Knapp 45 Minuten nach dem Abpfiff der Partie zwischen Hertha BSC und dem Hamburger SV, die der Aufsteiger aus Berlin vor 63.574 Zuschauern im Olympiastadion verdient mit 1:0 gewann, hielt Herthas Trainer Jos Luhukay auf der Pressekonferenz eine emotionale Rede, die zu einer Anklage gegen die Berichterstattung in der so genannten Lolita-Affäre geriet und den Umgang miteinander in der Gesellschaft kritisierte.

Seit Tagen berichtet das Boulevardblatt BZ in riesigen Aufmachungen über ein mittlerweile 17-Jähriges Mädchen aus Berlin, das über angebliche intime Kontakte mit mehreren Spielern von Hertha BSC informiert hatte. Zuletzt aber gab dieses Mädchen eine Erklärung ab, dass es zu keinem Geschlechtsverkehr gekommen sei und dass sie die Unterschrift ihrer Eltern gefälscht habe, als es um die Einverständniserklärung für die Veröffentlichung der Story in der BZ ging.

"Peinlich für alle Beteiligten"

Wie groß der Wahrheitsgehalt dieser Geschichte ist, kann im Moment nicht seriös beurteilt werden, da es sich offenbar um ein Geflecht aus Lügen, Behauptungen und Halbwahrheiten handelt. Luhukay aber sprach nicht nur als Trainer, sondern auch als zweifacher Familienvater und sagte: „Normen und Werte des Lebens werden nicht aufgenommen. Was hier gemacht wird ist schlimm aus menschlicher Sicht. Das hat nichts mehr mit Normen und Werten zu tun. Das ist sehr peinlich für alle Beteiligten.“

Er habe die letzten Tage nicht mehr richtig schlafen können, aber, so Luhukay, auch viele andere Menschen konnten das sicher nicht. Der Umgang mit dieser Geschichte sei für ihn viel schwieriger, als ein Spiel zu gewinnen. Er könne sich innerlich gar nicht richtig über den Sieg gegen Hamburg freuen. „Die Euphorie bei den Fans sei „Gott sei Dank nicht gebrochen worden“, „es war zuletzt nicht möglich, sich zu hundert Prozent auf Fußball zu konzentrieren. Nicht für die Mannschaft, nicht für die Trainer. Ich weiß nicht, was noch kommt“

Zäher Kampf mit wenig Chancen

Das Spiel seiner Mannschaft war auch zu Beginn von viel Nervosität und Unsicherheit geprägt. Schon nach 23 Minuten holte der Trainer deshalb den jungen John Anthony Brooks vom Platz und ersetzte diesen durch den ehemaligen Kapitän Peter Niemeyer, der zu seinem ersten Bundesligaspiel in dieser noch jungen Saison kam. „Ich wollte mehr Siegermentalität, mehr Erfahrung auf den Platz bringen“, so Luhukay, „die Mannschaft hat Peter dieses Mal gebraucht. Er hat das toll gemacht.“

In einem zähen Kampf mit nur wenigen Chancen auf beiden Seiten, biss sich Hertha BSC regelrecht in das Spiel hinein. Nach der Einwechslung des Brasilianers Ronny nach 63 Minuten bekamen die Aktionen mehr Schwung und mehr Pfiff. Ronny gefiel mit feinen Pässen und kreativen Ideen. Einer der schönsten Aktionen des Spiels führte zum Siegtreffer durch den Kolumbianer Adrian Ramos (74.). Nach einem Doppelpass zwischen Änis Ben-Hatira und dem jungen Nico Schulz spielte Schulz einen Hamburger Verteidiger aus und bediente Ramos, der locker vollendete.

Hertha BSC hat nach drei Spielen sieben Punkte erreicht und damit den besten Saisonstart aller Zeiten in seiner 30-jährigen Erstligazeit hingelegt. Zudem ist die Mannschaft seit dem 10.Mai 2012 – der 1:2-Niederlage in der Relegation gegen Fortuna Düsseldorf – im Olympiastadion ungeschlagen. Manager Michael Preetz: „Sieben Punkte nach drei Spielen sind für einen Aufsteiger überragend.“