Polizei sucht Täter: Ausschreitungen bei Klub des neuen Hertha-Investors

Beim Stadtduell zwischen Melbourne Victory und City werden ein Torwart, ein Schiedsrichter und ein Kameramann verletzt. Die Teams flüchten in die Kabinen.

Aufruhr mit Platzsturm und Polizeieinsatz bei Melbournes Fußball-Stadtduell zwischen den Klubs Victory und City.
Aufruhr mit Platzsturm und Polizeieinsatz bei Melbournes Fußball-Stadtduell zwischen den Klubs Victory und City.imago/Dave Hewison

Nach den heftigen Fan-Ausschreitungen in Melbourne hat die Polizei der australischen Stadt ein hartes Durchgreifen gegen die dafür verantwortlichen Fußball-Anhänger angekündigt. Die Behörden erklärten am Sonntag, es laufe die Suche nach den Tätern. „Ich vermute, dass wir sehr bald an Türen klopfen werden“, sagte der zuständige Inspektor Jason Goddard und bezeichnete sich selbst als Fußball-Anhänger.

Die Ausschreitungen hatten am Samstag zum Abbruch der Partie zwischen den Ortsrivalen Melbourne Victory und Melbourne City geführt. City-Torwart Tom Glover und Schiedsrichter Alex King sowie ein Kameramann wurden verletzt. Der Kameramann wurde von einem Feuerwerkskörper getroffen. Glover erlitt eine blutende Platzwunde am Kopf und eine Gehirnerschütterung, als er von einem mit Sand gefüllten Eimer getroffen wurde, in dem eingesammelte Pyrotechnik deponiert werden sollte. Auch der Schiedsrichter wurde von dem Wurfgeschoss am Kopf verletzt, als er Glover schützen wollte.

Mannschaften flüchten in die Kabinen

Der Polizei zufolge waren 134 Ordnungskräfte im AAMI Stadium im Einsatz, laut Goddard mehr als für ein Kricket-Spiel im 100.000 Zuschauer fassenden Melbourne Cricket Ground. Die Mannschaften waren in die Kabinen geflüchtet, nachdem etwa 150 Fans den Platz gestürmt hatten. Nach einer knapp 45-minütigen Unterbrechung wurde die Partie schließlich abgebrochen.

Eigentlich hatten Fan-Gruppen gegen die australische Fußball-Liga protestieren und die Partie in der 20. Minute verlassen wollen. Die Situation eskalierte jedoch, nachdem der Kameramann von dem Feuerwerkskörper getroffen wurde und Torwart Glover einen weiteren aufhob und zurück auf die Tribüne warf. „Wir werden mit ihm sprechen, er ist jedoch ein Opfer“, sagte Polizei-Inspektor Goddard.

Laut Medienberichten droht Gastgeber Melbourne Victory auch wegen Vorfällen in der Vergangenheit ein Zuschauerausschluss, möglicherweise sogar für die restlichen 18 Spieltage der Saison. Bei Melbourne Victory ist im Oktober dieses Jahres der amerikanische Investor 777 Partners eingestiegen, der aktuell mit Hertha BSC in Gesprächen steht, um die Anteile an dem Klub, die bislang Lars Windhorst gehörten, abzulösen.

Der australische Fußball-Verband äußerte sich nicht zu möglichen Sanktionen, zu denen auch eine Geldstrafe und ein Punktabzug gehören könnten. Der Verband kündigte aber eine schnelle Aufarbeitung an.

Nur wenige Wochen nach dem überraschenden Achtelfinal-Einzug der Nationalmannschaft bei der WM in Katar, wo es durch ein 1:2 gegen Argentinien das Aus gab, ist die Bestürzung über die Vorfälle vom Samstag in Australien groß. Etliche Ex-Nationalspieler wie der einst auch in Deutschland spielende frühere Torhüter Mark Schwarzer verurteilten die Ausschreitungen.

Gastgeber Melbourne Victory und dessen größte organisierte Fan-Gruppe entschuldigten sich. Die Fan-Organisation mahnte, es müsse bei friedlichen Protesten gegen die Liga-Pläne bleiben, die Meisterschafts-Endspiele von Männern und Frauen in den kommenden drei Jahren immer in Sydney auszutragen.