Ingolstadt - Erstaunliche Maßarbeit hatten die mitgereisten Fans von Hertha BSC geleistet. Denn das Banner, das sie für das erste Pflichtspiel ihres Teams mit nach Ingolstadt gebracht hatten, entsprach genau den Abmessungen des für sie vorgesehenen Blocks. Abgebildet war auf dem mächtigen Mitbringsel, das kurz vor Spielbeginn mit geübter Hand entrollt wurde, der schöne DFB-Pokal und die Ostkurve, darunter war in großen Lettern schließlich Folgendes zu lesen: IHR HABT ES IN DER HAND. Klar, was damit bedeutet werden sollte: Der Traum vom Pokaltriumph im heimischen Olympiastadion soll in dieser Saison endlich wahr werden – nicht mehr und nicht weniger.

Einen ersten kleinen Schritt dahin haben die Hertha-Profis schon mal getan. In der ersten Runde des diesjährigen Pokal-Wettbewerbs kam die Elf von Trainer Ante Covic am Sonntagnachmittag beim VfB Eichstätt durch Tore von Vladimir Darida (11.), Vedad Ibisevic (12. und 31.), Salomon Kalou (62.) und Alexander Esswein (75.) zu einem ungefährdeten 5:1 (3:0). Wenngleich zu Beginn und infolge des Anschlusstreffers, den Julian Kügel nach einem Aussetzer von Matthew Leckie erzielte, schon auch ein paar kleine Wackler auszumachen waren. Niklas Stark sagte entsprechend: "Wir haben auch gemerkt: Wenn man nicht 100 Prozent gibt, dann kommt der Gegner wieder." 

Kecker Eckstoß-Trick

Gegen den Regionalligisten aus Bayern, der mit seiner Spielstätte die Auflagen des DFB nicht erfüllen konnte und deshalb ins 25 Kilometer entfernte Stadion des Drittligisten FC Ingolstadt ausweichen musste, erbrachten im Besonderen Vladimir Darida, Maxi Mittelstädt, Ondrej Duda und Vedad Ibisevic einen weiteren Beleg für ihre Formstärke. Oder andersrum: An den genannten Spielern lässt sich wohl am deutlichsten ablesen, dass Ante Covic wohl tatsächlich ein Bessermacher ist.

Darida erzielte nach einem kecken Eckstoß-Trick von Duda das beruhigende 1:0, war  wie schon in der gesamten Vorbereitung in der Offensive die treibende, in der Rückwärtsbewegung hingegen die zerstörerische Kraft im Spiel des Berliner Bundesligisten. Mittelstädt wiederum glänzte in der ersten Hälfte als Linksaußen mit hohem Tempo und wie beim 2:0 mit einem guten Auge für den Mitspieler, um in der zweiten Hälfte als linker Außenverteidiger seine Flexibilität unter Beweis zu stellen. Duda brachte sich dank seiner Spielintelligenz immer wieder in Position, tauchte in den Zwischenräumen der Eichstätter Verteidigung, um von dort aus mit blitzgescheiten Pässen in die Tiefe zu operieren. So wie beim 4:1, als er den zur Halbzeit für Jordan Torunarigha eingewechselten Alexander Esswein auf die Reise schickte. Dessen Rückpass verwertete Kalou. Und dann war da noch Ibisevic.

Ibisevic drahtiger denn je

Am 6. August feierte der Bosnier seinen 35. Geburtstag und ist damit eigentlich in einem Alter, indem Stürmer gern mal von ihrem Körper im Stich gelassen werden. Ibisevic hingegen hat scheint es gelungen zu sein, diesen Alterungsprozess außer Kraft gesetzt zu haben. Drahtiger und spritziger denn je wirkt er, und hat natürlich immer noch eine ziemlich gute Ahnung, wann und wo sich im gegnerischen Strafraum die Gelegenheit zum Torabschluss ergibt.  Bei seiner Auswechslung in der 77. Minute war Covic als erster Gratulant an der Seitenlinie zur Stelle, mit einer langen und viel sagenden Umarmung. Er sagte hinterher: Natürlich freue ich mich über meine Treffer. Tore sind für einen Stürmer immer gut. Freitag kommt mit Bayern ein ganz anderer Gegner auf uns zu.“