Wie es aussieht, hat sich die Zahl der Präsidentschaftskandidaten für Hertha BSC drastisch verringert: von fünf auf zwei. Außer Frank Steffel und Kay Bernstein tritt keiner mehr an. So jedenfalls sieht es Ingmar Pering am Dienstag zur Mittagszeit, als er sagt: „Gestern Abend hat Frank Steffel den entscheidenden Schachzug gemacht, die Leute zusammenzukriegen.“ Rechtsanwalt Pering, der seit 2007 im Hertha-Präsidium sitzt, hat seine Kandidatur als Präsident zurückgezogen. „Ich stelle mich stattdessen gerne als Vizepräsident zur Verfügung“, sagt der 56-Jährige. „Es muss Friede einkehren. Wir haben eine schwierige Saison vor uns.“ Wie er mitbekommen habe, sollen auch Marvin Brumme und Michael Baumgärtner inzwischen von ihren Präsidentschaftsbewerbungen absehen.

Was es für diesen Move brauchte? Die Politiker-Erfahrung des früheren CDU-Bundestagsabgeordneten Frank Steffel, 56, der ja darauf besteht, am Sonntag bei Herthas außerordentlicher Mitgliederversammlung nicht als Politiker anzutreten – sowie lange Gespräche am Montagabend in einer Berliner Anwaltskanzlei, die bei noch längeren Gesprächen in einer Gaststätte am Tauentzien fortgeführt wurden.

Ingmar Pering unterstützt jetzt Frank Steffel

Am Ende stand die Hinterzimmer-Koalition: Der Immobilienunternehmer und CDU-Politiker Peer Mock-Stümer, der mit Pering im Tandem als Vizepräsident antreten wollte, gibt dieses Vorhaben auf – und will nun doch einfaches Präsidiumsmitglied bleiben. Lutz Kirchhof, der sich als Leiter von Herthas Amateur-Fußballabteilung als Vizepräsident zur Wahl stellen wollte, tut das nun auch nicht mehr, sondern tritt am Sonntag für einen Posten als Beisitzer an. Beide wollen Pering als Vizepräsident unterstützen. „Alle drei erklären ihre Unterstützung für die Kandidatur von Frank Steffel für das Amt des Präsidenten von Hertha BSC“, teilt Pering mit. „Wir haben lange zusammengesessen und Punkte ausgetauscht, dadurch ist dieser gute Konsens zusammengekommen, ohne dass einer gram ist.“

Pering hatte am Montag vor einer Woche noch ganz anders geklungen, als Steffels Präsidentschaftskandidatur nur wenige Stunden nach seiner eigenen publik wurde. „Jetzt ist nicht die Zeit, dass sich irgendwelche Leute profilieren, sondern dass Hertha in gesünderes Fahrwasser kommt – angeführt von Leuten, die auch die Stellschrauben kennen“, sagte Pering da.

Zu diesem Zeitpunkt hatte nur Bernstein, 41, Chef einer Marketing- und Eventagentur aus Neukölln und früherer Hertha-Ultra seine Kandidatur bekannt gegeben. Dem hatte Steffel zuerst Avancen gemacht, bei der Wahl einen gemeinsamen Weg zu gehen, um eine Kampfkandidatur zu vermeiden. Er war am Sonntag sogar Bernsteins Einladung auf dessen Eventgelände Bergius 33 gefolgt, wo die Fan-Initiative Wir Herthaner jedem, der mitarbeiten wollte, Workshops zur künftigen Ausrichtung, zu Herthas Perspektiven und zu einem Kulturwandel anbot.

Schon am Sonntag hatte Bernstein abgelehnt, den Weg für Steffel frei zu machen. Weshalb auch? Schon am Sonntag hatte Bernstein auch gesagt: „Die Mitglieder entscheiden. Steffel oder Bernstein. Politiker oder Herthaner? Handel oder Wandel?“ Nun hat der Handel um Posten und Positionen schon vor der Wahl begonnen – mit Pering, der wohl auch ein paar Wähler mitbringen wird.

Kay Bernstein sieht die Allianz als Wertschätzung

Bernstein, an dessen Kandidatur sich Präsidiumsmitglied Fabian Drescher für das Vize-Amt angeschlossen hat, sieht die Sache entspannt. Er habe gerade ein Telefonat mit einem zukünftigen Sponsor beendet, der Hertha für den Fall, dass er Präsident werde, unterstützen will, sagt er. Bernstein beurteilt die Steffel-Allianz als „Wertschätzung unserer inhaltlichen Arbeit. Denn eigentlich verbünden sich jetzt alle, die keinen inhaltlichen Neustart wollen.“ Er fragt sich, wie die Unentschlossenen diesen Steffel-Move deuten. „Ich hoffe, dass das Echte, das Gute siegt. Es wäre Hertha zu wünschen“, sagt Bernstein.

Und Pering? Weshalb klingt sein Urteil über Steffel fünf Tage vor der Wahl so anders als eine Woche zuvor? „Ich bin der Meinung, dass Steffel die besten Fortschritte gemacht hat. Und wenn einer schon so viel geschafft hat, sollten wir alle das Ergebnis mitnehmen“, antwortet Pering. Was hat Steffel bisher genau geschafft? „Alle Kandidaten vereint“, sagt Pering. Das stimmt. Bis auf einen.