BerlinEin neues Jahr beginnen viele Menschen mit guten Vorsätzen. Die einen wollen abnehmen, die anderen einfach gelassener werden. Wiederum andere haben nur ein Minimalziel: einfach nicht die Fehler des Vorjahres wiederholen. Bei Hertha BSC empfehlen sich die ersten beiden Dinge nicht. Eine weitere Punkte-Diät wäre gleichbedeutend mit dem Abstieg, und noch mehr Geduld mit den Spielern wäre auch fatal. Nein, Fehlervermeidung als Minimalziel könnte „maximale Enttäuschung“ verhindern, wie es der neue Vorstandsboss Carsten Schmidt zum Jahresende formulierte, und größte Erfolge bringen. Vorsätze sind willensbekundende Sätze. Manager Michael Preetz hat sie bei der Pressekonferenz drei Tage vor dem ersten Heimspiel des Jahres gegen den Tabellenletzten Schalke 04 am Sonnabend um 18.30 Uhr getätigt. „Es liegt ein Monat vor uns, der sehr intensiv wird mit sechs Spielen. Das bietet Chancen, die wir nutzen wollen. Dieses Spiel gegen Schalke wollen wir gewinnen. Wir wollen einen guten Einstieg in dieses Jahr“, erklärt er.

Eine Niederlage wäre eine Blamage

Der Januar als Wendemonat zum Guten. Schalke, Bielefeld, Köln, Hoffenheim, Bremen, Frankfurt – gegen jeden dieser Klubs ist eigentlich ein Sieg drin. Jeweils drei Punkte waren aber auch schon gegen Mainz und Freiburg machbar. Sie endeten aber mit zwei miserablen Leistungen, die nur einen Zähler einbrachten. „Die beiden letzten Spiele haben wehgetan. Davor waren wir grundsätzlich auf einem guten Weg. Es ist klar, dass wir jetzt von der Mannschaft einen fokussierten, sehr konzentrierten Auftritt mit großer Hingabe brauchen“, sagt Preetz.

Das am Boden liegende Schalke hat vor dem Spiel den letzten Versuch unternommen und den vierten Coach mit dem 66-jährigen Schweizer Christian Gross verpflichtet, um den Abstieg zu verhindern. Ihm assistiert Rainer Widmayer, ehemaliger Co-Trainer von Hertha BSC. Für die Blau-Weißen kann der Trainerwechsel und die damit verbundene Aufbruchstimmung beim Gegner eine Gefahr bedeuten. Eine Niederlage wäre nicht nur ein misslungener Vorsatz, es wäre eine Blamage.

Schalke ist seit 29 Spielen sieglos und könnte den historischen Tasmania-Minusrekord von 31 Bundesliga Partien ohne Sieg aus der Saison 1965/66 einstellen. Die Möglichkeit, dass ausgerechnet Hertha unfreiwillig die böse Serie der Gelsenkirchener beendet, ist nicht abwegig. Viel zu oft haben die Blau-Weißen ihre Fans immer wieder mit Niederlagen gegen Abstiegskandidaten enttäuscht.

Vergangene Saison verlor Hertha mit Ex-Coach Ante Covic das erste Derby 0:1. Union hatte nicht nur die Punkte, sondern danach auch jede Menge Selbstvertrauen. Es folgte eine Aufholjagd der Köpenicker. Eine Spielzeit davor war Düsseldorf eigentlich schon am 11. Spieltag als Tabellenletzter hoffnungslos abgeschrieben. Hertha verlor unter Pal Dardai 1:4, Fortuna feierte Auferstehung und landete am Saisonende sogar vor den Blau-Weißen auf Platz 10. 2015/16 gönnte sich Hertha als Tabellenfünfter ein 1:2 gegen Darmstadt und damit den Hessen den Klassenerhalt.

Noch schlimmer war es 2008/09. Hertha spielte mit Ex-Coach Lucien Favre bis kurz vor Saisonende um die Meisterschale mit und verspielte im letzten Spiel durch ein 0:4 beim bereits abgestiegenen Karlsruher SC sogar den Champions-League-Platz. Im Februar 2002 setzte es ein 0:1 beim abstiegsgefährdeten Energie Cottbus. Jürgen Röber kostete es nach sechs erfolgreichen Jahren den Job und die abstiegsgefährdeten Lausitzer retteten sich im Liga-Endspurt.

Bruno Labbadia interessiert diese Vergangenheit nicht. Vielleicht kennt er sie auch gar nicht so genau. „Ich beschäftige mich nicht mit negativen Dingen, sondern schaue nach vorn. Wenn einer die Serie fürchten muss, dann ist es der Klub, der die Serie hat. Wir machen uns weniger Gedanken darum, dass ein Rekord aufgestellt werden kann, da es ist nicht unserer ist,“, sagt der Coach. Labbadia hat für das Spiel ausschließlich einen punktuellen Vorsatz: „Ich erwarte ein heiß umkämpftes, intensives Spiel, weil Schalke muss – genau wie wir auch müssen.“