Ronny, so war zu erfahren, habe seine Probleme, leichte Schmerzen in der Kniekehle, überwunden. Der 26-Jährige konnte bei den beiden Trainingseinheiten am Wochenende, die auf dem Schenckendorffplatz unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfanden, alle Übungen absolvieren. Natürlich steht der Brasilianer deshalb im 18er-Aufgebot von Hertha BSC für das Spitzenspiel der Zweiten Bundesliga gegen Eintracht Braunschweig.

Am Montagabend (20.15 Uhr, Olympiastadion, live auf Sky und Sport 1) empfängt Tabellenführer Hertha (59 Punkte) den Zweitplatzierten aus Braunschweig (58). Gut 55 000 Zuschauer werden erwartet, allein aus Braunschweig wollen 8000 Fans das Duell erleben.

In Ronny und Dominick Kumbela treffen dabei zwei der besten Scorer der Liga aufeinander. Herthas Mittelfeldmann führt diese spezielle Rangliste der Vielseitigen mit 14 Toren und 12 Assists an, der Braunschweiger Stürmer Kumbela liegt mit 17 Treffern und drei Vorlagen auf Rang drei. Nach dem Duell der Verfolger 1. FC Kaiserslautern gegen den 1. FC Köln (3:0) vom Freitagabend hat sich in Lauterns Torjäger Mohamadou Idrissou ein weiterer Angreifer zwischen Ronny und Kumbela geschoben. Seine starke Bilanz: 14 Tore und 7 Assists.

Vergebliches Werben

Ronny aber, so berichtete Herthas Trainer Jos Luhukay, plagen schon seit etwa fünf, sechs Wochen immer mal wieder Probleme in der Kniekehle. Diese aber sind durch die Physiotherapeuten beherrschbar. Ganz anders sieht die Geschichte des nun schon Wochen andauernden Pokers um den neuen Vertrag des Brasilianers aus, der sich den Wünschen von Luhukay und Manager Michael Preetz zum Trotz bislang kein Bekenntnis zu Hertha abringen konnte. Im Gegenteil.

Ausgerechnet vor dem Spitzenspiel, in dem Hertha BSC mit einem Sieg dem Aufstieg ganz nahe kommen könnte, meldete sich Ronnys langjähriger Berater Dino Lamberti aus Zürich via Bildzeitung zu Wort und brachte Unruhe ins Transfergerangel. Lamberti: „Stand jetzt, wird Ronny Hertha verlassen.“ Laut dem umtriebigen Mann, der im Sommer vorigen Jahres Ronnys älteren Bruder Raffael von Berlin zu Dynamo Kiew gebracht hatte (für rund zehn Millionen Euro Ablöse), seien die Verhandlungen vorerst gescheitert. Er und sein Klient Ronny seien Hertha schon weit entgegen gekommen. „Weiter geht es nicht“, wird Lamberti zitiert.

Fakt ist: Hertha BSC hat Ronny ein lukratives Angebot über drei Jahre unterbreitet. Sein Grundgehalt soll geschätzte eine Million Euro betragen, dazu kämen satte Erfolgs- und Einsatzprämien. Zudem wirbt Preetz mit einem intakten Umfeld, in dem Ronny einen hohen Stellenwert besitzt und mit Trainer Luhukay, der Ronny als erster Berliner Coach in ein Leistungshoch führen konnte. Das war weder Markus Babbel noch Otto Rehhagel gelungen.

Faires Angebot nicht gut genug

Und: Hertha bewies in Zeiten, als der oft übergewichtige Profi nur eine Nebenrolle spielte, viel Geduld und ließ ihn nicht fallen. Preetz will und kann eine bestimmte finanzielle Schmerzgrenze nicht überschreiten. Auch, weil Ronny in seinen ersten beiden Jahren den Nachweis seiner Klasse nicht erbringen konnte. Zwei Treffer in der Zweiten Liga 2010/2011 folgten in der Ersten Liga bei lediglich zehn Einsätzen null Treffer und null Vorlagen.

Offenbar aber ist Ronny das faire Berliner Angebot nicht gut genug. Immer wieder werden angebliche Offerten anderer Interessenten gestreut, vornehmlich natürlich durch den Berater. Wahlweise werden Schalke, Mönchengladbach, Leverkusen ins Feld geführt. Wie groß der Wahrheitsgehalt ist, wird sich bald zeigen. Fakt ist allerdings, dass die Scheichs vom Al-Ahli Club Dubai ein Millionenangebot hinterlegt haben, von dem Hertha nichts hätte, weil Ronny ablösefrei auf dem Markt ist. „Das ist das höchste Angebot“, sagte Dino Lamberti gestern dieser Zeitung. Der Brasilianer Grafite, einst beim VfL Wolfsburg am Ball, kassiert dort seit 2011 seine Millionen.

Gestern wurde Ronnys Berater gegenüber dieser Zeitung etwas konkreter. „In einigen Punkten waren wir uns mit Hertha einig, aber bei einigen anderen Punkten gab es keine Annäherung. Wir wollten nicht oder Hertha wollte nicht. Die Fronten sind verhärtet.“

4,5 Millionen von der Bahn

Noch laufen aber wohl die Telefonate zwischen Zürich und Berlin. Neue Bewegung im harten Poker scheint immer möglich. Dubai will Lamberti jedenfalls absagen, gibt er vor, denn eigentlich ist Ronny mit seinen 26 Jahren zu jung für das hoch dotierte Gekicke in der Wüste.

„Stand heute“, sagte Lamberti der Berliner Zeitung am Sonntagnachmittag, „werden wir nächste Woche bei einem anderen Bundesligisten einen Vertrag unterschreiben, wenn sich Hertha nicht doch noch bewegt.“ Es soll sich um einen Verein handeln, der international spielen wird. „Zu 95 Prozent wird es so kommen.“

Sollte der Held dieser Spielzeit Berlin tatsächlich verlassen, scheint Hertha BSC zumindest finanziell gewappnet zu sein, um adäquaten Ersatz zu finden. Heute wird noch vor dem Spiel gegen Braunschweig der Kontrakt mit dem Hauptsponsor Deutsche Bahn verlängert – im Bahntower am Potsdamer Platz. Beide Partner arbeiten seit 2006 zusammen und der Vertrag soll bis 2015 erweitert werden. Es heißt, er spült Hertha BSC pro Saison rund 4,5 Millionen Euro in die Kasse.