Berlin - Er hat es sich nicht leicht gemacht. Im schwarzen Anzug und mit gedämpfter Stimme zog Sami Khedira einen Schlussstrich unter seine so erfolgreiche Karriere. „Heute ist ein Tag, der mir persönlich sehr schwerfällt“, sagte er sichtlich angefasst auf einer kurzfristig angesetzten virtuellen Pressekonferenz aus Herthas Medienraum. „Es ist ein ziemlich harter, aber der einzig richtige Schritt. 15 Jahre Profi-Fußball haben ihre Spuren hinterlassen. Ich habe eine Verantwortung meinem Körper gegenüber. Das Bauchgefühl hat am Ende entschieden“, sagte Khedira am Mittwoch – auf den Tag genau 14 Jahre zuvor hatte der gebürtige Stuttgarter als Meister mit dem VfB seine erste Trophäe in eine am Ende großartige Titelsammlung gestellt.

Weltmeister und Champions-League-Sieger 2014 sowie zahlreiche nationale Titel in Spanien und Italien mit Real Madrid und Juventus Turin – der 34-Jährige blickt auf eine erfolgreiche, aber auch brutal harte Laufbahn zurück. „Der Fußball hat mir unheimlich viel gegeben, ein privilegiertes Leben“, sagte der Mittelfeldspieler. „Der Schmerz ist zwar sehr, sehr groß. Aber am Ende des Tages überwiegt die Dankbarkeit.“

Für Pal Dardai ist der Mensch Sami Khedira Weltklasse

Am Sonnabend (15.30 Uhr, Sky) wird Khedira bei der TSG Hoffenheim sein 107. und zugleich letztes Bundesliga-Spiel absolvieren. Verletzungen hatten ihn vor allem in der jüngeren Vergangenheit immer wieder zurückgeworfen. „Ich muss ehrlich zu mir sein, was ich noch kann, was ich noch will und in welchem Zustand ich bin“, räumte er ein.

Khedira bestritt 77 Spiele für die deutsche Nationalmannschaft und erzielte dabei sieben Tore. Seinen größten Erfolg feierte mit dem WM-Triumph in Rio de Janeiro. Kurz zuvor hatte der gebürtige Stuttgarter mit Real Madrid die Königsklasse gewonnen, nachdem er sich von einem Kreuzbandriss erholt hatte. Eine seiner vielen Verletzungen.

Im Februar war er nach knapp sechs Jahren bei Juventus Turin in die Hauptstadt gewechselt, um noch einmal in der Bundesliga anzugreifen. Allerdings kam er in nur 8 von 14 möglichen Partien für das Team von Pal Dardai zum Einsatz. „Jedes Kapitel, jeder Verein, die Nationalmannschaft, jede Saison – jede einzelne Etappe war eine Herausforderung für sich“, sagte Khedira. Von Herthas Trainer Pal Dardai gab es viel Lob. „Sportlich konnte er nicht viel helfen, aber die Sache, in der Kabine viele Dinge zu regeln, da war nicht nur sein Name Weltklasse. Das war eine große Hilfe“, sagte der Ungar. 

Letzter Wunsch: Ein Sieg mit Hertha bei der TSG Hoffenheim

Die Entscheidung, die Fußball-Schuhe an den Nagel zu hängen, sei in einem „schleichenden Prozess“ zustande gekommen, er habe sie alleine gefällt. Doch die „Intensität, Schmerzen und Quälerei haben sich am Ende des Tages gelohnt“, sagte Khedira. „Gleichzeitig muss ich sagen, dass das Fußball-Geschäft knallhart ist.“

Der Schwabe möchte vorerst etwas Abstand gewinnen, dem Fußball anschließend aber erhalten bleiben. „Ich will jetzt aber erstmal meine Ruhe haben“, erklärte Khedira, der sich bei zahlreichen Weggefährten ausführlich bedankte: „Der Fußball hat mir unheimlich viel gegeben, ein privilegiertes Leben. Aber bevor Schluss ist, will ich am Samstag mit Hertha in Hoffenheim noch einmal siegen.“