Bestätigen wollte Oliver Ruhnert erst mal nichts. „Die Situation ist im Moment auch so schon schwierig genug“, erinnerte der Sportchef des 1. FC Union noch einmal an die Tatsache, dass die Köpenicker nach der 1:2-Niederlage am Sonntag beim SV Darmstadt 98 eine Vorentscheidung im Kampf um den Bundesliga-Aufstieg verpasst hatten. Und doch stand die Frage im Raum, ob sich die Unioner, nachdem sie sich in den vergangenen Jahren reichlich mit vielversprechenden Talenten aus dem Schwäbischen (Grischa Prömel, Joshua Mees, Nicolai Rapp) eingedeckt hatten, künftig auch bei der Talentschmiede von Lokalrivale Hertha BSC bedienen könnten. Zuvor war berichtet worden, dass der 19 Jahre alte Nachwuchs-Herthaner und U19-Nationalspieler Julius Kade seine Karriere ab der kommenden Saison in Köpenick statt in Charlottenburg vorantreiben werde.

„Natürlich wissen wir um die Stärken von Julius Kade, kennen ihn ja auch aus seinen Spielen für die U-Nationalmannschaften“, erklärte Oliver Ruhnert auf Nachfrage, bat aber um Verständnis, weder Bestätigung noch Dementi geben zu wollen. „Aktuell zählen für uns nur die kommenden zwei Spiele in der Liga. Alles Weitere kommentieren wir erst nach Saisonende.“

Zuletzt verletzt

Sicher ist: Der talentierte, zuletzt aber verletzte offensive Mittelfeldspieler, von dem Herthas Trainer Pal Dardai einst sagte, dass allein sein Name ihm Gänsehaut verursachen würde, wird die Charlottenburger zum Saisonende verlassen. Das bestätigte sein Berater Jörg Neubauer.

Sollte Kades Weg ihn darüber hinaus tatsächlich an die Wuhlheide führen, wäre das ein wahrhaft einzigartiger Wechsel. Noch nie ging ein junger Hertha-Profi direkt zum 1. FC Union, wobei zumeist der Klassenunterschied und weniger die eher kühle Lokalrivalität an diesem Umstand schuld war.

Doch allein das Gerücht (und das fehlende Dementi aller Parteien) zeigt schon, dass Union, nach Jahren der voranschreitenden Professionalisierung, auf dem Transfermarkt neuerdings durchaus als ernstzunehmender Konkurrent um junge, entwicklungsfähige Spieler angesehen wird.

Denn versuchten sich talentierte Herthaner in der Vergangenheit teils verzweifelt, in der ersten Mannschaft durchzubeißen, so scheinen die Nachbarn aus Köpenick für einen Jung-Nationalspieler wie Julius Kade plötzlich eine interessante Alternative zu sein − möglicherweise ab der kommenden Saison sogar in der Bundesliga. Doch sollte man diese Spekulationen bis zur endgültigen Bestätigung eines Kade-Wechsels und der Entscheidung über Unions Klassenzugehörigkeit erst mal außen vor lassen. Die Situation ist im Moment schon schwierig genug. (Mitarbeit: Mathias Bunkus)