Gelsenkirchen/Berlin - Diese Saison ist wegen der Corona-Pandemie die bis dato seltsamste in der Geschichte der Bundesliga, mit einer Reihe von sehr seltsamen Spielen. Das bis dato seltsamste – allein schon wegen der irritierenden Vorzeichen – war aber fraglos das am Mittwochabend zwischen dem FC Schalke und Hertha BSC.

Geisterkulisse, na klar, in einem Stadion, das in den vergangenen Jahren immer wieder vom Wahnsinn leidenschaftlicher Fans erfüllt war. Hinspiel, Nachholspiel, Duell der Erzrivalen, Duell der geplatzten Träume. Trauer gegen große Sorgen. Hier die Königsblauen, für die seit zwei Wochen feststeht, dass sie nach einer blamablen Runde ab August 2021 zum Restart in der Zweiten Liga gezwungen sind. Da die Blau-Weißen, die sich im April nach einer Reihe von positiven Corona-Tests in Quarantäne zu begeben hatten und seit dem Ende der Zwangspause in einer Art Endspielserie den Abstieg zu verhindern versuchen.

Der rotationswütige Ungar schlägt wieder zu

Aber siehe da: Was die beiden Mannschaften da in der Arena auf Schalke darboten, war zwar nicht hochklassig, aber durchaus sehenswert. Schalke, das unmittelbar vor der Partie drei weitere Corona-Fälle zu verzeichnen hatte und kurzfristig wegen der Kontakt-Person-Regelung insgesamt auf sieben Spieler verzichten musste, versuchte sich mit Mumm an ein klein wenig Wiedergutmachung. Hertha wiederum versuchte sich mit spielerischen Mitteln daran, sich im Hinblick auf die letzten beiden Spieltage eine gute Ausgangsposition zu verschaffen. Und letztendlich hatten die Hauptstädter auf diesem Weg das bessere Ende für sich. Sie siegten 2:1 (1:1), haben nun 34 Punkte auf dem Konto, während der kommende Gegner, der 1. FC Köln, als Tabellenvorletzter gerade mal 29 Punkte vorzuweisen hat.  

Hertha-Coach Pal Dardai hatte wieder einmal im Vergleich zur Vorpartie munter durchgetauscht. Nur drei von elf Spielern aus dem Bielefeld-Spiel standen in der Startelf, nämlich Keeper Alexander Schwolow, Lucas Tousart und Krzysztof Piatek. Wobei der rotationswütige Ungar aus Verletzungsgründen ja grundsätzlich auf Matheus Cunha, Matteo Guendouzi, Jhon Cordoba und Maximilian Mittelstädt zu verzichten hatte. Inwieweit diese wilde Durchwechslerei zielführend ist, lässt sich nur schwerlich nachvollziehen. Fakt ist, a) dass der neue Hertha-Mix zunächst mal wieder ein paar Minuten zur Orientierung brauchte, aber b) der Erfolg Dardai womöglich Recht gibt.

Boyata zählt zu den auffälligsten Spielern

Schalke nutzte dieses Durcheinander nach sechs Minuten jedenfalls gleich mal zur Führung. Klaas-Jan Huntelaar, der wohl immer noch nicht glauben kann, was da gerade mit ihm und den Knappen geschieht, passte auf Sead Kolasinac, der sogleich Amine Harit mit einem schnellen Zuspiel in Position brachte. Harit verfolgte schließlich nur ein Ziel; den Abschluss, traf mit links an dem herbeistürzenden Dedryck Boyata vorbei zum 1:o ins lange Eck. 

Die Hertha-Profis zeigten sich aber keineswegs vom frühen Rückstand geschockt, nein, sie versuchten sich sogleich an einer Antwort. Eher über die linke Seite, also über Nemanja Radonjic, Javairo Dilrosun und Marvin Plattenhardt, dann über die rechte Seite, die von Mathew Leckie und Peter Pekarik bespielt wurde. Über links kam dann auch in der 18. Minute ein Freistoß zustande, den Plattenhardt mit sehr viel Schwung in den Schalker Strafraum trat. Direkt auf den ungedeckten Boyata, der per Kopf den Ball ins Netz wuchtete.

Dardai wechselt den Sieg ein

Der Belgier, der die Spielführerbinde trug, zählte schließlich auch unabhängig von seinem Treffer zusammen mit dem willigen Radonjic und dem spielfreudigen Harit zu den auffälligsten Spielern auf dem Platz. In der zweiten Hälfte beispielweise brachte der 30-Jährige zunächst mit einem Querschläger Huntelaar in Position, der allerdings beim Torschuss die Kontrolle verlor und den Ball am Hertha-Tor vorbeijagte (58.). Fünf Minuten später klatschte bei einem weiteren Plattenhardt-Freistoß ein weiterer Offensiv-Kopfball von ihm an den Außenpfosten. 

Als Matchwinner trat allerdings einer der jungen Herthaner in Erscheinung, nämlich der 20 Jahre alte Jessic Ngankam. In der 58. Minute war das Eigengewächs für Piatek ins Spiel gekommen und war in der 74. Minute zur Stelle, als Radonjic einmal mehr über die linke Seite einen Angriff initiierte. Dardai hatte also den Sieg eingewechselt und damit, so einfach ist das manchmal im Fußball, doch alles richtig gemacht. Wenngleich natürlich nicht unterschlagen werden darf, dass die in Unterzahl geratene Hertha (Dodi Lukebakio hatte nach einem Tritt gegen Steven Skrzybski Gelb-Rot gesehen) in der Nachspielzeit jede Menge Glück hatte. Shkodran Mustafi und Benito Raman trafen nämlich nach einem Eckball innerhalb einer Sekunde jeweils nur den Pfosten. Tja, seltsam.