Berlin - Bei der Stürmererscheinung kommt selbst der ehemalige Nationalverteidiger Arne Friedrich ins Schwärmen. „Er ist schon phänomenal. In jungen Jahren nicht nur diese Torquote zu haben, sondern auch dieses Bild, was er nach außen trägt, jedem Ball hinterherzulaufen, diese Tore zu machen, diese positive aggressive Grundhaltung“, sagt Herthas jetziger Sportdirektor. Das Problem dabei ist nur, dass er nicht über einen blau-weißen Profi spricht, sondern über Dortmunds norwegischen Goalgetter Erling Haaland. Gegen den 1,94 Meter großen Hünen gibt es für Herthas Defensive den ultimativen Stresstet, wenn die Blau-Weißen am Sonnabend um 18.30 Uhr beim BVB antreten. 19 Tore in 19 Bundesliga-Spielen ist die stolze Bilanz des 20 Jahre alten Stürmers. 

Haaland blamierte Herthas Hintermannschaft im Hinspiel

Friedrich musste im Hinspiel im November auf der Bank im Olympiastadion mitansehen, wie Haaland die blau-weiße Hintermannschaft in der zweiten Halbzeit blamierte und vier Tore beim 2:5 schoss. Damals hieß der blau-weiße Trainer noch Bruno Labbadia, und die Defensive war personell ganz anders besetzt. Torwart Alexander Schwolow, die Verteidiger Peter Pekarik, Dedryck Boyata, Omar Alderete und Marvin Plattenhardt sowie die Sechser Niklas Stark und Matteo Guendouzi ließen sich vom Norweger düpieren. Von diesen sieben Spielern ist nur noch Stark in der Startelf, aber nicht mehr im defensiven Mittelfeld, sondern als zentraler Chef in einer Dreier-Abwehrkette mit Lukas Klünter und Marton Dardai. Trainer Pal Dardai hat in seinen ersten sieben Wochen mächtig aufgeräumt. Andere Startelf, andere Mentalität. Der Coach weiß, dass man dieses Phänomen Haaland nur mit perfekter Teamarbeit ausschalten kann.

„Wir werden gemeinsam versuchen, Haaland zu stoppen. Wir werden es defensiv gemeinsam gegen ihn angehen“, kündigt Dardai an. Dabei ändert er gegenüber dem 2:1-Sieg gegen Augsburg in der Defensive nichts. „Sie haben zuletzt sehr gut funktioniert und zusammengearbeitet“, erklärt Dardai, unterstützt werden sie auf den Flügeln von Deyovaisio Zeefuik und Maxi Mittelstädt. Vor der Abwehr sollen Santiago Ascacibar und Lucas Tousart abräumen. Der Franzose, der im Hinspiel nicht mal zum Einsatz kam, wird seit Wochen immer besser.  „Lucas macht gerade einen Riesenjob. Auf ihn wird es auch ankommen, um Haaland und die Dortmunder Offensivabteilung in den Griff zu bekommen“, lobt Dardai den Sechser.

Duell der Norweger

Es scheint so, dass sich die Herthaner Mut zusprechen wollen. Denn sie wissen, dass Dortmunds Angriffsmaschine gnadenlos zuschlagen kann. Friedrich will keine Angst, sondern Spaß in den Augen der Profis sehen. „Ich würde total gerne gegen Haaland spielen, es ist doch eine unfassbare Herausforderung, gegen die Besten zu spielen“, sagt er. Es wirkt schon fast frech bis trotzig, wenn dazu noch Dardai erklärt: „Wenn Haaland mal durchkommt, dann hält Rune!“ Gemeint ist der 36-jährige Torwart Rune Jarstein. Vielleicht wird das auch das Duell des Spiels: Junger Norweger gegen alten Norweger.