Berlin - Sein Debüt gegen den FC Bayern weckte bei den Hertha-Fans große Erwartungen. Nemanja Radonjic, 25, lief den Münchner Verteidigern um Weltmeister Benjamin Pavard auf und davon. Danach wurde es ruhig um die Leihgabe von Olympique Marseille. Gegen Borussia Mönchengladbach machte der Serbe nun endlich wieder auf sich aufmerksam.

Radonjic hat seine Schnelligkeit ausgespielt

Radonjic gab nach seiner Einwechslung beim 2:2 gegen die Fohlenelf am Sonnabend mächtig Gas, beackerte bei Herthas Aufholjagd immer wieder die rechte Seite und stellte die Gäste vor teils große Probleme. „Das war der richtige Moment. Er hat im Eins-gegen-Eins seine Schnelligkeit ausgespielt“, erklärt Trainer Pal Dardai seinen Schachzug und lobt: „Das hat er gut gemacht.“

Warum das vorher – bis auf das besagte Bayern-Spiel Anfang Februar – nicht der Fall war? „Er war einfach nicht richtig fit“, sagt Dardai über Radonjics Leistenprobleme nach seinem Winter-Wechsel Ende Januar. Dardai und sein Team stellten die Fitness an erste Stelle: „Wir haben ihm gesagt: ,Das hier ist Bundesliga. Da musst du fit sein.‘“

Während bereits einige Stimmen laut wurden, die Radonjic bereits als Fehl-Leihe (Hertha besitzt im Sommer eine Kaufoption in Höhe von elf Millionen Euro) abstempelten, trainierte er fleißig, um endlich Eindruck zu hinterlassen. Mit Erfolg. „Jetzt ist er so weit“, freut sich Dardai und lobt sein Trainerteam: „Das haben wir gut hinbekommen.“

In Marseille mit 37 km/h gemessen

Das gegen Gladbach gezeigte Selbstvertrauen holte sich der Flügelflitzer in der Qualifikation für die Weltmeisterschaft in Katar im kommenden Jahr. Beim 2:2 nach 0:2-Rückstand der Serben schockte er nach seiner Einwechslung mit zwei blitzgescheiten Torvorlagen Cristiano Ronaldo und Portugal.

Das will Dardai logischerweise nun auch bei Hertha sehen. „Ich habe ihn gelobt für sein Spiel. So macht es Spaß“, lobt Dardai und fordert: „Assists und Tore. Das brauchen wir von ihm.“

Gut möglich, dass Radonjic für Hertha im Abstiegskampf noch extrem wichtig wird. Insbesondere dann, wenn er seine Schnelligkeit ausspielen kann. In Marseille wurde er schon mal mit 37 Kilometern pro Stunde gemessen. Zum Vergleich: Dortmunds Erling Haaland stellte am Sonnabend einen neuen Saisonrekord mit 36,04 km/h auf.

Einen solchen Wert wird Radonjic nach den überstandenen Problemen erst mal nicht für die Blau-Weißen auf den Rasen bringen. Den einen oder anderen Gegenspieler wird er aber locker überlaufen, um im besten Fall die eine oder andere gefährliche Aktion vor dem gegnerischen Tor zu kreieren.