Packende Schlussphase: Ausgerechnet Kanga sichert Hertha den Sieg gegen Schalke

Mit seinem ersten Saisontor, dem späten Treffer zum 2:1, beschert der Berliner Stürmer den Blau-Weißen den ersten Heimsieg.   

Endlich mal Matchwinner für Hertha BSC: Wilfried Kanga
Endlich mal Matchwinner für Hertha BSC: Wilfried Kangadpa/Stache

Im Verlauf einer Saison gibt es sogenannte Schlüsselspiele, also Spiele, die wesentlichen Einfluss auf den weiteren Verlauf der Spielzeit haben. Davon ist man in der Branche überzeugt, wenngleich sich das im Nachhinein einfacher beurteilen lässt als unmittelbar nach dem Ende eines solchen Schlüsselspiels. Es ist jedenfalls so, dass sich der Bundesligist Hertha BSC am späten Sonntagnachmittag vor heimischem Publikum im Duell mit dem FC Schalke 04 den erhofften Befreiungsschlag verschafft hat, durch ein spätes Tor von Wilfried Kanga 2:1 siegte und mit nunmehr elf Punkten Anschluss an das Mittelfeld der Liga gewonnen hat. 

Labbadia sagt Schalke ab

Von Anpfiff an sah das nicht unbedingt nach dem Duell zweier Mannschaften aus dem unteren Tabellendrittel aus. Die Kulisse war prächtig, zudem gingen beide Teams dem Tabellenbild zum Trotz weitgehend unverkrampft zu Werke. Die Herthaner womöglich, weil sie durch die Auftritte in den vergangenen Wochen zwar nicht allzu viele Punkte, aber allerlei Selbstvertrauen gesammelt hatten. Die Schalker womöglich, weil so ein Trainerwechsel ja gern mal eine befreiende Wirkung hat. Wobei ja noch nicht mal feststeht, wer den überforderten Frank Kramer als Chefcoach beerben soll, Ex-Hertha Coach Bruno Labbadia und der Österreicher Christian Ilzer sollen den Knappen schon mal eine Absage erteilt haben. Im Olympiastadion hatte noch Interimstrainer Matthias Kreutzer das Sagen.

Es ging also vor über 60.000 Zuschauern munter hin und her. Die Gäste jubelten nach einer Viertelstunde schon mal über die Führung, weil Marius Bülter eine Flanke von Mehmet Can Aydin mit einem Volleyschuss auf grandiose Weise verwertet hatte. In einer Szene unmittelbar zuvor hatte sich der ehemalige Unioner aber im Abseits bewegt, was Schiedsrichter Martin Petersen nach Sichtung des Videomaterials schließlich zu einer Annullierung des Treffers veranlasste. Vier Minuten später traf Bülter per schnödem Abstauber, aber auch hier sah sich der Referee unter Zuhilfenahme des VAR zu einer Intervention gezwungen. 

Jovetic vergibt im Stile eines Anfängers

Und die Hertha? Die gewann allmählich Kontrolle über die Partie, erspielte sich aber bis zur Halbzeit bei einer Ballbesitzquote von 60:40 im Endeffekt nur eine zwingende Torchance. Dank Dodi Lukebakio, der in der 26. Minute nach einem Tempodribbling über den halben Platz mit einer blitzsauberen Vorarbeit seinen Sturmkollegen Stevan Jovetic quasi zum erfolgreichen Abschluss zwingen wollte. Der Montenegriner verschluderte die Chance allerdings im Stile eines Anfängers. 

Das war Coach Schwarz zu wenig. Er brachte mit Wiederanpfiff Marco Richter für den fahrigen Chidera Ejuke, mit dem Auftrag, die linke Angriffsseite zu beleben. Mit dem Führungstreffer, den die Gastgeber in der 49. Minute erzielten, hatte Richter tatsächlich aber nur am Rande etwas zu tun.

Richter jagt den Ball Richtung Ostkurve

Im Mittelpunkt stand dabei vielmehr der Ex-Herthaner Alexander Schwolow, der bei einem Schuss von Lucas Tousart aus etwa 20 Metern an sich freie Sicht hatte, sich aber zu einer seltsamen Parade verbog und am Boden liegend den Ball über seine Fäuste gleiten ließ. Es war nicht der erste schwerwiegende Patzer von Schwolow in dieser Saison. Und so sollte es nicht wundern, wenn Schalke in der kommenden Woche nicht nur einen neuen Trainer, sondern eine neue Nummer eins hat.

In der Folge kamen die Herthaner zu mehreren guten Kontergelegenheiten, auch zu weiteren Chancen. Doch Richter war in der 70. Minute zu eigensinnig, als er nicht auf Jovetic ablegte, sondern aus spitzem Winkel selbst den Abschluss suchte und dabei den Ball Richtung Ostkurve jagte. Lukebakio traf bei einem Konter in der 80. Minute in einer 3-gegen-2-Situation die falsche Entscheidung.

Nur deshalb kam es zu einer Schlussphase, die als packend bezeichnet werden darf. Denn zunächst traf Schalke zum Ausgleich und durfte für ein paar Minuten auf ein Happy End hoffen, wobei Sebastian Polter die Vorarbeit und Florent Mollet die Feinarbeit übernommen hatte (85.). Aber Wilfried Kanga hatte etwas gegen diese Option, nahm bei einem Angriff in der 90. Minute Tempo auf und vollendete zum 2:1 für die Hertha. Es war sein erster Treffer für die Berliner überhaupt.