Spieler wechseln, Trainer auch – allerdings meist eher unfreiwillig. Auch Manager sind zuweilen auf der Suche nach einer neuen Herausforderung. So ist das im Fußball. Nur die Fans, die bleiben treu, und bilden damit die einzige Konstante im immerwährenden Wechselwirrwarr der Bundesliga. Dabei ist es doch nur legitim, dass man auch als Fan ausnahmsweise mal keine Lust auf seinen Klub hat.

Am ersten Bierstand vor dem Osttor steht Moppel, 30. Zur Tarnung hat er sich einen Hertha-Schal um den Hals gelegt. Schuldbewusst blickt er auf seinen Becher. „Ich wollte auch mal einen Sieg sehen“, sagt er nach dem 3:0 der Berliner gegen den HSV.

BVB-Fan seit 1997

Moppel ist eigentlich Fan von Borussia Dortmund. Es gab Zeiten, da hätte sich der gebürtige Berliner nicht träumen lassen, mal zu Hertha gehen zu müssen, um einen Sieg zu sehen. Die Liebe begann 1997, als der BVB zum ersten und vorerst letzten Mal die Champions League gewann. Er sei euphorisiert gewesen von der Spielweise, sagt er. Momentan ist er das nicht.

Aber Moppel lässt sich nicht so leicht aus der Fassung bringen, schließlich hat er schon ganz andere Dinge erlebt: Zum Beispiel, als er mal für Jogi Löw einen Klodeckel aussuchen musste. Extra sanft sollte der Deckel schließen, den sich der Bundestrainer für sein Berliner Eigenheim wünschte. Doch er konnte sich einfach nicht für ein Produkt entscheiden.

„Das war eine Odyssee“, klagt sein ehemaliger Hauswart Moppel. Als er den Bundestrainer am Sonnabend im Olympiastadion sah, machte er lieber einen großen Bogen um ihn. Aber nicht nur deshalb wird Moppel sich beim nächsten Mal lieber wieder seine Dortmunder anschauen. „Fan bin ich, weil mir die Philosophie des Vereins gefällt, die fangen sich schon wieder“, sagt er. Entschlossen gibt er seinem Freund den Hertha-Schal zurück.