Mission Klassenerhalt mit zwei Siegen in Hoffenheim und im Prestigeduell gegen den 1. FC Union. Seitdem spielt Hertha konstant inkonstant, weshalb die Berliner auch in dieser Saison weit hinter den eigenen Ansprüchen hinterherhinken. Nun soll es nach dem 3:0-Sieg gegen Schalke in Bielefeld (Sonntag, 18 Uhr) mal wieder so weit sein. „Eine Serie gibt der Mannschaft mehr Selbstvertrauen“, erklärt Labbadia, der in dieser Woche die Auswirkungen des Auftaktsiegs gespürt hat. „Es war eine gewisse Leichtigkeit zu spüren“, berichtet Labbadia und fordert: „Diesen Schwung wollen wir mitnehmen und unbedingt das zweite Spiel in Folge gewinnen.“

Damit das gelingt, baut Labbadia auf Niklas Stark. Der Verteidiger präsentierte sich in den vergangenen Wochen wieder als wichtige Stütze, nachdem er über weite Teile der vergangenen Spielzeit meist hinter den an ihn geknüpften Erwartungen zurückgeblieben war. „Bei Nik sind verschiedene Dinge zu spüren“, sagt Labbadia. Vor allem habe er den taktischen Input des Trainerteams umgesetzt und an seiner Fitness gearbeitet. „Er gibt wieder Vollgas. Das spürt man“, lobt Labbadia.

Davon war lange wenig zu sehen. Manchmal wirkte Stark auf dem Platz zu verbissen, dann wieder zu fahrig. Die Konsequenz: Als Labbadia an Ostern das Hertha-Ruder übernahm, setzte er auf das Innenverteidiger-Duo Dedryck Boyata und Jordan Torunarigha. Stark blieb nur die Bank. „Er war anfangs nicht ganz so in der Verfassung. Warum auch immer“, blickt Labbadia zurück. Zu Beginn des Jahres hatte Stark vor allem die Degradierung unter Klinsmann zugesetzt. Weil er auch unter Labbadia zunächst nicht erste Wahl war, kamen Wechselgerüchte auf, mit denen sich Stark durchaus beschäftigte.

Stark führt endlich wieder

Am Ende entschied sich der 25-Jährige, der bereits seit 2015 die Fahne auf der Brust trägt, für einen Verbleib – und zog sich offensichtlich aus seinem Leistungsloch. Gegen Schalke gab er Hertha defensiv wieder Halt und schaltete sich des Öfteren gefährlich in die Offensive ein. „Das war ein gutes Spiel und passt zu seiner Entwicklung. Er spielt jetzt wieder viel mutiger“, freut sich Labbadia.

Grundvoraussetzung, dass der zweifache Nationalspieler wieder in die Spur fand, war sicherlich seine Fitness. Den letzten Schubser um wieder an seine alten Leistungen anknüpfen zu können, gab ihm Labbadia wohl mit einer Positionsveränderung. Seit Mitte Oktober ließ er Stark stets im defensiven Mittelfeld spielen, bevor er ihn gegen Schalke wieder in die Abwehr beorderte. „Ich bin ein großer Verfechter davon, Innenverteidiger bereits in der Jugend ab und zu im defensiven Mittelfeld spielen zu lassen“, erklärt Labbadia. Dort lerne man, sich richtig zu positionieren und wie ein Mittelfeldspieler angespielt werden muss. Dazu habe man, anders als in der Abwehr, „auch immer Druck von hinten“, erklärt der Trainer und lobt Stark, der in der Vergangenheit immer wieder im Mittelfeld aushalf, die vergangene Saison aber ausschließlich im Abwehrzentrum agierte. „Er hat uns sehr geholfen in einer Phase, als Lucas Tousart verletzt war“, sagt Labbadia. 

Weil Boyata auch auf der Bielefelder Alm weiterhin wegen einer Fußverletzung fehlt, wird Stark erneut in der Defensive gebraucht. Dabei hofft Labbadia, dass dessen wiedergekehrtes Selbstvertrauen Hertha dort hilft, wo es bisher nach dem erfolgten Umbruch im Sommer am meisten hakte. „Er übernimmt mehr Verantwortung, dirigiert, kommuniziert. Das tut uns gut“, freut sich Labbadia.