Hertha-Kolumne Ha-Ho-He: Preetz und Dardai liefern Schlagzeilen – und das ist gut so

Am Wochenende fiel mir ein Zitat aus einem umfangreichen Artikel über Hertha BSC in die Hände. Die krasse, sicher übertriebene Aussage ist dem Image des Vereins nicht dienlich, aber das Zitat besitzt durchaus einen gewissen Wahrheitsgehalt. Es lautet: „Der Verein lebt so lautlos vor sich hin, dass Fußball-Deutschland kaum Notiz nimmt von seinem Hauptstadtklub.“ Rumms!

Das Zitat steht im Zusammenhang mit einem Porträt über Manager Michael Preetz. Das erschien in der jüngsten Ausgabe der renommierten und auflagenstarken Wochenzeitung DIE ZEIT. Es ist eher selten, dass sich dieses überregionale großformatige Blatt, für das man beim Lesen am besten einen Schreibtisch als Unterlage benötigt, über zwei Drittel einer Zeitungsseite einem Verein wie Hertha und seinem Geschäftsführer widmet. Der Text ist mit der für den Protagonisten nicht sehr schmeichelhaften Überschrift „Der Zauderer“ versehen. Untertitel: „Michael Preetz wollte aus Hertha einen sympathischen und erfolgreichen Bundesligisten formen – nun kämpft er gegen den dritten Abstieg“.

Ärger beim Verein

Immerhin hat der Autor des Artikels mit Preetz zusammen gesessen, wie man den blumigen Beschreibungen entnehmen kann („Sein Händedruck ist fest wie der eines Gewichthebers“), ein Fakt, der in diesen Zeiten, in denen sich Preetz in der Öffentlichkeit gern zurücknimmt, sehr wichtig erscheint. Der Artikel ähnelt im Duktus dem großen Porträt über Preetz im Berliner Tagesspiegel, das auch Mitte März erschien (Titel: „Schuld und Schicksal“) und das dem Blatt meines Wissens Ärger seitens des Vereins eingebracht hat. Manchmal, so glaube ich, würde der Manager medial positiver bewertet werden, wenn er wie einst als erfolgreicher Stürmer offensiver mit der Presse umgehen würde. Das Sieger-Gen, dass Preetz als Spieler in sich trug und für das er einst hart arbeitete, konnte er als Manager noch nicht dauerhaft auf den Verein übertragen. Das ist sicher auch eine ungleich schwierigere Aufgabe, als Tore zu schießen.

Dennoch, trotz oder auch wegen der verbalen Kritik am Manager ist Hertha im Moment mehr in den Schlagzeilen – und natürlich wegen Trainer Pal Dardai, den Preetz Anfang Februar als Nachfolger von Jos Luhukay installierte. Ein Schachzug, der bislang erfolgreich war.

Consulting-Firma in Belgrad

Auch in der Sport-Bild (Eigenwerbung: Europas Nr. 1) bekommt Michael Preetz leise Kritik ab. Sie kommt vom einstigen Hertha-Stürmer Marko Pantelic. Kenner wissen, dessen oft großspurigen Aussagen sind mit Vorsicht zu genießen. Der extrovertierte Serbe, der in 114 Bundesligaspielen stattliche 45 Tore für Hertha schoss, lebt in Belgrad. Er, so Pantelic, hätte im Winter als Manager von Hertha reagiert und noch zwei, drei gute Transfers gemacht, um die Klasse zu halten. „Manchmal tut es schon weh zu sehen, was mit dem Klub passiert, den man liebt“, wird er zitiert. Nun sagt Pantelic: „Und wenn Hertha, die Fans und Berlin meine Hilfe brauchen, dann werde ich da sein. Das verspreche ich.“

Wie der oft geniale Angreifer helfen würde, blieb offen. Zur Erinnerung: Marko Pantelic, ein Schlitzohr auf und außerhalb des Platzes, forderte 2008 in Vertragsverhandlungen mit Manager Dieter Hoeneß einen Zehn-Jahresvertrag! Drei Jahre als Spieler und danach sieben Jahre als Sportdirektor. Eine utopische Forderung, die Hoeneß damals natürlich ablehnte. Pantelic ist heute Inhaber einer Consulting-Firma in Belgrad und kooperiere mit der Berliner Spielerberater-Agentur „Premium Sportmanagemen", schreibt die Sport-Bild. So ist also eine Verbindung zu Berlin erhalten geblieben.

