Perspektive Wachstum: Die Global Champions Tour ist die teuerste Serie ihrer Art und macht auch in Berlin Station.
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BerlinJetzt reiten sie wieder. Nicht irgendwo, sondern dort, wo Glamour und Geld zuhause sind: am Strand von Miami, im Schatten des Eiffelturms, vor Schloss Chantilly, am Yachthafen von Monaco, unter Kristalllüstern in Prag oder wie am kommenden Wochenende im futuristischen Stadion von Doha. In Katar startet die Saison der teuersten Springreiterserie der Welt, der Global Champions Tour (GCT), und dem damit verbundenen Mannschaftswettbewerb Global Champions League (GTL). 40 Millionen Euro werden pro Saison ausgeschüttet, in 19 Stationen weltweit. Vom 20. bis 24. Mai gastiert die Serie in Hamburg, genau zwei Monate später in Berlin. Spätestens da wird man einen Mann auf der Tribüne entdecken, der mit einem kräftigen Finanzschub der Tour weiteren Auftrieb gegeben hat. Der 43-jährige Investor Lars Windhorst und seine Firma Tennor sind zu Beginn dieser Saison in die Tour eingestiegen.

Lars Windhorst an der Seite von Jan Tops

Wie viele Millionen Windhorst für die Anteile bezahlt hat, die er dem amerikanischen Investor McCourt abgekauft hat, wird nicht verraten, ganz so viele wie für die 49,9 Prozent am Berliner Fußballbundesligisten Hertha BSC, 224 Millionen Euro, werden es wohl nicht sein. Aber angesichts der jüngsten Verwerfungen bei Hertha vielleicht besser angelegt. Windhorst ist jetzt gemeinsam mit dem Niederländer Jan Tops, dem Erfinder der Tour, Eigentümer der Serie, die nach eigenen Angaben den Springsport in eine andere Dimensionen heben soll.

Was Windhorst in den Dunstkreis von edlen Pferden und forschen Reitern getrieben hat, dafür gibt es vermutlich noch andere Gründe als die erhoffte Rendite. Etwa weil auch seine Frau sich für Pferde interessiert. Verbrieft ist das nicht, aber es würde ins Bild passen. Reitende Ehefrauen und Töchter milliardenschwerer Geschäftsleute sind ein Baustein im schillernden Konstrukt Global Champions Tour.

Engagiert sich im Reitsport auf höchstem Niveau: Lars Windhorst, als Investor auch beim Fußball-Bundesligisten Hertha BSC aktiv.
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Jan Tops, der selbst in der niederländischen Nationalmannschaft ritt und 1992 in Barcelona zum olympischen Goldmedaillenteam gehörte, kennt den Profispringsport wie kaum ein Zweiter. Sein Kerngeschäft war schon zu aktiven Zeiten der Handel mit Luxusspringpferden, über ihn liefen die ersten Deals mit zweistelligen Millionenbeträgen pro Pferd für zahlungskräftige Kunden aus aller Welt. Dazu zählt etwa die griechische Milliardenerbin Athina Onassis, die eine Reitanlage gleich neben Tops' Betrieb in Valkenswaard besitzt, oder arabische Scheichs, für die Tops unter der Tribüne seiner Anlage einen kleinen Gebetsraum eingerichtet hat. Es soll schließlich an Nichts fehlen.

Mit der Global Champions Tour hat Tops vor 15 Jahren begonnen, eine Bühne zu schaffen, die teuren Einkäufe vorzuführen, im Wettbewerb mit den Stars des Springsports, mit Olympiasiegern, Welt- und Europameistern, die der Veranstaltung die sportliche Qualität verleihen. Zunächst waren es nur eine Handvoll Turniere, jedes Jahr kamen ein paar hinzu. Gesprungen wird auf drei Kontinenten, auch in Shanghai, in New York, in Mexico-City.

Volker Wulff, Organisator der beiden deutschen Stationen Berlin und Hamburg, ist froh über den Einstieg von Lars Windhorst, der schon seit mehreren Jahren die Berliner Veranstaltung sponsert. Zur Zeit finanziert er das Team Berlin Eagles, zu dem auch der vierfache Olympiasieger Ludger Beerbaum gehört. „Das Engagement von Lars Windhorst gibt uns Veranstaltern Sicherheit“, sagt Wulff. „Wir können so den Standort Berlin noch weiter entwickeln.“

Zum Beispiel in eine noch glamourösere Ausstattung des VIP-Bereichs. Er ist bei allen GCT-Turnieren ein Eckpfeiler des Konzeptes. Denn hier, meist mit Blick auf Reiter und Pferd im Parcours, geht es vor allem darum, in entspannter Atmosphäre bei mehrfach besternter Küche Kontakte zu knüpfen. Oder zu vertiefen und Geschäfte einzufädeln. Das ist den Sponsoren viel Geld wert. „Hier treffen sie Leute, zu denen sie sonst niemals Kontakt hätten“, sagt Wulff. Leute wie Computer-Milliardär Bill Gates, Rockmusiker Bruce Springsteen oder den Oligarchen Roman Abramowitsch, die gelegentlich auftauchen, um den Bemühungen ihrer Töchter im Sattel zuzuschauen. „Wir wenden uns da an eine gehobene Zielgruppe.“ Interessant ist die Verbreitung über Fernsehen und Streaming-Dienste, Wulff spricht von 30 bis 150 Millionen Kontakten.

Es geht ums Geldverdienen, aber das ist ja im Fußball nicht anders.

Christian Ahlmann

Das System GCT funktioniert, zumindest solange es der Wirtschaft gut geht. Kritik erntet es vor allem von Veranstaltern, die dem Weltreiterverband (FEI) nicht so profitable Bedingungen abtrotzen konnten wie Tops. Er darf ein Drittel der Startplätze verkaufen, nur für die Weltbesten ist der Start gratis. Pro GCL-Team und Saison sind rund 2,5 Millionen Euro fällig, aus dem Topf werden unter anderem die hohen Gewinngelder bezahlt. Eine Handvoll Reiter hat gut verdient an der Tour.

Der britische Sieger der Gesamttour 2019, Ben Maher, strich 1,3 Millionen ein, Daniel Deußer, der beste Deutsche, 479.000 Euro. Spitzenverdienerin über die Jahre ist, welch Zufall, Tops' Ehefrau Edwina Tops-Alexander mit knapp fünf Millionen Euro Gewinngeld. Kein Wunder, dass die meisten Topreiter die Tour fest im Visier haben. „Es geht ums Geldverdienen, aber das ist ja im Fußball nicht anders“, sagt der deutsche Springreiter Christian Ahlmann.