Berlin Bruno Labbadia kennt sich mit langen Karrieren aus. Bis ins hohe Profi-Alter von 37 Jahren schnürte Herthas Cheftrainer seinerzeit seine Fußballschuhe. „Dadurch, dass ich nie schnell war“, sagt er scherzhaft, „konnte ich auch im Alter nichts einbüßen“. An der Fitness soll es aber nicht gelegen haben. Vielmehr entschied sich der heute 54-Jährige bewusst für ein Ende seiner aktiven Laufbahn. „Ich wollte eine neue Karriere anfangen. Ursprünglich als Manager“, erinnert sich Labbadia. Doch dann verschob sich das Interesse hin zum Trainerberuf. „Ich hatte einfach Bock, meine Ideen auf eine Mannschaft zu übertragen“, erklärt er. Der springende Punkt sei, was man selbst will.

Insofern stehen die Chancen für Peter Pekarik gut, noch ein paar Jahre am Ball zu bleiben. Denn an der Motivation des mittlerweile 34-jährigen Rechtsverteidigers, seit 2012 im Klub, und damit dienstältester Herthaner, wird es sicherlich nicht scheitern. „Ich möchte so viele Spiele wie möglich für Hertha machen, um mich damit weiter für das Nationalteam zu empfehlen“, formulierte er im Frühjahr seine Ziele. Nachdem sein erster Traum mit einem neuen Einjahresvertrag bei den Berlinern Ende Juni in Erfüllung ging, brennt er darauf, dass noch zwei weitere Herzensangelegenheiten wahr werden: die Teilnahme an der auf 2021 verschobenen Europameisterschaft und das Erreichen der Meilenstein-Marke von 100 Länderspielen.

Weil durch die Corona-Zwangspause das paneuropäische Turnier auf das kommende Jahr und die dazugehörigen Play-off-Spiele um die letzten Plätze von März auf November verschoben wurden, wurde Pekariks Traum zur Hängepartie. Jetzt steht er zusammen mit seinen Landsleuten vor dem großen Wurf: Setzt sich die Slowakei im entscheidenden K.-o.-Spiel am Donnerstag im Windsor Park in Belfast gegen Nordirland durch, nimmt Pekarik nach der Weltmeister 2010 und der EM 2016 an seinem dritten großen Turnier teil.

Vorbild für die Jugend

Vorausgesetzt der 93-fache Nationalspieler bleibt gesund. In der Vergangenheit machte ihm immer wieder sein Körper einen Strich durch die Rechnung. Die Zeit bei Hertha BSC schien spätestens diesen Sommer vorbei zu sein, die EM war in Gefahr, sogar ein Karriereende war nicht ausgeschlossen. Bis Labbadia die Blau-Weißen an Ostern übernahm. „Es ist gut und ich bin froh, dass wir ihn haben“, sagt Labbadia. Dass Pekarik unter ihm fast durchgehend in der Startelf stand und die weitaus jüngeren Alternativen Deyo Zeefuik, 22, und Lukas Klünter, 24 bisher das Nachsehen haben, hat gute Gründe. Zu seiner Erfahrung, seinem taktischen Verständnis und seiner Lernwilligkeit komme hinzu, „dass kein Tag vergeht, an dem ich von meinem Trainerbüro durch den Kraftraum gehe, und Peka nicht da ist“, erzählt Labbadia und ergänzt: „Egal ob vor, im, oder nach dem Training. Er gibt immer 100 Prozent.“

Von Pekariks Akribie für seinen Beruf könnten sich viele, insbesondere junge Fußballer, etwas abgucken. „Ein besseres Vorbild gibt es nicht. Er ist unfassbar professionell “, lobt Labbadia. Entsprechend kann sich Herthas Cheftrainer durchaus vorstellen, noch ein weiteres Jahr mit ihm zusammenzuarbeiten. Pekarik sei nämlich wie ein guter Wein. „So wie er jeden Tag arbeitet, sehe ich bei ihm gar kein Ende. Man merkt, dass seine Routine und sein Spielverständnis eher immer besser werden“, erklärt Labbadia und sagt über eine mögliche Vertragsverlängerung: „Wir wissen, was wir an ihm haben. Und er weiß, was er an Hertha hat.“ Löst die Slowakei das EM-Ticket, sollten die Blau-Weißen die Gespräche nächstes Jahr allerdings vor Juni klären. Denn, wer lässt schon gerne einen EM-Fahrer ziehen?