Schwolow im Anflug auf Berlin.
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BerlinHerthas Nummer eins, der Norweger Rune Jarstein, 35, hat seit Dienstagnachmittag einen neuen Konkurrenten. Der Verein gab die bislang gut gehütete Verpflichtung von Keeper Alexander Schwolow bekannt. Der 1,90–Meter-Mann war viele Jahre die unumstrittene Nummer eins beim SC Freiburg , bestritt 125 Bundesligaspiele und avancierte zu einem der besten Keeper der Liga. Er soll Jarstein Konkurrenz machen und hat allemal das Zeug zur neuen Nummer eins. 

Der 28-Jährige, der auch vom FC Schalke heftig umworben wurde, war noch bis 2020 an den Sportclub gebunden, hatte allerdings eine Ausstiegsklausel, an die eine Ablösesumme in Höhe von acht Millionen Euro gebunden gewesen sein soll. In Berlin erhält er einen „langfristigen Vertrag“, wie der Hauptstadtklub am Dienstag auf eine etwas verschrobene Art und Weise mitteilte.

Man habe einen Torhüter verpflichten können, „der genau in unser Anforderungsprofil passt. Er ist mit seinen 28 Jahren erfahren und hat in den vergangenen Jahren gezeigt, auf welchem Niveau er in der Bundesliga spielen kann“, sagte Geschäftsführer Michael Preetz, der auch noch betonte, dass der Neue auch als Typ eine Bereicherung für den Klub sei. Unabhängig davon passt Schwolow jedenfalls sportlich bestens ins Konzept von Cheftrainer Bruno Labbadia, der sich eine neue Achse an Führungsspielern bauen will, in der ein spielstarker Torhüter eine wichtige Rolle einnehmen soll.

Image vom neureichen Klub

Erst vor ein paar Tagen hatte Labbadia versucht, das Image der Hertha vom neureichen Klub, der sich nun fast alles leisten kann, zu korrigieren. Der 54-jährige Cheftrainer sagte: „Wir sind happy, dass wir mehr Geld zur Verfügung bekommen haben. Aber es ist nicht so, dass wir uns damit eine Mannschaft aufbauen können. Der FC Bayern hat sich für diese Summe einen einzigen Spieler geleistet.“ Labbadia meinte Nationalspieler Leroy Sané, der für rund 50 Millionen Euro von Manchester City nach München wechselte.

Sané ist nun das letzte, aber wichtige Glied einer neuen jungen Bayern-Achse, die in der Liga ihresgleichen sucht. Manuel Neuer–Niklas Süle–Joshua Kimmich–Leon Goretzka–Leroy Sané ist das perfekte Gerüst – mit dem die Bayern in die neue Spielzeit gehen werden. Man könnte auch locker weitere Spieler dazu zählen. Eigentlich ist die Mannschaft eine einzige Super-Achse.

Herthas Labbadia wird ein wenig neidisch Richtung München blicken, denn auch für ihn besitzt der Aufbau einer Achse höchste Priorität. Nach dem Weggang von Per Skjelbred und Marko Grujic und dem Verlust von Vedad Ibisevic, der keinen neuen Vertrag bekam, ist Hertha eine Achse weggebrochen, die zuletzt den Takt und den Rhythmus im Berliner Spiel vorgab.

„Nun sind wir gefordert, eine Achse zu bauen, die in den nächsten Jahren ein Grundgerüst bildet. Das ist nicht einfach und bedarf Zeit“, sagt der Trainer. Mit dem Belgier Dedryck Boyata, der in der zurückliegenden Saison einen starken Abwehrchef gab und in eine Anführerrolle hineinwuchs, und dem 25-Millionen-Euro-Zugang Lucas Tousart besitzt Labbadia bereits zwei aussichtsreiche Kandidaten für seine Pläne. Nun sagte der Trainer: „Zu solch einer Achse gehören ein starker Torwart, ein Innenverteidiger, ein Sechser, ein Achter oder auch Zehner und ein Stürmer. Das müssen Leute sein, die auf dem Platz die Spielsituationen schnell erkennen und wissen, was zu tun ist. Die Achsen-Spieler müssen den Ton angeben und bei Bedarf den Rhythmus wechseln können.“

Auffällig ist, dass sich Bruno Labbadia auf allen seinen bisherigen Trainerstationen in der Bundesliga immer zuerst eine starke Achse baute und meist gut damit gefahren ist. Beim Hamburger SV etwa waren das einst Frank Rost, Joris Mathijsen, David Jarolim und Mladen Petric. Das Hamburger Abendblatt nannte das Quartett „Die Achse der Guten“. Zuletzt beim VfL Wolfsburg baute der Trainer vornehmlich auf Koen Casteels, John Anthony Brooks, Maximilian Arnold und Wout Weghorst.

Wie wird nun Herthas neue Achse aussehen? Labbadia: „Wir wollen für die kommenden Jahre etwas aufbauen, und da ist es ganz wichtig, wen wir in die Positionen stellen. Und deshalb gucken wir hauptsächlich nach jungen Spielern.“

Bei Torhütern kann man eine Ausnahme machen. Wie beim Zugang Alexander Schwolow gehört neben guten Reflexen, einer exzellenten Strafraumbeherrschung und fußballerischen Fähigkeiten vor allem bei der Spieleröffnung auch Erfahrung zum Anforderungsprofil. Die ist bei Schwolow gegeben. Die Ablöse soll dem Vernehmen nach rund acht Millionen Euro betragen. Schwolow sagte: „Ich bin jemand, der hoch motiviert anpackt.“ Das passt bestens zu seinem Job und einem Mann in einer neuen Achse.