Berlin-Westend - Das aus jeglicher Sicht ernüchternde Berliner Derby ist abgehakt, Hertha BSC will gegen Borussia Mönchengladbach (Sonnabend, 15.30 Uhr) wieder zurück in die Spur. Für drei wichtige Punkte im Abstiegskampf muss vor allem wieder Ordnung ins blau-weiße Spiel. Aber wie stoppt man die Anarchie einiger Spieler auf dem Platz? „Ich habe mit der Defensive und der Offensive separat gesprochen“, berichtete Cheftrainer Pal Dardai von der intensiven Aufarbeitung des Derbys gegen den 1. FC Union.

Dass er mit seiner Mannschaft in den Dialog treten wollte, hatte der Ungar bereits angekündigt, nachdem seine Spieler in Köpenick kaum etwas von dem umsetzten, was Dardai mit seinem Trainerteam als Matchplan vorgegeben hatte. „Das war eine ehrliche Diskussion“, erklärte Dardai und schob hinterher. „Wir haben Meinungen ausgetauscht. Die Jungs waren sehr selbstkritisch.“

Bereits Bruno Labbadia verzweifelte 

Dabei zeigte Dardai den Berliner Profis auch viele Video-Sequenzen, die offenbarten, was bei den Eisernen alles schieflief. Dass er dabei laut wurde, bestritt Dardai erst gar nicht. „Das muss sein. Mal netter, mal im harten Ton. Jeder kennt mich mittlerweile“, sagte der Cheftrainer und erklärte: „Wir wollen uns verbessern.“

Wir können ausbilden. Aber die Kabine bildet dich weiter. Das fehlt uns.

Hertha-Trainer Pal Dardai

Das ist auch gegen Mönchengladbach nötig, das nach heftiger Krise zuletzt zweimal in Folger wieder Siege einfuhr. Statt der gezeigten Anarchie an der Wuhle müssen sich die Herthaner wieder an Dardais taktische Vorgaben halten: aggressives Pressing, schnörkellose Spieleröffnung und vernünftige Raumaufteilung statt Disziplinlosigkeiten, die bereits seinen Vorgänger Bruno Labbadia erst zur Weißglut trieben – und dann den Job kosteten.

Kalou und Ibisevic fehlen weiter

Auch Dardai haderte bereits, nimmt seine Spieler aber vor den entscheidenden sechs Wochen im Abstiegskampf in Schutz. „Man darf nicht vergessen“, mahnte er, „dass das eine junge Mannschaft ist. Die meisten sind 20, 22, 23 Jahre alt“. Der entscheidende Punkt seien die fehlenden Routiniers im Team. Zwar hat Hertha mit Sami Khedira, der gegen die Fohlen notfalls auch mit einem Bein spielen soll, jede Menge Erfahrung geholt, aber Spieler wie Salomon Kalou und Vedad Ibisevic würden dennoch fehlen. „Wir können ausbilden. Aber die Kabine bildet dich weiter. Das fehlt uns“, erklärte Dardai prägnant.

Um das Anführer-Vakuum zu lösen und die Anarchie auf dem Platz zu beenden, setzt Dardai auf seine ganz eigene Kabinen-Magie. „Ich probiere deswegen, manchmal wie ein Spieler mit ihnen zu reden. Vielleicht ist das schmerzhaft. Aber es ist nicht meine Absicht, jemanden zu beleidigen.“

Wie Dardais deutliche Worte bei der Mannschaft ankamen? „Sie hatten strahlende Augen, als sie rausgegangen sind“, erklärte Dardai und lachte: „Ich kann viel reden. Ob es funktioniert, werden wir am Wochenende sehen.“