Berlin - Herthas Lage in der Bundesliga ist seit Monaten bedrohlich. Dazu fallen weiterhin die Leistungsträger Sami Khedira, Matheus Cunha und Dedryck Boyata aus. Doch in der ganzen Not tritt ein seltenes Kuriosum auf. Die Blau-Weißen haben ein echtes Luxusproblem. Im Sturm tummeln sich drei Nationalspieler, doch nur zwei werden Sonnabend, um 18.30 Uhr, bei Borussia Dortmund in der Startelf stehen. Trainer Pal Dardai muss sich entscheiden, wer das Angriffsduo bildet. Der Kolumbianer Jhon Córdoba, der Pole Krzysztof Piatek und der Belgier Dodi Lukébakio kämpfen um die zwei freien Plätze.

Dardai fordert mehr Mut von seinen Spielern

Dardai bleibt bei seiner taktischen Variante mit zwei Stürmern. Auch wenn der Gegner Dortmund heißt, der als Favorit in das Spiel geht. Der Ungar fordert seit Wochen mehr Mut von seinen Spielern und macht es selbst mit seinem Matchplan vor. Unmöglich ist die Punkte-Mission beim Favoriten aus dem Ruhrpott nicht. Sportdirektor Arne Friedrich glaubt wenigstens an einen Überraschungserfolg und sagt: „In der Bundesliga kann jeder jeden besiegen. Warum sollen wir nicht beim BVB gewinnen? Wir wissen, dass die Borussia der Favorit ist und wir in einer schwierigen Situation sind. Aber wir wollen und müssen solche Spiele gewinnen.“

Damit es klappt, wird am System nichts gegenüber dem erlösenden 2:1-Heimsieg gegen Augsburg geändert. Dort begannen der 27-jährige Córdoba und der 25-jährige Piatek. Aber Lukébakio schoss als Joker den entscheidenden Siegtreffer per Elfer. „Wer die Jokerrolle diesmal übernimmt, muss ich noch sehen. Wir agieren als Ganzes, als Team mit einer Arbeitsteilung. Deswegen mag ich es nicht, wenn man sagt, dass einer auf die Bank muss. Jeder ist wichtig“, erklärt Dardai, um damit gleich die Bankrolle als wichtigen Teil darzustellen. Derjenige, den es trifft, soll sich nicht zurückgesetzt fühlen.

Lukébakio wird immer besser

Dardai bewies bisher ein besonderes Fingerspitzengefühl. Lukébakio, der unter dem Nachfolger von Bruno Labbadia in einer Formkrise war, wird immer besser. Er nahm den Platz auf der Bank gegen den FCA ohne Murren an und gab dann seine Antwort mit dem Siegtor. Vieles spricht dafür, dass diesmal zunächst nicht der 23-jährige Lukébakio, sondern Piatek zuschauen muss.

Im Gegensatz zu Augsburg kann Hertha in Dortmund nur mit einer starken Defensive und schnellem Umschaltspiel, sprich Konter, auf Punkte hoffen. Da hat das dynamische Duo mit Córdoba und Lukébakio offensichtliche Vorteile gegenüber Piatek, der eher ein klassischer Strafraum-Stürmer ist. Dardai lässt sich dennoch nicht in die Karten schauen und erklärt: „Ich kann es wirklich noch nicht sagen, wer spielen wird.“ Das ist wirklich echter Luxus.