Nächster Schock bei Hertha BSC: Hodentumor-Diagnose bei Boëtius

In der Bundesliga ist es der vierte Fall innerhalb weniger Monate: Jean-Paul Boëtius muss operiert werden. Hertha-Kollege Marco Richter ist gerade erst genesen.

Herthas Mittelfeldspieler Jean-Paul Boëtius muss nach der Entdeckung eines Hodentumors operiert werden.
Herthas Mittelfeldspieler Jean-Paul Boëtius muss nach der Entdeckung eines Hodentumors operiert werden.imago/Sebastian Räppold

Die urologische Untersuchung endete mit einem Schreck für Hertha BSC und Mittelfeldspieler Jean-Paul Boëtius: Die nächste Hodentumor-Diagnose erschüttert die Fußball-Bundesliga. „Wenn das Gehirn nicht glauben will, was die Ohren hören“, schrieb Hertha-Präsident Kay Bernstein. Es ist der zweite Fall bei den Berlinern in diesem Jahr – und der vierte innerhalb weniger Monate in der Bundesliga. „Wir werden als Hertha-Familie eng zusammenstehen. Bis zu seiner Rückkehr bekommt er von uns jede erdenkliche Unterstützung“, sagte Hertha-Manager Fredi Bobic.

Boëtius (28), erst im Sommer aus Mainz nach Berlin gekommen und in sechs von sieben Bundesligaspielen eingesetzt, muss operiert werden. Der niederländische Mittelfeldspieler, den die Kollegen Djanga rufen, fällt „auf unbestimmte Zeit“ aus. In den vergangenen Monaten war bereits bei Timo Baumgartl (Union Berlin), Marco Richter (ebenfalls Hertha) und Sébastien Haller (Dortmund) ein Hodentumor diagnostiziert worden. Richter war nach erfolgreicher Operation zuletzt wieder in der Liga aufgelaufen, auch Baumgartl hatte nach einer Chemotherapie am vergangenen Wochenende sein Comeback gefeiert – doch nun der nächste Schock.

Häufung von Hodenkrebs-Tumoren in der Bundesliga

Erst Mitte Juli hatte Dortmunds Millionen-Einkauf Haller die Diagnose erhalten, ohne zuvor ein Pflichtspiel für den BVB zu absolvieren. Der 28-Jährige ist noch in Therapie, hatte sich zuletzt erstmals in der Dortmunder Arena unter großem Jubel auf der Tribüne gezeigt und von Fortschritten bei der Behandlung berichtet.

Dabei ist die momentane Häufung von Hodenkrebs-Tumoren in der Bundesliga auffällig. Eine Verbindung zwischen Sport und Hodenkrebs gebe es laut Prof. Klaus-Peter Dieckmann, ärztlicher Leiter des Hodentumorzentrums der Asklepios-Klinik Hamburg, aber nicht. „Wenn Männer in diesem Alter, zwischen 20 und 40, einen Krebs bekommen, ist es fast immer Hodenkrebs. Deshalb ist das nicht überraschend, dass Bundesligaspieler betroffen sind“, erläuterte Dieckmann.

Dennoch hatte der Experte von einem Versäumnis gesprochen, wenn urologische Untersuchungen bei Medizinchecks von Fußballprofis fehlten. Union Berlin hatte nach der Erkrankung von Baumgartl bei seiner Lizenzspielerabteilung eine Vorsorgeuntersuchung auf mögliche Hodenkrebs-Erkrankungen durchführen lassen. Hertha-Manager Bobic hatte nach Richters Erkrankung die Bedeutung von Vorsorgeuntersuchungen hervorgehoben und betont, andere sollten sich ein Beispiel nehmen: „Das ist für Spieler in Zukunft auch wichtig, die das eine oder andere haben oder spüren, über den Schatten zu springen und nicht zu sagen als Macho: Ich geh’ da drüber weg und das ist mir egal.“

Boëtius soll nach Informationen des Kickers am Freitag operiert werden. Die blau-weiße Familie sei immer bei ihm, schrieb Bernstein im sozialen Netzwerk an Boëtius und: „Positiv denken, das Beste hoffen, kämpfen und schnell gesund werden!“