Berlin-Westend - Es läuft einfach nicht bei Hertha BSC in dieser Saison. Nur einen Tag nachdem man die Verpflichtung von Wunschkandidat Fredi Bobic als Nachfolger des im Januar entlassenen Managers Michael Preetz verkündete und somit ein Zeichen für die Zukunft setzte, holte die Gegenwart die Berliner bereits wieder ein. Vor den entscheidenden Wochen im Kampf um den Klassenerhalt vermeldete der Klub am Donnerstagmorgen und damit nur drei Tage vor dem Duell in Mainz am Sonntag gleich drei Covid-19-Fälle im Team. Trainer Pal Dardai, Co-Trainer Admir Hamzagic und Offensivspieler Dodi Lukebakio wurden positiv auf das Corona-Virus getestet.

Dabei schienen die Blau-Weißen zunächst Glück im Unglück zu haben. Zwar ordnete das zuständige Gesundheitsamt Charlottenburg-Wilmersdorf umgehend eine zweiwöchige behördliche Quarantäne für das gesamte Team an. Weil Hertha aber unmittelbar reagierte und eine lückenlose Kontaktverfolgung der vergangenen drei Tage, an denen nur zwei Mannschaftseinheiten stattfanden, nachweisen konnte, wurde lediglich Co-Trainer Neuendorf als Kontaktperson ersten Grades eingestuft. Zusammen mit Dardai, Hamzagic und Lukebakio musste sich Neuendorf direkt in häusliche Isolation begeben. 

Ab Mai droht Hertha ein Mammutprogramm

Noch am Vormittag vermeldete Hertha, der Trainings- und Spielbetrieb sollte weiterlaufen. Doch nach weiteren PCR-Testungen wurde am späten Donnerstagabend bekannt, dass sich mit Marvin Plattenhardt ein weiterer Spieler mit Covid-19 infiziert hatte, woraufhin die Behörde die komplette Lizenzspielermannschaft und den Trainerstab von Hertha BSC mit sofortiger Wirkung in eine 14-tägige häusliche Quarantäne schickte.

Passenderweise ging bereits am Mittwochabend bei den 36 Profiklubs der beiden höchsten deutschen Spielklassen ein Brandbrief der Deutschen Fußball-Liga (DFL) ein. Der Verband verfolgt die jüngsten Corona-Ausbrüche mit zunehmender Sorge. In der Zweiten Liga befinden sich nach mehreren positiven Covid-19-Fällen derzeit Holstein Kiel, Sandhausen und der Karlsruher SC in Quarantäne. Die Klubs dürfen derzeit nicht am Spielbetrieb teilnehmen, wodurch sie nach ihrer Rückkehr vor einem terminlichen Mammutprogramm stehen. 

Ein solches Szenario droht nun auch Hertha. Wie der Klub am Abend bekannt gab, beantragte man bei der DFL die Absetzung der Spiele beim FSV Mainz 05, gegen den SC Freiburg und beim FC Schalke 04. Danach droht den Berlinern ab Mai womöglich im Drei-Tages-Rhythmus um den Klassenerhalt kämpfen zu müssen. Eine Verlängerung der Saison, wie in der vergangenen Spielzeit, ist aufgrund der im Juni stattfindenden Europameisterschaft nicht möglich.

Wo, wie und wann sich das Quartett angesteckt hat, bleibt unklar. Bereits seit Wochen und bevor es die DFL anordnete, kommen bei Hertha zusätzlich zu den zwei obligatorischen PCR-Tests innerhalb einer Woche täglich Schnelltests zum Einsatz. Um das Worst-Case-Szenario zu vermeiden, werden ab sofort jeden Tag PCR-Tests, die eine viel höhere Genauigkeit aufweisen, durchgeführt. 

Training in den eigenen vier Wänden

Unwahrscheinlich ist, dass Torhüter Rune Jarstein das Virus einschleppte. Der Norweger erkrankte nach seiner Rückkehr von der Länderspielreise an Covid-19 und befindet sich bereits seit zwei Wochen in Isolation. Während Jarstein länger über hohes Fieber klagte und vorerst nicht in den Trainingsbetrieb zurückkehren wird, soll das nun infizierte Quartett bisher keine Symptome zeigen.

„Wir hatten die Hoffnung, dass der positive Corona-Test von Rune Jarstein ein Einzelfall bleibt. Leider hat sich das nicht bestätigt“, erklärte Sportdirektor Arne Friedrich, der tagsüber zusammen mit U23-Trainer Malik Fathi für Dardai und sein Team das Training übernahm. Für die angeordnete häusliche Quarantäne zeigte Friedrich Verständnis. Es sei aus gesundheitlicher Sicht der absolut richtige Schritt. „Aus sportlicher Sicht trifft uns das natürlich, denn wir haben nun im Kampf, um den Klassenerhalt im Mai sechs Bundesligaspiele bis zum Saisonende am 22. Mai 2021 zu absolvieren.“ Die Mannschaft werde sich während der Isolation in den eigenen vier Wänden unter Anleitung des Trainerteams mit virtuellen Trainingseinheiten fit halten. „Wir nehmen die Situation trotz der schwierigen Umstände an und werden alles in unserer Macht stehende für ein erfolgreiches Saisonfinale in die Waagschale werfen“, zeigte sich Friedrich kämpferisch.