Berlin-Westend - Seine Formkurve zeigt vor dem Derby gegen den 1. FC Union (Ostersonntag, 18 Uhr, Sky) wieder steil nach oben. Herthas Matheus Cunha beendete am vergangenen Spieltag beim 3:0-Sieg gegen Bayer Leverkusen nicht nur seine Torkrise nach mehr als 1000 Minuten und 13 Spielen. Vielmehr bewies der ballverliebte Brasilianer eindrucksvoll, welchen maßgeblichen Einfluss er auf das Spiel des Teams von Trainer Pal Dardai hat. Mit seiner Kreativität, Explosivität und Torgefahr ist Cunha Herthas Dreh- und Angelpunkt, Rettungsanker im Abstiegskampf und womöglich auch der entscheidende Faktor für das Duell in Köpenick.

Bereits nach seiner Verpflichtung im Januar 2020 führte er Hertha BSC nach einer ähnlich verkorksten, durch den plötzlichen Rücktritt von Jürgen Klinsmann als Trainer beispielhaft chaotischen Saison zum Klassenerhalt. 18 Millionen Euro überwies Ex-Manager Michael Preetz an RB Leipzig, wo Cunha unter Trainer Julian Nagelsmann vergebens auf mehr Spielzeit hoffte. Ein Preis für eine Soforthilfe, der sich prompt bezahlt machte. Mit sechs Toren und einer Vorlage allein in den ersten sechs Spielen sorgte Cunha dafür, dass Hertha unter Ex-Trainer Bruno Labbadia schnell aus dem Gröbsten raus war.

Cunha will Geschichte schreiben

Gleichzeitig ließ er mit seinen Dribblings die Herzen der Hertha-Fans höherschlagen – und in Erinnerungen schwelgen. Der letzte Spieler in Blau-Weiß, der derart mit Tempo, Technik und Toren auftrumpfte, war Marcelinho. Der Egozentriker verzückte von 2001 bis 2006 regelmäßig genauso neutrale Zuschauer mit seinem Zauberfuß wie Cunha als Kind. „Ich mochte ihn als Spieler immer sehr. Wir kommen aus dem gleichen Bundesstaat. Ich hoffe, ähnlich viele schöne Treffer zu erzielen“, erklärte Cunha kurz nach seiner Ankunft im Gespräch mit der Berliner Zeitung. Weil ihm das gelang, weckte Cunha im Sommer bereits das Interesse von Emir-Klub Paris St. Germain, wo er durch seine Auftritte bereits als Nachfolger von Neymar gehandelt wurde.

So sehr Cunha seinen beiden Landsleuten auf dem Feld nacheifert, so unterschiedlich hält er es mit seinem Privatleben. Cunha ist ein Familienmensch, seine Eltern sind regelmäßig in Berlin zu Besuch, zusammen mit seiner Verlobten bekam er bereits vergangenes Jahr das erste Kind. Eingefleischte Herthaner werden sich erinnern. Cunha traf beim 4:0-Sieg gegen Union und eilte ins Krankenhaus zur Geburt seines Sohnes.

Vor dem Spiel beim 1. FC Union droht ihm ein ähnlicher Terminstress nicht. Die Konzentration gilt voll und ganz dem Derby. „Matheus hat die Woche gut trainiert“, attestiert Dardai. Der Ungar spielte, rannte und grätschte einst, um Marcelinho den Rücken freizuhalten. „Er ist unser Genie“, sagt Dardai über Cunha, der in der Bundesliga nicht nur die meisten Dribblings sucht, sondern auch die meisten Eins-gegen-eins-Duelle gewinnt und so die Fans von alten oder besseren Zeiten träumen lässt. „Jeder Spieler hat seine eigene Geschichte“, sagt Cunha über Vergleiche mit Marcelinho. „Und ich möchte meine eigene schreiben.“ Ostersonntag wäre die nächste passende Gelegenheit.