Hertha gegen Ingolstadt: Heimsieg hatte kaum Höhepünktchen

Die Arme schlaff hinter dem Rücken verschränkt oder stramm vor den Bauch gespannt, immer wieder in die Luft gestreckt, eigentlich geschleudert, mal beide, mal einzeln. Wegwerfgestik. Hinschmeißsymbolik. Körpersprache. Die Hände mehrmals zum Gebet gefaltet oder aufs Gesicht gelegt, es verbergend, sich versteckend. Die Zeigefinger hier und da in Spiellücken piksend, dem oder dem einen Laufweg zeigend.

Dazu kleine, wohl das Unwohlsein verlagernde Trippelschritte an der Kreidelinie, ein paar gemurmelte Flüche und Verwünschungen, kurze, scharfe Wortgefechte mit dem vierten Offiziellen. Was noch? Der Blick immer häufiger abgewandt vom Spielfeld, immer stechender Richtung Bank. Der Kopf am Ende meist gesenkt, gerührt und geschüttelt. Also noch mal hinsetzen, durchatmen – bis einundzwanzig, zweiundzwanzig, dreiundzwanzig zählen – und wieder aufstehen und wieder von vorn das Ganze. Sieht so ein entspannter Trainer aus?

Freudenschreie, Siegerfäuste und Freudenhüpfen

Als das Spiel nach 1+89+3 Minuten endlich vorbei war und Hertha BSC gegen den FC Ingolstadt mit einem zu null Toren gewonnen hatte, sprangen sie alle auf von ihren Sitzen: der Manager, der Masseur, der Teamarzt, die Auswechselspieler. Es folgten Freudenschreie, Siegerfäuste, und Assistenztrainer Rainer Widmayer hüpfte wie ein kleines Kind umher. Nur Pal Dardais Miene wollte sich nicht aufhellen. Abklatschen ja, lachen nein. Nicht mal lächeln. Sieht so ein zufriedener Chef aus?

Dieser Nachmittag ist schnell erzählt, weil er sich erst beeilte, einen frühen Höhepunkt zu schaffen, das Tor des Tages durch Genki Haraguchi fiel nach einer Minute und einer Sekunde, und einen dann dazu verführte, wegen Ereignislosigkeit abzuschweifen. Etwa, als der Wind ein paar Nebelschwaden herbeiwehte, ein Hauch von Barcelona war das, und hätte jemand eine riesige Zigarette durch das Marathontor geschoben, das Olympiastadion wäre einem Aschenbecher nicht unähnlich gewesen.

Oder stopp: Es muss vielleicht erwähnt werden, dass Hertha noch zwei Mal einen Schuss aufs Tor wagte in der ersten Halbzeit. Es war jeweils Peter Pekarik, und mit der Nennung seines Namens ist bereits die statistische Ungefährlichkeit dieser Versuche beziffert. In bald einhundert Ligaspielen für Hertha hat Pekarik genau null Mal getroffen.

Die zweite Halbzeit ließ sehr lange auf ein Höhepünktchen warten. Hertha kontrollierte zwar das Spiel, die Mannschaft stand sicher in der Defensive und war schnell geordnet nach Ballverlusten. Aber dieser Kontrolle ging das Risiko und das Tempo ab, das es braucht, um in Tornähe zu gelangen. „Es war wichtig zu gewinnen“, sagte Stürmer Salomon Kalou später. Zusatz: „Egal wie.“ Und Torwart Rune Jarstein hatte zu Recht beobachtet: „Das war kein Fußballspiel heute.“ Es blieb also genug Zeit, die Augen mit den Werbebanden zu rollen und über die vielen Sponsorenbotschaften nachzudenken. Und ein Gedicht daraus zu machen.

Wenn’s gut werden muss,

Abseits der Spur,

Widen your World,

Diese Zeit gehört dir.

Die erste Strophe passt zu Haraguchi, der das Spiel wide machen kann, zuletzt aber etwas abgekommen war von seiner Formspur. Dardai war sogar froh, dass der Torschütze sich leicht verletzt hatte im Training. „Dadurch war er vorsichtiger und nicht so übermotiviert.“ Untermotivierten Spielern könne er in den Arsch treten, sagte Dardai, bei Übermotivation hilft nichts. Wahrscheinlich hilft es Haraguchi, wenn er endlich seinen neuen Vertrag unterschreibt.

Wir wollen weiter wachsen.

Einfach. Gesünder. Leben.

Entdecken Sie den perfekten Ort

für ihre Auszeit.

La Olalala!

Gesundes Wachstum ist das, was alle wollen in der Bundesliga. Zu den wichtigsten Wachstumsgedanken in Berlin zählt das Schrumpfen, also der Stadionneubau mit reduzierter Kapazität. Am Sonnabend waren 33 425 Zuschauer gekommen. Perfekt sind mehr als doppelt so viele. So reichte es nicht mal für eine normale La Ola.

Ein Akku – über 40 Geräte,

Engineered to perform better,

Perfekt für jede Anstoßzeit.

We try. We fail. We win.

Und sie haben ja gewonnen, und das ist wohl das Wichtigste für Dardai. Doch wird dem Trainer schon aufgefallen sein, dass sein von der Zehn auf die Sechs ummontierter Akkuspieler Vladimir Darida, der dazu in der Lage ist, auch die Kollegen mit Reststrom zu versorgen, schon mal besser performt hat. Auch dass Stürmer Vedad Ibisevic ein paar Ladehemmungen hat, ist offensichtlich. Aber Dardai ist keiner, der solche Beobachtungen publik macht. Er stellt sich lieber schützend vor seine Spieler und versucht alle anderen davon zu überzeugen, dass er ein entspannter und zufriedener Trainer ist.