Berlin - Andreas Neuendorf war immer ein einfallsreicher Freigeist unter den Fußballprofis. Er malte 2002 zwei Bilder, um als Künstler offiziell anerkannt zu werden und so die DFB-Statuten mit Humor auszutricksen. So konnte er seinen Spitznamen „Zecke“ auf das Trikot von Hertha BSC beflocken lassen. Zecke war und ist immer Publikumsliebling gewesen, weil er mit Spaß und Witz seine Arbeit als Spieler machte und immer einen lockeren Spruch parat hatte. Jetzt ist er 46 Jahre alt und Co-Trainer bei seinem Klub. Er hat über Jahre als Cheftrainer bei den Nachwuchsmannschaften gelernt, ernsthafter zu sein. Den Witzbold hat er schon lange abgelegt.

Zeckes erster Auftritt in einer Fragerunde

Doch manchmal blitzt er doch für einen Moment durch. So auch bei der Bild-Telefonkonferenz mit den Journalisten. Er setzt sich vor die Kamera, streichelt seine Haare mit den Händen glatt und fragt: „Gut so? Ich bin doch vor der Kamera, da muss ich doch ordentlich aussehen.“ Für Zecke ist es der erste Auftritt, weil er sich seit Ende Januar im Hintergrund hinter Cheftrainer Pal Dardai aufhielt. Doch vor dem Derby am Ostersonntag gegen den 1. FC Union muss das personifizierte Hertha-Gefühl doch etwas sagen. Bevor es dazu kommt, redet er erst mal über seinen neuen Boss.

„Pal ist Pal. Wir sind seit Jahren Freunde. Er spricht alles brutal ehrlich aus. Das kann auch mal wehtun“, erklärt er und geht dann auf seine Rolle als Assistent ein: „Als Pal den Job wieder übernommen hat, hat er gesagt: Du kommst jetzt mit mir zu den Profis. Ich bin zum richtigen Zeit am richtigen Ort. Darüber bin ich froh. Ich bin ein Lernender. Ich darf auch mal laut werden. Ohne das vorher abzustimmen. Aber wir arbeiten hier im Trainerteam zusammen.“

Dabei verrät er, dass er für seinen großen Trainerschein paukt: „Ich mache gerade die Fußballlehrerlizenz. Im Sommer habe ich sie dann. Die hätte man mir vor zehn Jahren wohl noch nicht zugetraut“, sagt er mit einer Mischung aus Stolz und kritischer Selbstreflexion. Tipps für die Ausbildung hat er sich vorher schon von Sebastian Bönig, dem Co-Trainer des 1. FC Union, geholt: „Wir kennen uns, haben zwei, drei gemeinsame Freunde. Als er seinen Trainerschein gemacht hat, habe ich ihn gefragt, was man so alles tun muss.“ Zecke will damit sagen, dass es zwar eine Rivalität zwischen den Vereinen gibt, aber bestimmt keine Feindschaft.

Trotzdem frotzelt er ein bisschen: „Böni hat den Fehler gemacht, dass er irgendwann an der falschen Ecke abgebogen ist und an Blau-Weiß vorbeigeschrammt ist. Und jetzt Rot-Weiß ist.“ Auch Robert Andrich kennt Zecke und macht auch einen Spaß: „Mit Rob habe ich noch in unserer U23 zusammengespielt. Wir unterhalten uns oft. Unter uns: Eigentlich ist er noch ein heimlicher Hertha-Fan.“ Nette Nickligkeiten, doch dann wird Neuendorf ernst: „Die Köpenicker haben den Klassenerhalt sicher, wir nicht. Wir müssen hier kleine Brötchen backen. Wir können nicht durch die Stadt laufen und sagen: Wir sind die Nummer eins. Wir stehen mit dem Rücken zur Wand. In unserer Situation ist es egal, ob der Gegner Rot, Grün oder sonst eine Farbe hat. Wir brauchen Punkte.“

Gemeinsam mit Pal Dardai auf Rettungsmission

Er und Dardai sind auf Rettungsmission, damit der Abstieg, trotz Millionen-Investitionen in neue Spieler, verhindert wird. Der Schlüssel dafür ist Teamgeist. „Jeder neue Spieler ist mit seiner eigenen Story hierhergekommen. Doch viele waren erst mal mit sich selbst beschäftigt und nicht mit der Mannschaft. Es war wie beim Tetris, da haben einige Teile nicht zusammengepasst und es wurde vergessen, die Teile anzupassen. Wir sind jetzt in dem Prozess, dass die Mannschaft wirklich zusammenwächst. Woche für Woche. Wenn wir das nicht tun, haben wir Probleme.“

So sieht er die Ausgangslage auch vor dem Stadtduell und sagt:  „Wenn Union einen schlechten Tag erwischt und wir als Team auftreten, haben wir drei Punkte mehr und ich einen ruhigen Schlaf am Sonntagabend.“