Berlin - Wenn nur noch dunkle Wolken über einem ziehen, werden kleine Sonnenstrahlen, die aufblitzen, zu echten Glücksmomenten. Bei Hertha BSC ist der Himmel gerade zwischen dunkelgrau und schwarz. Die Lage des Hauptstadtklubs in der Bundesliga ist „maximal unbefriedigend“, wie es der neue Vorstandsboss Christian Schmidt kurz vor dem Weihnachtsfest ausdrückte. Der Grund: Platz 14 mit 13 Punkten nach 13 Spielen und zwei herbe Rückschläge bei dem 0:0 gegen Mainz und dem 1:4 in Freiburg. So gingen die Blau-Weißen in die einwöchige Winterpause. Montag begann wieder die Betriebsamkeit bei Hertha und es gab am Mittag die erste positive Nachricht aus der Hanns-Braun-Straße.

Neuer Trikotsponsor gefunden

Nach einem halben Jahr Suche hat Hertha einen neuen Trikotsponsor gefunden. Es ist die Maklerfirma Homeday. Da war der kleine erste Sonnenstrahl. Dass Lokalkonkurrent 1. FC Union mit Aroundtown auch ein Unternehmen aus der Immobilienbranche auf der Brust hat, ist dabei eine süffisante Randnotiz. Was interessanter ist: Homeday wird nur bis zum Saisonende der Hauptsponsor sein. Danach wird das Start-up-Unternehmen nur noch kleinerer Exklusivpartner des Klubs bis 2024 sein. Immerhin kassieren die Blau-Weißen für das Gesamtpaket knappe 7 Millionen Euro. Es bleibt nur eine Übergangslösung. Denn im Sommer beginnt die Suche nach einem Hauptsponsor erneut. Potente Geldgeber in Corona-Zeiten zu finden, bleibt schwierig. Es wird noch komplizierter, wenn gerade der sportliche Erfolg nicht da ist.

Der muss sich aber ziemlich zügig einstellen – am besten mit einem überzeugenden Sieg am Sonnabend um 18.30 Uhr gegen den Tabellenletzten Schalke 04. Und die Hoffnung, dass es besser schon bald auf dem Rasen läuft, wuchs am Nachmittag beim Training. Stürmer Jhon Cordoba konnte die volle Einheit mit dem Team nach seiner Knöchelverletzung und siebenwöchiger Pause wieder mitmachen. „Jhon hat richtig Lust. Er strotzt vor Tatendrang. Er scheint soweit wieder fit zu sein. Jetzt warten wir die nächsten Tage ab, wie sein Körper das Training wegsteckt“, war Bruno Labbadia froh. Die Laune des Coachs wuchs noch mehr, als der 27-jährige  Kolumbianer nach dem Training sogar noch eine Extra-Schicht einlegte und Flanken in Serie einköpfte. Ein Comeback könnte schon gegen Schalke klappen. Es ist kein Geheimnis, dass der Trainer lieber Cordoba als Ersatzmann Krzysztof Piatek stürmen lässt. Da war der zweite Sonnenstrahl.

Fragezeichen hinter Cunha

Doch der wurde ganz schnell wieder von Wolken bedeckt. Denn Kapitän und Abwehrchef Dedryck Boyata muss wegen einer Knöchelverletzung eine Woche pausieren und fällt gegen Schalke aus. „Dedryck hatte sich die Verletzung beim Mainz-Spiel zugezogen, aber er wollte in Freiburg dabei sein. Da hat er auch kaum Schmerzen gespürt. Wir dachten, dass die eine Woche über die Feiertage zum Erholen reicht. Hat sie aber leider nicht.“ Omar Alderete und Niklas Stark sind jetzt die Alternativen in der Innenverteidigung.

Ein Fragezeichen anderer Art ist der Einsatz von Matheus Cunha, 21, den Labbadia in Freiburg zur Halbzeit auswechselte und danach hart kritisierte, weil er als Ich-AG auf dem Platz wandelte. Labbadia hat bei dem 21-jährigen Brasilianer immer Redebedarf: „Wir setzen uns permanent mit Matheus – aber nicht nur mit ihm – auseinander. Auf der einen Seite ist er ein wichtiger Spieler, auf der anderen ein junger Spieler mit Up und Downs. Das ist eine Sache des Gefühls des Trainers, wie man die Spieler justiert, wie man sie anpackt.“

Dann betont der Coach noch mal: „Eines ist hier klar:  Keiner kann sich über die Mannschaft stellen.“ Sicher kann sich Cunha nicht sein, dass er gegen Schalke spielt. Wenn doch, scheint auch für ihn wieder die Sonne – wenigstens ein bisschen.