Stegersbach - Am liebsten würde sich Niklas Stark, 24, gleich auf der Couch lang machen. Doch für das Interview nimmt Herthas 1,90 Meter großer Innenverteidiger nach dem Mittagessen und zwischen zwei Trainingseinheiten dann doch im Sitzen auf dem Sofa des Teamhotels Platz. Zu besprechen gibt es ja genug: seine neue Rolle als Nationalspieler, Herthas Perspektive nach dem Investoren-Deal und Wechselgerüchte um seine Person.

Niklas Stark, in Österreich ist es im Vergleich zum ersten Trainingslager Anfang Juni in Neuruppin deutlich heißer. Wie viel schneller kommt man dadurch an seine Leistungsgrenze?

Es ist unangenehm, wenn es so heiß ist. Man bekommt weniger Luft. Der Puls ist schnell höher. Aber es gibt keine Ausreden. Egal, ob es sehr kalt oder sehr heiß ist. Wir müssen das annehmen und das Beste daraus machen.

Fällt es bei der Hitze schwerer, die vielen taktischen Inhalte von Ihrem neuen Trainer Ante Covic umzusetzen?

Wenn man vor neuen Herausforderungen und Aufgaben steht und die neu einstudierten Sachen bereits schnell funktionieren, macht das großen Spaß. Dann will man das weiter perfektionieren. Egal, wie heiß es ist. Und wenn man Spaß dabei hat, läuft man auch ein paar Meter mehr.

Auffällig ist, dass Covic selbst bei Konditions- oder Sprintübungen viel mit dem Ball trainieren lässt. Fällt einem dadurch die Arbeit leichter?

Die Läufe merkt man tatsächlich nicht so sehr, wenn der Ball dabei ist. Wenn am Ende einer Sprintübung noch ein Torschuss steht, dann geht es natürlich in erster Linie nicht um den Abschluss, auch wenn man jedes Tor machen will. Man merkt die Sprints nicht so sehr, aber der Körper merkt sich die Sprints trotzdem. Deswegen ist das eine gute Taktik vom Trainer.

Wie unterscheidet sich Covics Arbeit im Vergleich zu der von Pal Dardai?

Ich verstehe ja, dass viele diese Frage stellen. Aber ich will gerne eines vorab mal festhalten: Wir hatten mit Pal und Rainer (Widmayer, d. Red.) viereinhalb gute Jahre. Da gibt es keinen Grund, verbal nachzugrätschen. Ich verstehe, dass von Außen jeder gerne einen Vergleich ziehen will. Aber mache ich das, kommt es eventuell so rüber, als wollte ich Pal etwas Negatives nachsagen. Das wäre nicht fair, wir hatten eine gute Zeit zusammen.

Aber die tägliche Arbeit unterscheidet sich doch.

Ante ist eine andere Art von Trainer, er legt den Fokus auf andere Dinge. Er kommuniziert extrem viel mit uns, fragt uns auch häufig nach unseren Meinungen. Jeder Trainer legt andere Schwerpunkte. Bisher läuft alles gut, aber um wirklich Vergleiche zu ziehen, ist es noch zu früh.

Manager Michael Preetz erwartet von Ihnen in dieser Saison den nächsten Schritt. Wie gehen Sie damit um?

Ich bin in die Nationalmannschaft berufen worden und als Nationalspieler musst du im Klub mehr Verantwortung übernehmen. Dazu bin ich bereit und ich denke, dass mir das bisher in der Vorbereitung ganz gut gelingt.

Liegt Ihnen eine solche Führungsrolle?

Man kann so etwas von Außen ja nur schwer bestimmen. Wenn ein ruhiger Spieler auf einmal total laut ist, ist es eventuell fraglich, ob er ernst genommen wird. Man kann das natürlich unterstützen, wenn man einem auch die Chance gibt, lauter zu sein. Ich war aber schon immer sehr kommunikativ und laut auf dem Platz.

Als Führungsspieler muss man stets vorangehen, konstant gute Leistungen abrufen. Spüren Sie, wie der Druck in den vergangenen Monaten gestiegen ist?

Schon, aber das ist auch mein eigener Anspruch und treibt mich an. Wenn man Führungsspieler und Nationalspieler ist, will man das täglich beweisen. Ich probiere immer, das Maximum aus mir rauszuholen.

„Über einen Wechsel habe ich mir keine Gedanken gemacht“

Sie sind von Bundestrainer Joachim Löw zweimal nominiert worden, kamen aber noch nicht zum Einsatz. Wären die Chancen auf einen festen Platz im Nationalteam nicht größer, wenn Sie bei einem Topklub spielen?

Natürlich ist es in Vorteil, wenn man Champions League spielt. In diesen Spielen herrscht eine noch höhere Qualität. Aber ich habe das Ziel, auch für den DFB meine Spiele zu machen und will dazu beizutragen, dass wir wieder erfolgreich sind. Ich bin dort kein Maskottchen.

Ihre Ausstiegsklausel für 25 Millionen Euro ist zum 30. Juni abgelaufen. Preetz betonte, dass Hertha nun wieder den Hut auf hat. Wurde Ihnen mitgeteilt, dass damit ein Wechsel in diesem Sommer ausgeschlossen ist?

Es wurde nicht explizit kommuniziert.

Haben Sie an einen Wechsel gedacht?

Ich mache mir immer erst Gedanken, wenn auch eine Anfrage eines anderen Vereins konkret vorliegt. Und das war bisher nicht der Fall. Ich konzentriere ich mich derzeit voll auf die neue Saison mit Hertha und verschwende dabei keinen Gedanken an einen Wechsel.

Bis zum 2. September könnte aber noch ein Spitzenklub anfragen.

Theoretisch schon. Aber darüber nachzudenken, würde mich nur ablenken. Wir sind im Trainingslager und haben viel zu tun.

„Klar kann ich mir vorstellen, langfristig zu bleiben“

Sie spielen seit 2015 bei Hertha. Können Sie sich vorstellen, langfristig in Berlin zu bleiben und eine Identifikationsfigur zu werden?

Wenn alles passt – klar. Ich habe großen Respekt vor dem Klub und den Fans.

Dazu beitragen könnte auch die sportliche Entwicklung. Was bedeutet der Einstieg von Investor Lars Windhorst für den Klub?

Natürlich ist es gut zu wissen, dass wir finanziell jetzt mehr Möglichkeiten haben, um gute Spieler zu holen, die uns helfen können, dorthin zu kommen, wo wir hinwollen. Im modernen Fußball braucht man gewisse finanzielle Möglichkeiten, um den Verein voranzubringen. Natürlich verstehe ich auch die Fans, die einen Investor kritisch sehen. Aber diese Fans haben auch Lieblingsspieler und mit ihnen tolle Erlebnisse im Olympiastadion gesammelt, die sie niemals vergessen werden. Nur müssen diese besonderen Spieler ja auch bezahlt werden. Das darf man nicht vergessen. Wir müssen sehen, dass wir konkurrenzfähig bleiben. Daher ist der Einstieg des Inventors ein sehr guter Schritt.

Welchen Unterschied macht ein reines Fußballstadion?

Als Heimstadion ist es schön, wenn es eng und feurig ist. Wenn ich an Bremen denke, dann ist das schon was anderes und als Auswärtsteam sehr schwer und unangenehm dort ins Spiel zu kommen. Natürlich hat das Olympiastadion ein spezielles Flair. Besonders, wenn es ausverkauft ist. Aber da das nur drei- oder viermal in einer Saison der Fall ist, verstehe ich, dass der Verein eine neue Lösung sucht.