Hertha konzentriert sich auf DFB-Pokal

Sinsheim - Trainer Pal Dardai ärgerte sich so richtig über diese späte Pleite von Hoffenheim. Nicht schlecht gespielt hatte seine Mannschaft, vor allem in der ersten Halbzeit größtenteils Kontrolle über die Ereignisse gehabt. Aber am Ende hatte die Berliner Hertha durch zwei Gegentore nach Standardsituationen bei den abstiegsgefährdeten Badenern 1:2 (1:1) verloren, den entscheidenden Treffer dabei durch Mark Uth fünf Minuten vor dem Abpfiff bekommen. „Wenn man zwei Standardtore kassiert, hat man nichts verdient“, meckerte Dardai: „Das kann man viel besser verteidigen.“

Die Berliner befinden sich im Abwärtstrend: Die Niederlage gegen Hoffenheim war das dritte Spiel ohne Sieg in der Liga, neun Gegentore kassierte die Hertha in diesen 270 Minuten und holte nur einen Punkt. In der Tabelle fiel Dardais Team von Tabellenrang drei auf Platz vier zurück. Dardai sagte nach dem späten K. o. in Hoffenheim: „Das war ein Riesenwachruf.“ Der Ungar meinte Weckruf. Aber bedeutet diese Niederlage einen Weckruf zu einem richtigen Zeitpunkt, oder ist dieser nicht schon verstrichen?

Diese Frage wird in der kommenden Woche vorentscheidend beantwortet. Am Mittwoch steht eines der wichtigsten Spiele der jüngeren Hertha-Geschichte an: Borussia Dortmund kommt zum DFB-Pokal-Halbfinale ins ausverkaufte Olympiastadion. Erstmals besteht für die Hertha die Chance, mit nur einem Sieg endlich das Pokalfinale im eigenen Stadion zu erreichen.

Es ist ein großes Spiel am Mittwoch, der Saisonhöhepunkt, auf den alles in Berlin fokussiert ist. Am Sonntag war frei, ab Montag trainiert Dardai mit seinen Spielern unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Volle Konzentration auf das große Ereignis, Dardai weiß: „Auf dieses Spiel gegen Dortmund wartet die ganze Stadt, das Stadion ist voll, das Spiel ist wichtig für unser Image.“ Gegen den BVB könne sich seine Elf keine so schlechte Verteidigung von Standardsituationen wie in Hoffenheim leisten, mahnt der Trainer.

Aber das war es auch schon mit der Analyse dieser Pleite. Es machte ja auch schon am Sonnabend angesichts der anstehenden Aufgaben nur noch wenig Sinn, der vergebenen Großchance von Vedad Ibisevic (spielte mit furchteinflößender Gesichtsmaske) schon nach zwei Minuten nachzutrauern. Oder den schnellen Ausgleich von Fabian Schär (33.) nach der Führung von Niklas Stark (26.) durch ein Kopfballtor nach Eckball zu bedauern. Die Hertha-Spieler müssen alles Negative schnell aus ihren Köpfen kriegen. Trainer Dardai muss in drei Tagen aus einer Mannschaft im Abschwung eine gierige Elf mit Siegermentalität machen und versuchen, den Druck eines großen Spiels in positive Energie umzuwandeln.

Neue Kräfte freisetzen für den Endspurt

Im Tunnel auf den Dortmund-Knaller hin könnte die Mannschaft aber auch wichtige Kräfte lassen, die in der Liga dann vielleicht fehlen. Eine Niederlage gegen den BVB könnte zudem einen weiteren Spannungsabfall für die Bundesliga bedeuten, in der die Mannschaft gerade dabei ist, die mögliche Champions-League-Teilnahme zu verspielen. Andererseits könnte ein Sieg gegen Dortmund neue Kräfte freisetzen im Endspurt der letzten vier Ligaspiele. Und am kommenden Wochenende kommen die Bayern, die mit einem Sieg in Berlin unter Umständen ihre vierte Meisterschaft in Serie klarmachen könnten.

Auch für Borussia Dortmund ist das Pokal-Halbfinale nach dem bitteren Aus im Europa-League-Spektakel beim FC Liverpool eine große Herausforderung. Der BVB spürt den Druck, vielleicht innerhalb von einer Woche ein zweites, mögliches Endspiel nicht zu erreichen.

Es sind die Dramen der letzten Saisonwochen, die die Bewertung einer Spielzeit entscheiden. Es stimmt schon, was Linksverteidiger Marvin Plattenhardt sagt: „Wir spielen eine sehr gute Saison und wir lassen uns nicht von außen einreden, dass wir nicht gut drauf sind.“ Aber scheidet die Mannschaft am Mittwoch im Pokal aus und purzelt die Hertha nach den Spielen gegen Bayern, in Leverkusen, gegen Darmstadt und in Mainz auch noch endgültig aus den Champions-League-Rängen, dann wäre zwar die wahrscheinliche Teilnahme in der Europa League trotzdem ein Erfolg. Aber die verpassten Chancen einer Champions-League-Qualifikation und eines Pokalfinales im eigenen Stadion wären auch genug Gründe, sich zu ärgern.

Die Spieler glauben nicht, dass die Niederlage von Hoffenheim negative Auswirkungen auf das große Spiel gegen den BVB haben könnte. Innenverteidiger Niklas Stark sagt: „Ab jetzt konzentriere ich mich nur auf Dortmund, alles andere spielt da keine Rolle.“ Marvin Plattenhardt erklärt trotzig: „Wir können die drei Spiele ohne Sieg ausblenden.“

Und auch Pal Dardai verspricht: „In einem Spiel ist alles möglich. Mit einem 0:0 und einem Sieg im Elfmeterschießen wäre ich sehr zufrieden.“ Nicht nur bei Standardsituationen müssen die Berliner am Mittwoch aber wachsamer sein als am Sonnabend in Hoffenheim, damit sich der Wunsch ihres Trainers erfüllt.