Berlin-Westend - Seit 1997 trägt Pal Dardai die Fahne von Hertha BSC auf der Brust. Dabei hat der mittlerweile 45 Jahre alte Ungar bekanntlich bereits einiges erlebt. Bittere Abstiege und süße Champions-League-Nächte. Besonders prägend waren für den blau-weißen Rekordspieler und heutigen Cheftrainer allerdings die Jahre zum Ende seiner aktiven Karriere unter Trainer Lucien Favre. „Wenn Lucien mich damals gefragt hat: ,Pal, kannst du auch mit einem Bein‘“, erinnerte sich Herthas Rekordspieler zurück und fügte mit einem Schmunzeln an: „Dann musste ich Ja oder Nein sagen – und die Konsequenzen tragen.“

Auf eine ähnliche Frage darf sich nun auch Sami Khedira vor dem wichtigen Heimspiel gegen Borussia Mönchengladbach (Sonnabend, 15.30 Uhr/Sky) einstellen. „Wir haben noch nicht gesprochen“, berichtete Dardai zwar am Donnerstag. Doch weil Khedira alle Einheiten in dieser Woche über die volle Distanz absolviert hat und auch danach keine Beschwerden aufgetreten sind, nährte Dardai die Hoffnung, dass der Mittelfeldstratege gegen Mönchengladbach einsatzbereit ist.

Ascacibar nicht gesperrt

Bisher war der Weltmeister von 2014 und Winter-Zugang für die Berliner erst in 173 von 720 möglichen Minuten eine Hilfe. Nachdem ihn in den vergangenen Wochen ein Muskelfaserriss in der Wade plagte, feierte er pünktlich zu seinem 34. Geburtstag und nach drei verpassten Spielen im Derby gegen den 1. FC Union sein Comeback. Immerhin für elf Minuten stand der Schwabe in Köpenick auf dem Platz. Für mehr fühlte er sich noch nicht bereit.

Gegen Mönchengladbach wäre ein deutlich längerer Einsatz enorm wichtig. Insbesondere, weil Hertha mit Vladimir Darida (Rotsperre) und Lucas Tousart (Gelbsperre) bereits auf zwei zentrale Mittelfeldspieler verzichten muss. Für ein wenig Entspannung sorgte der Deutsche Fußball-Bund, der das blau-weiße Horror-Szenario – eine weitere Sperre für Mittelfeldmann Santiago Ascacibar – abwendete. Herthas giftiger Gaucho wurde für seinen Spruch in der 78. Minute gegen Unions Nico Schlotterbeck nicht nachträglich gesperrt, ein „krass sportwidriges Verhalten“ sah der Verband nicht.

Doch auch mit dem Argentinier würde Hertha Khediras Mitwirken, seine Ruhe am Ball und Erfahrung als Taktgeber, immens guttun, um die im Derby verloren gegangene Struktur wieder in das eigene Spiel zu bekommen. „Ich glaube, eine Halbzeit muss möglich sein. Minimum“, sagte Dardai. Ob es tatsächlich so kommt, entscheidet allerdings die alte Favre-Methode: „Sami ist ein Musterprofi“, lobte Dardai und erklärte auch deswegen: „Er wird es zum Schluss entscheiden. Wenn er sagt, dass er kann, werde ich ihm vertrauen.“

Ilja Hofstädt folgt auf Zsolt Petry

Vertraut hätte Dardai auch gerne Gabor Kiraly. Doch Herthas Kult-Keeper steht nicht als Nachfolger des am Dienstag entlassenen Torwart-Trainers Zsolt Petry, dessen Rauswurf in Ungarn mittlerweile höchste politische Kreise erreichte, zur Verfügung. Daraus, dass Kiraly dabei die absolute Wunschlösung der Berliner gewesen wäre, machte Arne Friedrich keinen Hehl. „Wir haben uns sehr darum bemüht, Gabor für uns zu gewinnen“, erklärte Herthas Sportdirektor. Die Drähte nach Ungarn glühten, neben Friedrich griffen auch Kiralys ehemalige Mitspieler Dardai und dessen heutiger Co-Trainer Andreas „Zecke“ Neuendorf zum Hörer. Vergebens. „Mit seiner Ausstrahlung, seinem Charakter und seinem Torwartspiel wäre Gabor der perfekte Mann in dieser Situation gewesen“, bedauerte Friedrich. Weil Kiraly sich auch über den Sommer hinaus seiner Sportschule in seiner Heimatstadt Szombathely nahe der österreichischen Grenze verpflichtet fühlt, wird es auch im Sommer zu keiner Rückkehr nach Berlin kommen.

Dass Friedrich dennoch die Fahndung nach einem Nachfolger vorerst eingestellt hat, liegt daran, dass er in den eigenen Reihen fündig geworden ist. Für die verbleibenden sieben Spiele in den kommenden sechs Wochen übernimmt U19-Trainer Ilja Hofstädt, der bereits während des Intermezzos von Jürgen Klinsmann an der Seite von Torwart-Trainer Andreas Köpcke beim Training der Profi-Torhüter mitwirkte. Dass sich die Entlassung Petrys auf die Leistung der Mannschaft auswirkt, glaubt Dardai derweil nicht. „Es hört sich vielleicht hart an. Aber wir haben dafür keine Zeit und so ist unser Geschäft. Wenn einer geht, kommt ein neuer. Im Fußball rollt der Ball immer nach vorne.“