Berlin - Pal Dardai wird am Dienstag 45 Jahre alt. Doch richtig zum Feiern ist dem Trainer von Hertha BSC wegen der brenzligen Lage seines Klubs nicht. Die größte Freude bereitet ihm momentan sein Sohn Marton Dardai, der den Sprung ins Profi-Team geschafft hat und seit vier Spielen alle mit Leistung überzeugt. Er ist der Gewinner in der Krise.

Pal Dardai mag den Begriff „Trainersohn“ nicht

Pal Dardai hatte vor Wochen schon den Journalisten zu verstehen gegeben, dass er den Begriff „Trainersohn“ überhaupt nicht mag, weil es immer so eine familiäre Bevorzugung andeutet. Dardai Senior erklärte also: „Ich war selbst Sohn eines Trainers, die haben es doppelt schwer, weil der Vater immer kritischer ist.“

Drei Spiele Sperre für Darida

Vladimir Darida  ist nach seinem Tritt in die Achillessehne von Borussia Dortmunds Kapitän Marco Reus für drei Ligaspiele gesperrt worden. Der tschechische Mittelfeldspieler hatte beim 0:2 seiner Mannschaft in Dortmund am Samstag nach dem rüden Einsteigen die Rote Karte gesehen.

Spieler und Verein haben dem Urteil des Sportgerichts des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) zugestimmt. Darida wird im Abstiegskampf somit gegen Bayer Leverkusen am Sonntag, im Derby bei Union Berlin am 4. April und gegen Borussia Mönchengladbach (10. April) fehlen.

Der Chefcoach trennt ganz strikt und vermeidet sogar das Wort „Sohn“. Doch nach den starken Auftritten der vergangenen Wochen sprach er nun doch über den eigenen Sprössling, den neuen Innenverteidiger der Dreier-Abwehrkette. Und so hört sich das dann an: „Marton Dardai ist erst 19 Jahre alt, aber spielt schon wie ein 30-Jähriger.“ Der junge Profi kennt überhaupt keine Nerven, er spielt abgeklärt, als ob er schon Jahre in der Bundesliga dabei wäre. Auch beim 0:2 gegen Dortmunds Ausnahmestürmer Erling Haaland.

Richtige Laufwege, ein sehr gutes Auge und eine besondere Qualität, die ein moderner Innenverteidiger haben muss: Er kann das Spiel von hinten heraus mit genauen Pässen eröffnen. „Marton Dardai hat eine Waffe im linken Fuß. Er schlägt lange Bälle und die kommen beim Mitspieler auch an“, erklärt Dardai senior.

Dann erzählt der Trainer aus der Jugendzeit seines Sohnes. „Da haben sie ihn sogar als Verteidiger auf dem Kleinfeld zugestellt, damit er keine Pässe schlägt. Ich bin dann zum gegnerischen Trainer gegangen und habe gesagt, dass Fußball so keinen Spaß bringt. Die Antwort war nur: Aber warum sollen wir es anders machen? Wir haben doch sonst keine Chance.“

Erlebnisse im Jugendfußball waren für Marton Dardai beste Schule

Marton hat früh gelernt, sich durchzusetzen. Vielleicht waren die Erlebnisse im Jugendfußball die beste Schule, um jetzt auf engstem Raum in Bedrängnis die Übersicht zu behalten. Er musste auch in den vergangenen zwölf Monaten einige Hindernisse umdribbeln. Wegen der Corona-Pandemie konnte Marton nur einen kurzen Schnupperkurs im Männerfußball in Herthas U23-Team machen. Das kickt in der Regionalliga, die aber wegen der Virus-Krise den Spielbetrieb einstellen musste.

Also gab der 1,88-Meter-Schlaks Vollgas beim Profi-Training und wurde im Oktober schon von Ex-Trainer Bruno Labbadia belohnt, der ihn zweimal in der Bundesliga spielen ließ. Jetzt hat Marton den nächsten Karrieresprung geschafft – und das ziemlich unaufgeregt und cool. Und darauf kann der Vater an seinem Geburtstag ein bisschen stolzer sein als an anderen Tagen.