BerlinFür den gelungenen Jahresauftakt griff Bruno Labbadia beim 3:0-Sieg gegen den FC Schalke 04 zu gleich mehreren Schachzügen. Die größte Überraschung für viele Fans von Hertha BSC war dabei sicherlich, dass Omar Alderete, 24, in der Abwehrzentrale den Vorzug vor Jordan Torunarigha, 23, erhielt. „Jordan hatte daran zu knabbern“, erklärte der blau-weiße Cheftrainer rückblickend über die 1:4-Niederlage in Freiburg, die Hertha BSC kurz vor Weihnachten in eine ernste Sinnkrise stürzte. Im Breisgau agierte der Ex-U21-Nationalspieler mehrfach unglücklich, fälschte den Ball zum zweiten Gegentor ab und gewann lediglich 64 Prozent seiner Zweikämpfe. Torunarighas Leistung sei allerdings nicht der Grund gewesen, ihn gegen Schalke aus der Startelf zu nehmen. „Fehler gehören leider dazu. Da reißen wir keinem den Kopf ab“, erklärte Labbadia. Vielmehr sei es so gewesen, „dass Jordan das Spiel nicht abschütteln konnte“.

Es scheint, als wäre Torunarighas größte Stärke gleichzeitig auch ein Problem: die Emotionen. Herthas Eigengewächs lebt davon, kitzelt so regelmäßig die letzten Prozentpunkte aus sich heraus. Aber manchmal machen ihm seine Nerven auch einen Strich durch die Rechnung – wie in der zurückliegenden Trainingswoche. „Ich habe die Woche beobachtet, wer den besseren Eindruck macht“, berichtete Labbadia und erklärte im Hinblick auf seinen vollzogenen Wechsel in der Innenverteidigung: „Entscheidend ist, wie du damit umgehst. Schlecht ist, wenn du dich hängen lässt oder es nicht verarbeitest. Denn einen Fehler kannst du nicht mehr wettmachen. Du kannst es nur besser machen, indem du weiterarbeitest.“

Labbadia-Lob für Alderete

Des Trainers Botschaft: Fehler passieren. Entscheidend ist, wie man damit umgeht. Das habe er Torunarigha auch gesagt. „Jordan ist ein Spieler, der bei uns viel gespielt hat. Wir schätzen ihn sehr. Das ist ein Prozess, den ich bei ihm anpikse. Das gehört dazu. Das muss er lernen“, erklärte Labbadia.

Während Torunarigha noch knabberte, punktete Alderete gegen Schalke. „Omar hat es sehr gut gemacht. Er war eng am Mann und hat gute Bälle ins Mittelfeld gespielt“, lobte Labbadia. Der Paraguayer, im Sommer für sechs Millionen Euro vom FC Basel als Ersatz für den zum FC Sevilla abgewanderten Karim Rekik verpflichtet, bewies seine Qualitäten bereits zu Saisonbeginn, als Torunarigha verletzt fehlte.

Dass Alderete nun auch in Bielefeld (Sonntag, 18 Uhr) die Nase vorne hat, ist nicht gesagt. Beweist Torunarigha diese Woche, dass er mental wieder auf der Höhe ist, hat Labbadia die Qual der Wahl. Sehr zu seiner Freude: „Wir brauchen diesen intensiven Konkurrenzkampf. Nur so werden wir besser.“