Die ganz großen Emotionen sind nicht so sein Ding. Während seine Spieler mit versteinerten Mienen auf dem Platz standen, saßen oder lagen, hatte Felix Magath schon längst den Weg in die Katakomben des Dortmunder Stadions eingeschlagen. Von Enttäuschung oder Trauer war wenig später in der Pressekonferenz äußerlich nichts zu sehen. Stattdessen sprach er in seiner nüchtern analytischen Art über das Spiel und die bevorstehende Relegation, die er ja, trotz zuvor bester Ausgangslage aller in den Abstiegskampf involvierten Teams, stets vorhergesagt hatte.

Man kann nur erahnen, wie sehr sich der 68-jährige Fußballlehrer am Sonntagnachmittag darin bestätigt gefühlt haben muss, als es tags darauf auch noch der ebenfalls von ihm prognostizierte Hamburger SV als Gegner geworden war. Für jemanden, der die Bühne Fußball-Bundesliga auch im höheren Alter noch immer liebt wie kaum ein anderer und für den sie noch immer sehr viel für sein Leben zu bedeuten scheint, hätte es keine bessere Konstellation geben können.

Im definitiv letzten Abschnitt seiner Rettungsmission bei Hertha BSC bekommt er es in zwei Spielen ausgerechnet mit dem Verein zu tun, bei dem er den Großteil seiner Profikarriere verbrachte, für den er selbst 306 Bundesligaspiele bestritt und mit dem er die größten Erfolge seiner Laufbahn als Spieler feierte. „Der HSV, das steht doch vollkommen außer Frage, ist der größte Abschnitt meines Fußballer-Lebens“, hat Magath, im vollen Wissen, dass er ganz besonders im Fokus stehen wird, erst am Wochenende gesagt. All eyes on Felix, alle Augen auf Magath.

Als Spieler und später als Trainer hat der 68-Jährige viel gesehen, viel gewonnen, aber dabei noch nie in eine Relegation gemusst. „Ich freu' mich drauf! Noch mal zwei schöne Spiele, noch mal volle Hütte, noch mal Druck, noch mal Stress. Einfach wunderbar“, hatte er nach der Niederlage in Dortmund in der Kamera der ARD-Sportschau gesagt. Neuneinhalb Jahre waren ihm solche Interviews in seiner geliebten Bundesliga vor seinem Engagement bei Hertha BSC nicht vergönnt. Umso mehr wird Felix Magath das Scheinwerferlicht im Kampf um den Klassenerhalt gegen den HSV genießen.