Berlin-Westend - Nur einen Tag nach dem Skandal-Interview von Zsolt Petry zog Hertha BSC nach intensiver, interner Aufarbeitung die Konsequenzen und setzte den langjährigen Torwart-Trainer am Dienstag vor die Tür. Bereits am Mittwoch schien ein Nachfolger gefunden worden zu sein. Laut überstimmenden Medienberichten sollte Hertha-Legende Gábor Király seinen ungarischen Landsmann ersetzen. Ein blau-weißes Comeback von Király, dessen Markenzeichen stets eine graue Jogging-Schlabberhose war, hätten viele Fans sicherlich begrüßt.

Schließlich genießt der Keeper, der zwischen 1997 und 2004 insgesamt 252 Mal für die Berliner zwischen den Pfosten stand, Kult-Status. Und auch für die aktuelle Mannschaft wäre Király kein Unbekannter. So soll er unlängst dem Team seines ehemaligen Mitspielers Pal Dardai ein Motivations-Video für den Saisonendspurt zukommen lassen haben. Doch die vermeintliche Wunschlösung der Berliner, der in seiner Heimatstadt Szombathely eine Sportzentrum samt Torwart-Schule betreibt, sagte noch am Abend aus persönlichen Gründen ab. „Ich habe tägliche Aufgaben, von denen es nicht möglich ist, sich von einem Moment zum nächsten zu lösen“, sagte er der ungarischen Zeit Blikk.

Nello di Martino nur Interimslösung 

Damit geht die Suche der Berliner nach einen neuen Torwarttrainer weiter. Interimsmäßig trainiert derzeit Team-Leiter Nello di Martino, 69, Herthas Keeper. Der Italiener ist zwar eine Notlösung, doch auf unbekanntem Terrain bewegt sich di Martino nicht. Bevor er bei Hertha die Schnittstelle in der Organisation übernahm, trainierte der ehemalige Schlussmann schon einmal die blau-weißen Torhüter. Dennoch soll für den Saisonendspurt ein neuer Fachmann kommen, der den Job von Petry übernimmt.

Denn für Dardai ist die Entlassung Petrys, der sich in einem Interview gegenüber der regierungsnahen ungarischen Tageszeitung Magyar Nemzet mit homophoben und migrationsfeindlichen Aussagen ins Abseits schoss, sportlich ein herber Verlust. Dardai vertraute seinem Landsmann, was die Torwart-Frage anging, blind, betonte stets, Petry habe das letzte Wort darüber, wer bei Hertha im Tor steht. Auch für Rune Jarstein, 36, der nach positivem Covid-19-Test zwar weiterhin symptomfrei sein soll, aber noch zehn Tage in Quarantäne verbringen muss, war Petry eine ganz wichtige Bezugsperson. Als Petry von Jürgen Klinsmann im Herbst 2019 ausgebootet und kurzzeitig durch DFB-Torwart-Trainer Andreas Köpke ersetzt wurde, wirkte Jarstein verunsichert und gestand im Wintertrainingslager in Florida: „Ich vermisse Zsolt. Er hat mir sehr viel geholfen, auf dem Platz und auch daneben.“

Verhandlungen zwischen Frankfurt und Bobic kurz vor dem Ende

Die Verhandlungen zwischen Eintracht Frankfurt und Sportvorstand Fredi Bobic, 49, über eine vorzeitige Auflösung des bis 2023 laufenden Vertrages könnten sich dem Ende nähern. Wie die Bild berichtet, wollen beide Seiten nach schwierigen Gesprächen am besten bis Ende der Woche, spätestens aber nach dem Bundesligaspiel gegen Wolfsburg eine Lösung präsentieren.

Die Eintracht soll eine Millionen-Ablöse für Bobic fordern, den es zu den Blau-Weißen ziehen soll. Laut Sport Bild gibt es Stimmen im Hauptstadtclub, die die Summe drücken wollen. Dennoch würden die Berliner ihren einstigen Stürmer als umworbenen neuen Geschäftsführer gern so schnell wie möglich in die Planungen einbinden.

Dennoch hatte am Anfang dieser Saison Alexander Schwolow die Nase vorn. Zwar leistete sich der 28 Jahre alte Hesse, der für rund fünf Millionen Euro vom SC Freiburg geholt wurde, keine groben Patzer. Doch Dardai setzte als Nachfolger von Bruno Labbadia Ende Januar diverse personelle Impulse – und nach Rücksprache mit Petry wieder auf Jarstein. Gleichzeitig betonte Dardai zuletzt: „Alex gehört die Zukunft. Er ist die Nummer eins, auch wenn Rune im Moment spielt.“

Király motiviert per Video

Weil Jarstein aber unmittelbar vor dem Derby gegen den 1. FC Union am Osterwochenende in häusliche Isolation musste, rückte Schwolow bereits schneller als gedacht wieder zwischen die Pfosten. „Das ist bitter für Rune und schön für mich“, erklärte er nach dem Duell in Köpenick und gab sich dabei ganz als Teamplayer: „In unserer Situation spielt es keine Rolle, wer spielt.“

Aufgrund Jarsteins zweiwöchiger Quarantänepflicht wird Schwolow sowohl im Heimspiel gegen Borussia Mönchengladbach (Sonnabend, 15.30 Uhr) als auch im Abstiegs-Krimi in Mainz in der Woche danach das blau-weiße Gehäuse hüten. Wer dagegen im Anschluss in der heißen Phase den Vorzug erhält, wenn die Partien gegen die direkten Konkurrenten im Tabellenkeller aus Bielefeld und Köln zum Nervenspiel werden, wird wohl auch von Petrys Nachfolger bestimmt.

Wie wichtig eine schnelle Lösung wäre, unterstrich Király. „Eine Torhüter-Trainer-Beziehung ist eine enge Arbeitsbeziehung, sie vertrauen sich gegenseitig“, sagte er und erklärte: „Sieben Spieltage vor Saisonende ist das keine normale und einfache Situation für eine Mannschaft, die darum kämpft, in der Liga zu bleiben.“ Helfen kann Király dabei derzeit nicht. Höchstens per Video.