Matheus Cunha bekommt für sein Tor zum 2:2 von Maxi Mittelstädt ein Küsschen.
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BerlinBei keinem anderen Profiverein in Deutschland ist die Kluft zwischen Anspruch und Wirklichkeit derzeit so groß wie bei Hertha BSC. Was zur Folge hat, dass wohl bei keinem anderen Profiverein in Deutschland die Unruhe so groß ist wie bei den Blau-Weißen. Das hat ganz viel mit dem aufgewühlten Umfeld der Mannschaft zu tun. Aber auch mit der aufgewühlten Mannschaft selbst, die am Sonnabendnachmittag beim Heimspiel gegen Werder Bremen wie schon in der Woche zuvor in Paderborn eine desolate erste Hälfte hinlegte, aber doch noch eine Wende zum Remis schaffte. Dieses Mal die Wende hin zu einem 2:2, über dessen Wirkung sich abschließend erst am Sonntagabend befinden lässt. Dann nämlich stehen sich im Rahmen eines inzwischen doch sehr munteren Abstiegskampfes der FSV Mainz und Fortuna Düsseldorf gegenüber. Immerhin: Mit nun 28 Punkten beträgt für Hertha der Abstand auf den ersten direkten Abstiegsplatz, den Werder einnimmt, weiterhin zehn Punkte. Bei einem Sieg der Düsseldorfer würde sich der Abstand auf den Relegationsplatz allerdings auf vier Punkte verringern.

Kraft irrlichtert 

Einmal mehr hatte Hertha-Coach Alexander Nouri sein Team im Vergleich zur Vorwoche gleich auf mehreren Positionen verändert. Santiago Ascacibar, Marvin Plattenhardt, Niklas Stark, Marius Wolf und Maxi Mittelstädt durften für Per Skjelbred (erkrankt), Dedryck Boyata (Oberschenkenprobleme), Karim Rekik, Javairo Dilrosun und Dodi Lukebakio ran. Doch der Start ins Spiel rief sogleich Erinnerungen an die Partie in Paderborn wach. Wie beim 3:3 (0:3) vor einer Woche geriet die Hertha nämlich sogleich in Rückstand, dieses Mal nach drei Minuten, als Leonardo Bittencourt gekonnt den Ball mit der Hacke auf Joshua Sargent weiterleitete, Letztgenannter kurz entschlossen mit links aus 20 Metern abzog und Hertha-Keeper Thomas Kraft mit einem wuchtigen Schuss durch die Beine von Niklas Stark überraschte.

Nur drei Minuten später legten die Gäste gegen die schlafmützigen Gastgeber nach. Milot Rashica konnte unbedrängt mit rechts von der linken Angriffsseite flanken, im Fünfmeterraum lenkte Davy Klaassen mit dem Scheitel den Ball am irrlichternden Kraft vorbei ins Tor. Kraft mag zwar vergangene Woche mit seiner Halbzeitansprache einiges bewegt haben, den Eindruck, dass er sportlich dieser Mannschaft weiterhelfen kann, erweckt er allerdings nicht.

Erst in der 20. Minute kam Hertha zum ersten Torschuss. Matheus Cunha zwang Stefanos Kapino, der für den verletzten Jiri Pavlenka das Werder-Tor hütete, mit einem Schuss aus über 20 Metern zu einer ersten Parade, demonstrierte dabei zumindest etwas Wille zur Wende. Seine Teamkollegen hingegen wirkten auch in diesem Moment noch immer total verdattert. Und das gegen einen Gegner, der vor der Partie infolge einer klubhistorischen Negativserie in höchstem Maße verunsichert war.

Kapino hilft Cunha auf die Sprünge

Das Erstaunen über die eigene Schwäche hatte alle Leidenschaft aus dem Feld geschlagen, was die Herthaner einmal mehr hilflos wirken ließ. Ein jeder war mit sich selbst beschäftigt, sodass kein Miteinander zustande kam. Gegen jeden anderen Gegner hätte diese Ohnmacht wohl zu einer hohen Niederlage geführt, aber Werder ist eben nicht von ungefähr vom Abstieg bedroht, brachte die Herthaner mit allerlei Unzulänglichkeiten zurück in die Partie.

Beim Anschlusstreffer von Stark, der in der 41. Minute eine Freistoßflanke von Plattenhardt einköpfte, mangelte es in der Bremer Abwehr an einer konkreten Zuordnung. Beim 2:2 profitierte Torschütze Cunha  in der 60. Minute davon, dass ihm Kapino den Ball nach einem Schuss von Mittelstädt maßgerecht vor die Füße pariert hatte.  Der Brasilianer war zweifellos in einer sich weiter steigernden Mannschaft der beste Spieler in Blau-Weiß, aber auch ihm gelang schließlich nicht mehr als noch ein paar weitere gekonnte Dribblings.

Am Ende wusste schließlich keiner so recht, was er mit der Punkteteilung anfangen sollte. Ein paar Pfiffe gab es von den Rängen, aber auch etwas Applaus. Ein paar Spieler klatschten sich ab, andere ließen die Köpfe hängen. Letztlich war es ein Nachmittag ohne konkreten Antworten, da wie dort.