Berlin-Westend - Seit geraumer Zeit pflegt Arne Friedrich über Instagram einen Austausch mit seinen Followern. Dabei offenbarte Herthas Sportdirektor jüngst, dass seine Sehnsucht nach den Sonnenstränden Kaliforniens, seiner Wahlheimat, am größten sei. Ob es den 41 Jahre alten Ex-Nationalspieler schon bald wieder nach Los Angeles zieht, sei derzeit noch offen. „Wir werden uns zu gegebener Zeit an den Tisch setzen und über die Zukunft diskutieren“, kündigte Friedrich an.

Dass dafür noch nicht der richtige Moment war, liegt auch daran, dass er sich seit seiner Rückkehr nach Berlin im Dauerkrisenmodus befindet. Im Herbst 2019 holte ihn Jürgen Klinsmann als Performance-Manager in seinen Trainerstab, zur neuen Saison wurde Friedrich Sportdirektor, dessen Aufgabengebiet sich seit der Entlassung von Manager Michael Preetz Ende Januar weiter vergrößert hat. „Es war eine unfassbare Reise bis hierhin“, blickte Friedrich auf die vergangenen turbulenten 18 Monate zurück.

Spiele im 72-Stunden-Takt

An seinem Arbeitsaufwand habe sich auch während der Quarantäne nichts geändert. Täglich habe er Termine gehabt, Telefonate geführt und sich zudem in die virtuellen Trainingseinheiten der Spieler zugeschaltet. Immerhin konnte er sein Büro auf seine Terrasse verlegen. „Zum Glück schien ja ein paarmal die Sonne, da konnte ich Vitamin D tanken“, berichtete Friedrich, der somit zumindest seine erwähnte Sehnsucht ein bisschen stillen konnte. Vor den Gesprächen mit der Führungsetage des Klubs, in der ab 1. Juni Fredi Bobic als neuer Geschäftsführer den sportlichen Bereich verantworten wird, sagte Friedrich: „Jeder hat seine Vorstellungen. Ich habe mein Lebenskonzept eigentlich anders geplant, jetzt bin ich in dieser Rolle. Es ist schwer vorherzusagen.“

Schwer zu prognostizieren ist auch, ob Hertha der Klassenerhalt gelingt. Trainer Pal Dardai bleiben ab Freitag und dem Ende der 14-tägigen häuslichen Quarantäne genau 72 Stunden, um sein Team für das erste Nachholspiel in Mainz (Montag, 18 Uhr) vorzubereiten. Eine Bundesliga-Blaupause für den Kaltstart und das bevorstehende Mammutprogramm mit mindestens sechs Spielen im Drei-Tage-Rhythmus gibt es nicht. Rat holte sich Friedrich deswegen in der Zweiten Liga, wo es bereits mehrere Klubs erwischte. „Man sieht an Sandhausen, die direkt zwei Spiele gewonnen haben, dass wir auf jeden Fall gerüstet sein werden, was die Physis angeht“, erklärte Friedrich mit Verweis auf Athletik-Trainer Henrik Kuchno, der die Profis zwei Wochen lang durch die eigenen vier Wände scheuchte, um bestmöglich aus den Startlöchern zu kommen: „Die Jungs sind fit, da gibt es keine Ausreden.“

Sami Khediras Strahlkraft 

Unklar sei dagegen, wie die Mannschaft mit dem gestiegenen Druck nach der Zwangspause umgeht. „Am Ende entscheidet der Kopf“, erklärte Friedrich und betonte: „Wir sind selbst schuld an der Tabellensituation und müssen uns da selbst wieder rausziehen.“

Eine entscheidende Rolle spielt dabei für ihn Sami Khedira. Auf und neben dem Platz. „Er ist ein Vollprofi und bringt sehr viel Erfahrung mit. Die Spieler haben von Tag eins an zu ihm aufgeschaut“, sagte Friedrich über die Strahlkraft des 34 Jahre alten Weltmeisters von 2014. Auch deswegen lässt er sich den Optimismus nicht nehmen: „Wir werden bestmöglich reisen, essen und schlafen. Wir haben drei Spiele weniger und nur vier Punkte Rückstand auf einen Nichtabstiegsplatz. Wir sind also noch in Schlagdistanz. Es liegt nur an uns.“