Es war ja schon so etwas wie ein direkter Hinweis auf den neuen Trainer von Hertha BSC, als der Bundesligist aus dem Westend auf seiner Homepage ein Interview mit dem früheren Hertha-Stürmer Andriy Voronin veröffentlichte. Darin lobte der Ukrainer Sandro Schwarz, dessen Assistenztrainer er bis zum Kriegsbeginn bei Dynamo Moskau war, in den höchsten Tönen: „Er beschäftigt sich 24 Stunden am Tag nur mit Fußball. So was habe ich bisher nicht gesehen. Sandro möchte immer das Beste aus seiner Mannschaft rausholen. Wir waren sehr erfolgreich und haben viele Spiele gewonnen, doch er wollte immer weiter und immer mehr.“ Nun gab Hertha BSC am Donnerstagmorgen bekannt: Sandro Schwarz, 43, hat einen Vertrag als Cheftrainer des Gerade-noch-mal-so-Erstligisten bis 2024 unterschrieben.

Schwarz kommt vom FK Dynamo Moskau, wo er noch am vergangenen Sonntag im Pokalfinale gegen Spartak Moskau an der Seitenlinie stand – und mit seinem Team 1:2 unterlag. Danach gab er bekannt, seinen Vertrag mit den russischen Klub aufgelöst zu haben, mit der er die Saison auf Rang drei der Liga abschloss.

„Bei der Suche nach einem neuen Trainer für Hertha BSC standen für mich neben den fachlichen Qualitäten auch Begeisterungsfähigkeit, Leidenschaft und Emotionalität im Blickpunkt. Das alles hat Sandro in seiner Zeit beim FSV Mainz 05 und auch bei Dynamo Moskau gezeigt“, wird Herthas Sportchef Fredi Bobic in einer Pressemitteilung des Klubs zitiert. „Er kann mit seiner Persönlichkeit und der aktiven und vorwärts gewandten Art Fußball spielen zu lassen, eine Bindung zwischen grünem Rasen und dem Umfeld schaffen. Das ist das, was wir bei Hertha BSC brauchen.“

Schwarz war von Juli 2017 bis November 2019 Cheftrainer beim 1. FSV Mainz 05. Dort hatte er Jürgen Klopp zuerst als Mitspieler und dann als Cheftrainer erlebt. Er lege großen Wert darauf, Analysen seiner Arbeit sehr detailliert zu vermitteln und die Dinge immer klar und deutlich anzusprechen, sagte Schwarz einmal. Er hatte schon seit einigen Wochen als Favorit auf die Nachfolge von Herthas Erstliga-Retter Felix Magath gegolten: „Ich habe mit Fredi Bobic einige sehr gute und intensive Gespräche geführt. In aller Offenheit und Klarheit, die es braucht“, sagte Schwarz. „Ich habe große Lust darauf, den Neustart bei Hertha BSC mitzugestalten. Der Verein hat eine schwierige Zeit hinter sich. Das mit Arbeit, Freude und viel Energie zum Positiven zu wandeln, darauf freue ich mich jetzt total.“

Offenbar hatte manch einer bei Hertha befürchtet, Schwarz könne wegen seines Verbleibs in Moskau, wo er mit seiner Frau Katarina und den Kindern Frida und Carlo im Oktober 2020 hingezogen war, auf Kritik stoßen. Das war dann auch leise bei einigen Fans der Fall. Wer hätte da besser für einen guten Leumund sorgen können als der Ukrainer Voronin? Der fand: „Als Mensch und als Trainer hat Sandro alles richtig gemacht. Er hat gezeigt, dass es für ihn nicht nur um das Sportliche oder ums Geld ging, sondern darum, die Menschen vor Ort nicht im Stich zu lassen. Das zeichnet ihn aus.“

Bringt Schwarz Spielmacher Szymanski nach Berlin mit?

Bindungen, die gut funktionieren, gibt Schwarz offenbar nicht so einfach auf. Er selbst charakterisierte sich schon zu seiner Mainzer Zeit in einem Interview als sehr kommunikativ. „Für mich ist es wichtig, dass ich eine Bindung herstelle zu meinen Spielern und zum gesamten Staff“, sagte er damals. Das würde dafür sprechen, dass er nicht der einzige ist, der von Dynamo Moskau zu Hertha BSC wechselt. Es könnte jedenfalls gut sein, dass der neue Coach auch gleich seinen dortigen Spielmacher, den Polen Sebastian Szymanski, nach Berlin mitbringt. Polens Nationalcoach Czesław Michniewicz verriet laut dem polnischen Internetportal Weszlo auf einer Pressekonferenz nämlich: die Berliner hätten Interesse an Szymanski bekundet. Laut Michniewicz war der 23 Jahre alte Nationalspieler bei Dynamo der Lieblingsspieler von Sandro Schwarz. Seinen Abschied aus Moskau hat auch Szymanski in den sozialen Medien jedenfalls schon bekannt gegeben.