Ich schaute einmal nach. Hinter dieser Berliner Agentur verbirgt sich ein Team um Stefan Willkommen. Der organisierte 2013 das emotionale Abschiedsspiel für den verstorbenen ehemaligen Hertha-Stürmer Alex Alves im Jahnsportpark. Marko Pantelic gefiel damals als vielfacher Torschütze im Alves-Memorial-Team. So schließt sich offenbar der Kreis.

Ist Matthäus eifersüchtig?

Auch in der Sport-Bild meldete sich Lothar Matthäus in seiner Kolumne „Klartext“ in Sachen Hertha kurz zu Wort. Preetz verschont er dabei. Dem Lothar geht es lediglich um die doppelte Belastung von Pal Dardai, 39, als Hertha-Trainer und Chefcoach der ungarischen Nationalmannschaft. „Dass Pal Dardai in seiner Doppelfunktion in der Länderspielpause statt Hertha die Ungarn trainiert, ist gefährlich“, warnt Matthäus, „zumal danach das direkte Abstiegsduell gegen Paderborn ansteht.“

Ist da etwa einer eifersüchtig? Matthäus trainierte schließlich auch einst die Nationalelf der Ungarn, allerdings ohne zusätzlich einen Verein zu betreuen. Zwischen Dezember 2003 und Dezember 2005 war seine Bilanz durchwachsen: 28 Spiele, 11 Siege, 3 Remis, 14 Niederlagen. In Budapest fühlte er sich wohl. Nach internen Querelen im ungarischen Verband wurde Matthäus’ Vertrag damals nicht verlängert.

Doppelseite im Hochglanzteil

Auch die Süddeutsche Zeitung widmete sich jüngst der Doppelfunktion von Dardai, offenbar ein sehr ergiebiges Thema. „Abstiegskampf auf zwei Ebenen“ nannte Autor Javier Caceres seinen Text. Caceres war sieben Jahre Korrespondent in Spanien, erlebte immer wieder den FC Barcelona, Real und Atletico Madrid. Er kehrte nun nach Berlin zurück und wird die Hertha-Berichterstattung garantiert bereichern. Er erinnerte an große Trainer, die auch einst parallel einen Klub und eine Nationalelf verantworteten: Rinus Michels (FC Barcelona und Holland), Guus Hiddink (Chelsea London und Russland) oder Fatih Terim (Galatasaray Istanbul und die Türkei). Doch Dardai will sich mit solchen Größen natürlich nicht messen. Er steht erst am Anfang seiner Trainer-Karriere. Immerhin druckte auch das Fachblatt „Kicker“ am Montag eine Doppelseite im Hochglanzteil des Magazins über den ehrgeizigen Ungarn, was Hertha überregional Sympathiepunkte einbringen wird.

Eines ist sicher: Pal Dardais Engagement macht den Bundesligsten im Moment vor allem in Ungarn zwischen Budapest, Györ und Pecs populärer. Dass Hertha BSC im Vertragswerk zwischen Berlin/Ungarn und Dardai eine Klausel besitzt, den jungen Trainer bei Klassenerhalt ab Sommer ausschließlich als Vereinscoach zu beschäftigen, ist im Moment ein Streitfall. Der ungarische Fußballverband, so jedenfalls die Berliner Morgenpost, dementierte nun diese Freigabe-Klausel. Ende offen und neuer Stoff für spannende Geschichten.

Darauf erst einmal ein doppeltes Ha-Ho-He.