Berlin-Westend - Natürlich ist Hertha-Boss Carsten Schmidt vom Verbleib seines Klubs in der Fußballbundesliga fest überzeugt. Ein erneuter Absturz in die zweite Liga hätte für die äußerst ambitionierten Pläne der Berliner, die elf Spieltage vor Saisonende ganz tief im Abstiegskampf stecken, fatale Folgen. Und so geht es trotz der prekären Lage voller Optimismus und mit wenig Demut in die Zukunft.

„Wir haben einen Traditionsverein mit der Bereitschaft zur Veränderung und mit einer Finanzausstattung, die Hertha BSC bisher so nicht gekannt hat“, sagte Schmidt, Leiter der Geschäftsführung der Berliner, in einem am Mittwoch veröffentlichen Interview des Branchenmagazins Horizont. „Daraus wird eine Geschichte werden: Wir wollen die größte Aufholjagd, die der deutsche und vielleicht der internationale Fußball je erlebt hat, einleiten und zum Erfolg führen. Wer jetzt den Weg mit uns gemeinsam geht und auf Hertha BSC setzt, der wird Teil dieser Erfolgsgeschichte.“

Dank der Millionen-Investitionen von Geldgeber Lars Windhorst habe der Klub gute wirtschaftliche Voraussetzungen für einen sportlichen Aufschwung. „Wir werden bis zum Ende der Saison die Strategie für die nächsten fünf Jahre erarbeiten. Einen gemeinsamen Plan für eine sportlich und wirtschaftlich erfolgreiche Zukunft. Wir wollen uns ins erste Drittel der Tabelle hocharbeiten“, sagte Schmidt.

„Für manchen klingt das schon nicht demütig genug“, bemerkte der Hertha-Chef. Aber auch andere Klubs hätten es nach schweren Krisen geschafft, sich zu befreien und nach oben zu kämpfen. „Unsere Ambition ist, dass dieser Klub die Stadt deutschlandweit, aber in Zukunft auch international repräsentiert, bestenfalls als Regel, nicht als Ausnahme“, betonte Schmidt.

Berlin sehne sich danach, „auch sportlich in der ersten Reihe zu stehen“, sagte Schmidt. „Die Stadt steht für uns an erster Stelle.“ Darüber hinaus wolle der Klub „noch viel stärker als bisher“ das attraktive Umland für sich gewinnen. Auch in ganz Deutschland wolle man Strahlkraft entwickeln. „Am Ende wird unser Strategieplan natürlich auch die internationalen Märkte in den Blick nehmen. Unser Vorteil ist, dass man Berlin niemandem in der Welt erklären muss“, sagte der neue starke Mann, der erst seit Dezember im Amt ist.

Voraussetzung für all das ist jedoch, dass es Trainer Pal Dardai in den kommenden Wochen gelingt, das Team so zu stabilisieren, dass es sich aus dem Tabellenkeller befreien kann. Der Sieg am Sonnabend gegen Augsburg (2:1) war zwar ein guter Anfang. Die nächsten Aufgaben aber werden hart. Dem Auswärtsspiel am Sonnabend (18.30 Uhr) bei Borussia Dortmund folgen Duelle mit Leverkusen, dem Stadtrivalen 1. FC Union und Mönchengladbach. Alle kämpfen um Plätze im Europapokal. Das soll auch für Hertha bald ein Ziel werden. In dieser Saison kann es nach mageren 21 Punkten aus 24 Spielen nur noch um den Ligaverbleib gehen.

Es gebe weder national noch international einen Verein, der als Blaupause für die Entwicklung herhalten kann, die die Berliner nun anstreben, sagte Schmidt:„ Aber es gibt eine Ausgangssituation, die mich inspiriert. Als Jürgen Klopp Trainer in Liverpool wurde, hat er gesagt: We must turn from doubters to believers.“ Man müsse also einfach aufhören zu zweifeln und beginnen zu glauben. „Ohne jetzt Liverpool mit Hertha vergleichen zu wollen: Wir wollen einen Berliner Weg beschreiten, die Menschen emotional mitnehmen und Hertha BSC in eine erfolgreiche Ära führen“, sagte Schmidt.