Beim Lesen der Ablösesummen, die viele Bundesligaklubs im Moment während der Transferperiode zahlen, kann einem schon schwindlig werden. Mir geht es jedenfalls so. Die Bayern, der absolute Liga-Krösus, zahlten etwa 36 Millionen Euro für Mats Hummels und 35 Millionen für Renato Sanches, den jungen Europameister aus Portugal. Schalke fordert über 50 Millionen für Jung-Nationalspieler Leroy Sane von Manchester City, hat selbst schon 21 Millionen Euro an den FC Basel überwiesen für den erst 19-jährigen Breel Embolo. Borussia Dortmund steht vor einem neuen Einkaufsrekord und wird voraussichtlich rund 120 Millionen Euro für neue Profis ausgeben. Das gab es bislang noch nie in der Liga! Allerdings ist die Einnahmenseite auch gewaltig: 36 Millionen für Hummels, 27 Millionen für Gündogan, 42 Millionen für Mkhitaryan…

Aber auch kleinere Vereine wie Mainz oder Freiburg kaufen fleißig ein und geben Millionenbeträge aus. Und die Hertha aus Berlin?

Bisher kein Zugang

Bislang war der Hauptstadtklub der einzige Erstligist, der noch keinen Zugang vermelden konnte (Stand: Dienstagvormittag). Die bisherigen Abgänge brachten auch nicht viel Geld in die Kasse:  Johannes van den Bergh (nach Getafe/Spanien/ablösefrei), die Torhüter Sascha Burchert (zu Greuther Fürth/ablösefrei), Marius Gersbeck (ausgeliehen zum VfL Osnabrück) und der Holländer Roy Beerens zum FC Reading (England/rund eine Millionen Euro Ablöse). Mehr Geld will Hertha für die zum Verkauf stehenden Ronny und Hajime Hosogai erzielen. Doch der Markt für Ronny scheint klein zu sein. Der Japaner Hosogai, der einst 2013/14 eine starke Saison bei Hertha spielte, später nachließ und nach Bursaspor in die Türkei verliehen worden war, soll von den beiden Erstliga-Absteigern Hannover 96 und VfB Stuttgart (mit Trainer Jos Luhukay, der Hosogai sehr schätzt) umworben werden.

Rekordtransfer vor 16 Jahren

Zweistellige Millionenbeträge bei der Verpflichtung neuer Leute kann sich Hertha nicht leisten. Der Rekordtransfer des Vereins besteht nun schon 16 Jahre und wird es wohl auch noch länger bleiben. Im Januar 2000 holte Hertha den Brasilianer Alex Alves  für umgerechnet 7,6 Millionen Euro von Cruzeiro Belo Horizonte. Von den aktuellen Spielern kostete der Tscheche Vladimir Darida am meisten (2015/3,5 Millionen Euro/vom SC Freiburg).

Nun aber scheint auch Hertha offensiver zu werden – auf dem Markt und auf den Positionen, für die neue Profis geholt werden sollen. Der slowakische Nationalspieler Ondrej Duda (21/Legia Warschau) soll schon vor der Tür der Geschäftsstelle stehen. Der Vollzug des Transfers steht bevor. Er soll rund 3,5 Millionen  Euro kosten, Legia will allerdings mehr, der Poker ist in vollem Gange. Der offensive Mittelfeldmann, auch gern als „Zehner“ unterwegs oder als hängende Spitze, bestritt bei der EM für die Slowakei drei Vorrundenspiele und gilt als Spieler mit großer Perspektive. Mit Legia, wohin er vor Jahren wechselte, wurde er zweimal polnischer Meister und auch zweimal Pokalsieger. Duda soll sogar einen Fünfjahres-Vertrag in Berlin bekommen.

Dazu könnte der wuchtige Rechtsaußen Alexander Esswein vom FC Augsburg kommen. Der 26-jährige würde das von Trainer Pal Dardai vehement gewünschte Tempo auf der Außenbahn einbringen. Wolfsburg, Dresden, Nürnberg und Augsburg waren seine bisherigen Stationen. In der Saison 2010/11 wurde er in Dresden zum „Spieler des Jahres der 3. Liga“ gewählt. Esswein ist ein unberechenbarer Spieler, der gut in die Hertha-Mannschaft passen könnte. Bislang bestritt er 127 Bundesligaspiele. An manchen Tagen kann dieser Mann richtig auf dem Platz explodieren und die Gegner vernaschen, ab und an tauchte er auch völlig unter.

Birkir Bjarnason steht auf dem Hertha-Zettel

Viele andere Gerüchte gibt es kaum in Sachen Hertha.  Immer mal wieder kommt der Ungar Balasz Dzsudzsak (Bursaspor) ins Gespräch, den Dardai schon im Vorjahr liebend gern geholt hätte. Doch der scheint zu teuer zu sein und besitzt andere Optionen. Hakim Ziyech von Twente Enschede war auf dem Berliner Zettel und auch der tapfere Isländer und EM-Teilnehmer Birkir Bjarnason wird genannt. Der wurde mit dem FC Basel Schweizer Meister. Vielleicht  kann der ehemalige Hertha-Profi und U21-Trainer von Island, Eyjölfur Sverrisson, die Hertha wärmstens empfehlen. Mit Isländern kann man kaum etwas falsch machen.

Lassen wir uns also überraschen, der Transfermarkt ist noch bis Ende August geöffnet und Manager Michael Preetz schlägt auch gern mal spät zu. Die Rekordjahre, in denen Hertha mächtig in neue Spieler investierte und hohe Ablösesummen zahlte, sind allerdings lange her. 1999/2000 gab man 17,385 Millionen Euro aus und 2001/02 waren es 17,350 Millionen. Hohe Schulden waren damals leider die Folge. Die soll es nicht wieder geben.

Darauf ein erwartungsfrohes Ha-Ho-He!