Berlin - So ein Investor wie Lars Windhorst einer ist, kann neben viel frischem Geld, frischen Strukturen und Ideen einem Fußball-Klub, wie Hertha BSC einer ist, auch anderes bringen. Einen Imageschaden nach dem anderen zum Beispiel. Denn was wird aus der knapp einjährigen Zeit übrigbleiben, in der der frühere Nationaltorhüter Jens Lehmann im Aufsichtsrat der GmbH & Co KGaA. von Hertha BSC saß? Neben einem wirren Twitter-Statement, in dem Lehmann die Gefahr von Corona in etwa mit der von Grippe verglich, vor allem ein Rassismus-Skandal, das hässliche Wort „Quotenschwarzer“ und damit die Frage: Was, um alles in der Welt, hat Windhorst im Mai 2020, als der Reinfall mit Jürgen Klinsmann gerade noch so frisch wie die neuen Hertha-Ideen waren, dazu bewogen, einen wie Lehmann in den Aufsichtsrat des Berliner Noch-Fußball-Bundesligisten zu berufen?

Ein Faible für Helikopterflüge vielleicht? Bei Jens Lehmann jedenfalls war der Hubschrauber das Transportmittel von seinem Wohnort am Starnberger See nach Stuttgart, wo er am Ende seiner Fußballerkarriere beim VfB im Tor stand. Zu Lehmanns Beliebtheit trug die Episode weder an seinem Wohnort noch sonst irgendwo bei. Aber die Meinung anderer, so der Eindruck, den Lehmann mit einer Art vermittelt, die man getrost als überheblich bezeichnen darf, interessiert den 51-Jährigen ohnehin wenig.

Lehmanns Entschuldigung liest sich nicht wie eine

Kulturelle Werte? Gesellschaftlicher Konsens? Zu spießig für einen wie ihn, der mal für Arsenal London kickte. Schalkes Trainer Aleksandar Ristic urteilte Anfang der 1990er-Jahre über Lehmann: „Es gibt Leute, die sind nicht klar im Kopf und kommen mit ihrem Beruf nicht zurecht.“ Wie zum Beweis riss Lehmann in seiner letzten Saison als Torwart einem Anhänger die Brille von der Nase, zeigte Wolfsburger Fans den Stinkefinger, urinierte während des Spiels hinter eine Werbebande.

Nun aber hat Lehmann den früheren Nationalspieler Dennis Aogo als Experten beim Fernsehsender Sky stigmatisiert, ihn zum Tanzbär der Quotenfänger degradiert. Seine Entschuldigung auf Twitter liest sich nicht wirklich wie eine. Anders als kurz darauf Hertha-Präsident Werner Gegenbauer in einem Hertha-Statement, distanziert sich Lehmann in seinem Tweet keineswegs von Rassismus.

Dass Windhorst nun Lehmanns Mandat als sein Berater in Herthas Aufsichtsrat beendet hat, war die einzig richtige, die einzig mögliche Reaktion. Und vermutlich fragt sich nun jeder, dem Hertha BSC am Herzen liegt, bange, wer der nächste Experte im Aufsichtsrat wird. Prinz Marcus von Anhalt vielleicht? Der soll ja auch öfter im Helikopter abheben.