Berlin-Westend
-  Unter der Woche wurde die Quarantäne für Hertha BSC noch ein bisschen unangenehmer. Köln, Bielefeld, Mainz – gleich drei Rivalen im Kampf um den Klassenerhalt siegten und brachten die Berliner dem Abstieg etwas näher. Wehren können sich die Blau-Weißen dagegen noch nicht. Mindestens bis zum 29. April sind Mannschaft und Trainerstab in Isolation und zum Zuschauen verdammt. 

Für Herthas Kapitän Niklas Stark wird der Aufenthalt in den eigenen vier Wänden dabei fast zur Routine. Bereits zum dritten Mal befindet sich der Franke in Quarantäne. Im März 2020 während der Zwangspause mit dem Team, einen Monat später galt er als Kontaktperson ersten Grades. „Man versucht, seinen Rhythmus beizubehalten: Zur gleichen Zeit aufstehen, sich gut ernähren – damit man so fit wie möglich ist, wenn man rauskommt“, erklärte der Experte am Freitag in einer digitalen Medienrunde. 

Endspurt wie ein Turnier 

Ohne Trainingseinheiten auf dem Rasen ist das leichter gesagt als getan. Konditionell sei kein großer Rückschlag zu erwarten, aber die „dynamischen, seitlichen Bewegungen“ könnten in den eigenen vier Wänden kaum simuliert werden. „Auch taktisch ist es schwer zu arbeiten“, erklärte Stark, der wie seine Teamkollegen meist zwei Trainingseinheiten über rund 90 Minuten pro Tag unter der Anleitung von Athletik-Trainer Henrik Kuchno absolviert. „Es ist auf gar keinen Fall ein Urlaub oder so, dass wir bis 10 Uhr schlafen und uns abends noch eine Flasche Wein reinpfeffern.“

Trotz der Widrigkeiten und der bevorstehenden Mammutaufgabe mit sechs Spielen in drei Wochen versprüht Stark Zuversicht. Die Ergebnisse der Konkurrenz zu kennen, „kann ein Vorteil sein, und so nehmen wir es auch hin“, sagte der Defensivspieler, der das Saisonfinale mit der Turnierform einer EM- oder WM-Endrunde vergleicht. „Das haben andere Mannschaften schon geschafft, so einen Plan zu bewältigen“, sagte der zweifache Nationalspieler. 

Faustpfand Sami Khedira 

Weil Hertha das nun auch ohne Vorbereitung packen muss, setzt Stark im Kampf um den Klassenerhalt und wegen des erwähnten Turniercharakters auf Sami Khedira: „Sami hat da die beste und meiste Erfahrung. Es gibt kein Rezept, das er uns mitgibt“, sagt Stark zwar über den 34 Jahre alten Weltmeister von 2014. „Aber er wird ein sehr wichtiger Bestandteil des Projekts sein. Seine Erfahrung wird uns sehr gut tun in den letzten Spielen.“

Neben Khedira hofft Trainer Pal Dardai vor allem, dass sein Team in der Not endlich zusammenrückt. „Ich sehe es auch als Chance, dass alle in die Köpfe reinzubekommen, dass wir jetzt etwas Großes erreichen können“, sagte Stark und versprach, es allen Zweiflern zu zeigen: „Viele haben uns schon als Absteiger abgeschrieben. Das sehen wir nicht so. Das schweißt uns noch mehr zusammen.“